"Noris Sky Metro" nennt sich das neueste Vorhaben der Nürnberger FDP und sieht ein Umdenken im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor. Der radikale Vorschlag fordert die Einführung von Seilbahnen und stammt von Stadtrat Ümit Sormaz. Er will Nürnbergs ÖPNV billiger und effizienter gestalten. Gerade Studierende könnten von einem Pilotprojekt profitieren.

„Wagt endlich eine neue Form von öffentlichem Nahverkehr in der Stadt!“, fordert der liberale Stadtrat auf seiner Facebook-Seite. Seilbahntechnik, wie sie bereits in zahlreichen anderen Städten genutzt wird, könnte Nürnbergs bestehende ÖPNV-Struktur entlasten und deren Ausbau schnell in eine klimafreundliche Richtung lenken. 

Seilbahnen weltweit auf dem Vormarsch - Deutschland hinkt hinterher

Seilbahnen rücken in den letzten Jahren weltweit in den Fokus der Stadtplaner. Ankara, London und Mexiko-Stadt sind nur ein paar der Beispiele für die internationale Nutzung der schwebenden Gondeln. Das größte Seilbahnnetz findet man in der bolivianischen Hauptstadt La Paz. Hier werden täglich rund 300.000 Passagiere befördert.

In deutschen Städten hingegen finden sich nur wenige Seilbahnen. Die nennenswerteste ist in der Stadt Koblenz, welche die dortigen Rheinanlagen mit der Festung Ehrenbreitstein verbindet. Allerdings gibt es hier wenig effizientere Möglichkeiten, um mit dem ÖPNV den steilen Berg hochzukommen. Mit Bonn soll in den nächsten Jahren ein erstes größeres Netz in einer deutschen Großstadt getestet werden.

Eine Kritik an der Nutzung von Seilbahnen in deutschen Städten ist, dass es wenige Ziele gibt, die man nur durch eine Seilbahn erreichen kann. Dafür sind die Städte hierzulande zu flach. Zudem gibt es bereits bestehende Strukturen, welche in Zukunft weiter ausgebaut werden können, wie etwa Straßenbahnen, Busse und die U-Bahn. Parallel neue Netze aufzubauen, kann teuer werden.

Mehr als nur "Beförderungsmittel für Wintersportler in den Alpen"

Sormaz hat für diese Bedenken wenig übrig. "Hierzulande als Beförderungsmittel für Wintersportler in den Alpen verkannt, hat eine Seilbahn mehr zu bieten als nur touristische Aspekte", meint der FDP-Politiker. Während ein Kilometer U-Bahn geschätzt 200 Millionen Euro und viele Jahre Bauzeit kostet, sei ein Kilometer Seilbahn viel billiger zu realisieren. Sormaz schätzt die Kosten hier auf 5 Millionen Euro und stützt sich dabei auf einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks.

Außerdem nimmt eine Seilbahn keinen Platz für andere Verkehrsmittel weg und ist schnell aufgebaut. Eine Strecke für die erste Verbindung der "Noris Sky Metro" ist auch schon ausgemacht. Von der neuen Technischen Universität Nürnberg (an der Münchener Straße) soll die Strecke zur Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Regensburger Straße) führen.

Ob eine Seilbahn wirklich sinnvoll für die Erweiterung des städtischen Verkehrsnetzes wäre, wird nach diesem Vorstoß wohl intensiver diskutiert werden. Ümit Sormaz fordert: „Für solche Projekte müssen wir in Nürnberg einfach nur endlich mal innovativer und aufgeschlossener denken und handeln.“