Nürnberg
Polizeieinsatz

Polizist erschießt Kuh mit Maschinenpistole - Fränkischer Landwirt klagt

Ein Polizist erschießt in Mittelfranken eine Kuh auf der Flucht mit einer Maschinenpistole. War der Einsatz verhältnismäßig? Dies muss nun ein Gericht in Nürnberg klären.
 
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Symbolfoto: Countrypixel/Adobe Stock

Ein ungewöhnlicher Fall wird derzeit vor dem Landgericht Nürnberg verhandelt: Im Mai 2019 büxte eine Kuh auf dem Weg zur Schlachtbank in der Nähe von Scheinfeld (Landkreis Neustadt-Aisch) aus und suchte ihr Heil in der Flucht. Vergeblich.

Denn die Ehefrau des Eigentümers rief die Polizei. Es begann eine Verfolgungsjagd über Wiesen, Felder und durch Wälder. Später griff einer der Beamten zur Maschinenpistole und erlegte das Tier. Diesen Einsatz empfindet der Rinderzüchter als unverhältnismäßig - und fordert nun Schadenersatz.

Erst nach drei Schüssen stirbt die Kuh

Hubertus Freiherr von Crailsheim, Rinderzüchter und Gutsherr in Iphofen, verklagt den Freistaat Bayern auf die Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 3000 Euro - das ist der Schlachtwert des Tieres. Das Fleisch sei nach den Schüssen nicht mehr zu gebrauchen gewesen.

Die beteiligten Polizisten machen geltend, sie hätten nur Schaden von der Bevölkerung nahe liegender Ortschaften abwenden wollen. Drei Schüsse aus seiner Maschinenpistole soll ein Polizist auf die Kuh abgefeuert haben. Laut Ohrenzeugen hätte der Polizist "das gibt es doch nicht!" ausgerufen, als das Tier nach zwei Schüssen immer noch stand. Erst nach dem dritten Schuss sei die Kuh zusammengebrochen.

Laut dpa gaben die Beamten vor Gericht an, die Eigentümerin des Tieres sei mit den Schüssen einverstanden gewesen. Der Besitzer sagt dagegen, die Schüsse seien voreilig gefallen - zwei Minuten später wären Tierarzt, Metzger und ein erfahrener Jagdschütze zur Stelle gewesen, die die Kuh artgerecht hätten erlegen können und auch noch die Verwertung des Fleisches an Ort und Stelle ermöglicht hätten.

Das Gericht sah einen Vergleich als den richtigen Weg an - 1500 Euro vom Freistaat für den Gutsherren. Doch darauf wollte der Vertreter des Freistaates zunächst nicht eingehen. Eine Entscheidung wird spätestens am 22. September verkündet.