Nasser Ahmed will bei der Kommunalwahl 2026 Oberbürgermeister von Nürnberg werden. Gewinnt er die Wahl, wäre er der erste Schwarze OB in ganz Deutschland.
"Nürnberg bezahlbar machen für jeden, niemand darf abgehängt werden" - das ist Nasser Ahmeds Mission. Für die Nürnberger SPD tritt er bei der Kommunalwahl 2026 am heutigen Sonntag (8. März 2026) daher als Oberbürgermeisterkandidat an. Sollte er gewinnen, würde Ahmed damit auch deutschlandweit in eine Vorreiterrolle schlüpfen. Denn: Er wäre der erste Schwarze Oberbürgermeister im ganzen Land. inFranken.de berichtet ausführlich über die OB-Wahl in Nürnberg: Hier gibt es die Ergebnisse. Markus Söder sorgte am Tag der Wahl für eine Überraschung.
Jeden Tag würden ihn Schwarze Menschen darauf ansprechen, ihm sagen, dass sie ihn daher als Vorbild sehen, erzählt Nasser Ahmed im Gespräch mit inFranken.de. Er betont: "Zum Thema Gleichberechtigung gehört auch dazu, dass es Vorbilder und Vorreiter gibt. Dieser Funktion bin ich mir durchaus bewusst." Damit gehe für ihn auch eine Verantwortung einher.
Kommunalwahl 2026: Wird Nasser Ahmed Deutschlands erster Schwarzer Oberbürgermeister?
"Das ist für mich natürlich auch berührend, wenn ältere Schwarze Menschen, die teilweise doppelt so alt sind wie ich, sagen, sie legen ihre Hoffnungen auf mich." Gleichzeitig sei für ihn auch klar: "Ich trete nicht dafür an, der erste Schwarze OB zu sein, oder ein besonders junger OB zu sein - ich trete dafür an, dass Nürnberg für alle bezahlbarer wird und besser funktioniert."
Ahmed ist in Nürnberg aufgewachsen, wurde 1988 dort geboren. Seine Eltern stammen aus Eritrea. Der SPD-Politiker betont: "Dass ich meinen Weg als Kind von Geflüchteten gehen konnte, lag daran, dass es für mich Chancen gab." Und das "entgegen aller Wahrscheinlichkeiten", wie er selbst sagt. Nürnberg sei für ihn daher eine Stadt der Chancen. Gleichzeitig kenne er genügend Menschen, die diese Chancen aktuell nicht bekommen.
Er wünsche sich jedoch, dass jeder diese Erfahrung machen könne. "Es ist mein fester Glaube, dass Nürnberg das in sich hat, aber das gerade nicht jeder spürt", betont Ahmed. Er sehe, dass Menschen aktuell nach Halt und Hoffnung suchen würden. "Und das muss von demokratischer Seite gegeben werden."
Nürnberger SPD-Kandidat: Rassismus ist im Netz an der Tagesordnung
Trotz allem erfahre Ahmed immer wieder Rassismus - und das vorrangig im Internet. "In den sozialen Medien ist das an der Tagesordnung", berichtet er aus eigener Erfahrung. Allerdings sei seiner Meinung nach eine kleine Minderheit für die Mehrheit der Hassbotschaften im Netz verantwortlich. Daher müsse der Rest der Gesellschaft wieder lauter werden, Visionen entwickeln und Menschen für Politik begeistern.
Sich Rassismus entgegenzusetzen, das war auch das Ziel einer Kampagne des SPD-Kandidaten, die im Netz zeitweise für viel Kritik sorgte. "Mein N-Wort ist Nürnberg" lautete der Slogan. "Das ist wohl ein schlechter Scherz?" und "Habe gerade davon erfahren und bin entsetzt über diese Kampagne!" ist etwa in den Kommentaren unter dem entsprechenden Instagram-Post des Oberbürgermeister-Kandidaten zu lesen.
Kritik weist Ahmed dennoch zurück. Immer wieder werde ihm das N-Wort ausgeschrieben an den Kopf geworfen. Er wolle sich dadurch nicht definieren lassen und habe den Begriff daher für sich umgedeutet. "Den Elefanten im Raum nicht anzusprechen, hätte ich falsch gefunden", ordnet er ein.
In diesem Artikel wird "Schwarze Menschen" großgeschrieben, da es sich um eine Selbstbezeichnung handelt und eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position beschreibt, anstelle der Hautfarbe.