Der Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) hat vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht in München eine Musterfeststellungsklage gegen die Sparkasse Nürnberg eingereicht. Auslöser seien "zweifelhafte Kündigungen" sowie eine "falsche Zinsberechnung" bei Prämiensparverträgen. Insgesamt sei dabei ein Schaden in Millionenhöhe zulasten der Verbraucher entstanden. Das teilt die Verbraucherzentrale Bayern auf ihrer Website mit.

Laut Pressemitteilung der Verbraucherzentrale hat die Sparkasse Nürnberg im Jahr 2019 über 20.000 langlaufende Prämiensparverträge gekündigt. Ursprünglich seien diese recht niedrig verzinst gewesen, jedoch böten die Verträge aus heutiger Sicht eine attraktive Rendite. Außerdem habe die Sparkasse vielen Prämiensparern jahrelang zu wenig Zinsen gezahlt, lautet der Vorwurf der Verbraucherschützer. Aus diesem Grund sei nun eine Musterfeststellungsklage gegen die Sparkasse Nürnberg eingereicht worden.

Verbraucherzentrale wirft Sparkasse "zweifelhafte Kündigungen" und "falsche Zinsberechnungen" vor 

Das Bayerische Oberste Landesgericht in München soll nun klären, ob die Sparkasse ihren Kunden mit Prämiensparverträgen Zinsen nachzahlen muss. Außerdem hat es zu entscheiden, ob die Kündigungen vieler Verträge rechtmäßig gewesen sind. "Mit unserer Klage können sich Verbraucher nun gegen zweifelhafte Kündigungen und Zinsberechnungen der Sparkasse zur Wehr setzen", sagt Sebastian Reiling, Rechtsreferent beim vzbv. "Eine Beteiligung ist für die Sparer kostenlos und unkompliziert möglich."

In ihrer Nürnberger Beratungsstelle hat die Verbraucherzentrale Bayern die Fälle betroffener Kunden dokumentiert und dem Bundesverband der Verbraucherzentrale zur Verfügung gestellt. "Wir wollen erreichen, dass Sparern endlich die zustehenden Zinsen ausgezahlt werden. Nach unseren Berechnungen belaufen sich die Ansprüche auf durchschnittlich 4200 Euro pro Vertrag."

"Insgesamt ist das ein Schaden in Millionenhöhe zulasten der Verbraucher", betont Sascha Straub, Referatsleiter Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Zudem werde den Verbrauchern durch die Kündigung die Chance auf erhebliche Prämienzahlungen für die Zukunft genommen. Nach Auffassung des vzbv und Verbraucherzentrale Bayern erfolgten viele Kündigungen zu Unrecht und sind damit unwirksam.

Sparkassen-Kunden können sich an Klage beteiligen

Grundsätzlich könnten sich alle Kunden der Sparkasse Nürnberg an der Musterfeststellungsklage beteiligen, die einen Sparvertrag "Prämiensparen flexibel" abgeschlossen haben. Der Vertrag müsse bestimmte Voraussetzungen hinsichtlich des Wortlauts der Zinsanpassungsklausel und der Prämienstaffel erfüllen. Für Fragen hat die Verbraucherzentrale ein Info-Telefon eingerichtet. Von Dienstag bis Donnerstag in der Zeit von 9 bis 12 Uhr informieren Rechtslotsen unter 0911 / 99 39 90 27, welche Fälle grundsätzlich zur Klage passen.

Betroffene Verbraucher können derzeit selbst noch nicht aktiv werden, da das Gericht die Klageschrift zunächst noch prüfen muss. In wenigen Wochen wird die Klage jedoch im Klageregister des Bundesamtes für Justiz öffentlich bekannt gemacht. Verbraucher können sich dann in das Register eintragen und sich somit kostenlos der Klage anschließen. Der vzbv und die Verbraucherzentrale Bayern werden über die Eröffnung des Klageregisters informieren.

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