Polizeipferde gehen nun im Brennpunktviertel am Nürnberger Hauptbahnhof auf Streife. Kinder sind begeistert, Anwohner fühlen sich sicherer. Und die Kriminellen?
Wenn Remus und Quickly am Nürnberger Hauptbahnhof Streife laufen, bekommen sie viel Aufmerksamkeit. Immer wieder bleiben Leute stehen und zücken ihre Handys, um Fotos zu machen: Zwei Pferde mitten in der Stadt, das ist schon ungewöhnlich. Doch es gibt auch Menschen, die die Flucht ergreifen, sobald sie die beiden großen Tiere erblicken. Denn Remus und Quickly sind Polizeipferde.
Seit März sind die beiden Wallache regelmäßig auf der Rückseite des Hauptbahnhofs unterwegs, die als Kriminalitätsbrennpunkt in Nürnberg gilt. Anfangs war das Ganze ein Pilotprojekt des Polizeipräsidiums Mittelfranken, ergänzend zur Videoüberwachung und den eh schon verstärkten Polizeistreifen in der Umgebung. Doch inzwischen sind die Polizeipferde dort fast täglich im Einsatz. Die Reiterstaffel habe die Lage zusätzlich beruhigen können, sagt Polizeisprecher Michael Sebald.
Polizei Nürnberg zu Pferde: Strategie für Hauptbahnhof-Brennpunkt begeistert Bürger
Deren Wirkung zeigt sich bereits, als der Pferdetransporter an diesem Vormittag am Nelson-Mandela-Platz hinter dem Bahnhof vorfährt. Schnell steht ein Mann von einer Bank auf und entfernt sich. Als Remus und Quickly dann langsam die Rampe herunterlaufen, bildet sich schnell eine Traube von Schaulustigen. Ein kleiner Junge streichelt vorsichtig Remus, ein Mädchen lässt sich von ihrer Mutter neben Quickly fotografieren.
"Wie man sieht, man kommt gar nicht weit, weil man sofort angesprochen wird", sagt Polizeireiterin Katharina Lorenz lachend, während sie und ihre Kollegin Caroline Lehl die Pferde für den Streifendienst fertig machen. Beide tragen eine leuchtend gelbe Decke, wodurch diese schon von Weitem zu sehen sind. "Wir wollen, dass die Bürger uns sehen und wir wollen die Dienststellen, die hier täglich im Einsatz sind, mit den Pferden unterstützen", erläutert Lorenz.
Die Menschen sollen sich dadurch am Bahnhof und in dem nahe gelegenen Park sicherer fühlen. Außerdem sollen die imposanten Tiere Kriminelle abschrecken. Dass das funktioniert, kann Sebald bestätigen. "Wir haben eine deutliche Abwanderung von der betreffenden Klientel feststellen können und auch Straftaten sind größtenteils zurückgegangen", sagt Sebald.
Pferdestarker Einsatz mitten im Großstadttrubel
So empfindet es auch eine Nürnbergerin, die in der Nähe des Bahnhofs arbeitet und gerade Mittagspause in dem Park macht. "Teilweise fühlt man sich hier nicht sicher", sagt sie. Wegen der Drogen-Szene und weil man zu jeder Tageszeit von Betrunkenen angepöbelt werde, erläutert sie. Doch seitdem die Pferde in der Gegend unterwegs seien, sei davon weniger zu sehen.
Die Reiterstaffel in Nürnberg gibt es seit 2018 und umfasst nach Angaben des Innenministeriums 20 Pferde. Insgesamt stehen bei der bayerischen Polizei aktuell 63 Pferde im Dienst, der Großteil davon in München. "Sie leisten im täglichen Dienst einen wesentlichen Beitrag zur Polizeiarbeit", heißt es vom Ministerium. Sie helfen zum Beispiel bei der Suche nach Vermissten, unterstützen bei Fußballspielen, Konzerten und Demonstrationen oder sorgen im Englischen Garten in München für Sicherheit.