• Nürnberg: Mehrere Polizeieinsätze in Club "Mitte Soundbar"
  • In Nürnberger Diskothek sollen illegale Partys stattgefunden haben - Ordnungsamt versiegelt Tür
  • "Nehme das Thema sehr ernst": Betreiber äußert sich umfassend zu Vorwürfen
  • "Hoffen wir also miteinander": Emotionales Statement an Gäste der "Mitte"

Es ist eine Nachricht, die sich in Nürnberg und der landesweiten Clubszene schnell verbreitet hat. Die "Mitte Soundbar", eine alteingesessene Institution der elektronischen Musik am Hallplatz in der Innenstadt, ist von einer dauerhaften Schließung bedroht. Der Grund: Die Polizei hatte bei zwei Kontrollen in der vergangenen Woche dort nach eigenen Angaben Verstöße gegen das aktuell in Bayern gültige Öffnungsverbot festgestellt. Sogar ein USK-Spezialkommando wurde hierbei eingesetzt, in der "Mitte" sollen illegale Partys stattgefunden haben. Bei inFranken.de äußert sich der Club-Betreiber Lutz Morich zu den Vorwürfen. 

"Mitte Soundbar" in Nürnberg: Betreiber spricht von "Geburtstagsfeier" - mit Corona-Regeln "sorgfältig vertraut gemacht"

"Ich selber habe am 28.11. Geburtstag", schreibt Morich in einem ausführlichen Statement auf Anfrage. "Diesen Tag wollte ich gemeinsam mit Freunden im privaten Rahmen verbringen. Aufgrund der momentanen Ausnahmesituation ist eine öffentliche Feier ohnehin nicht möglich", so der Designer, der die "Mitte" seit mittlerweile fast elf Jahren betreibt. Man nehme "das Thema sehr ernst", betont er. Entsprechend habe er sich "im Vorfeld sorgfältig mit den aktuellen behördlichen Auflagen vertraut gemacht, um meiner Verantwortung als Veranstalter nachzukommen". Das Ganze sei "eine komplexe Mission" gewesen.

"Ein tatsächlich transparentes Regelwerk für mein Vorhaben zu finden, glich einer Expedition in unbekannte Welten", beschreibt Morich seinen Versuch. Neben der Recherche im Internet habe er sich auch sicherheitshalber bei Gastronomie-Kollegen sowie bei einem Freund, der aktuell beim Gesundheitsamt der Stadt tätig sei, informiert. Unter anderem habe er sich auf einen Zeitungsartikel zu Geburtstagsfeiern vom 19. November 2021 bezogen, indem es geheißen habe, dass private Feiern ohne Maskenpflicht mit 2G-plus möglich seien. "Meine 'Berater' zogen andere Quellen für ihre Ergebnisse heran. Alle waren sich einig: Eine Privatfeier in diesem Rahmen wäre absolut regelkonform", schreibt Morich.

Die Veranstaltung sei auf Facebook als Privatveranstaltung gekennzeichnet gewesen, er selbst sei als Privatperson Veranstalter gewesen. Er habe ebenfalls eine "lückenlose Gästeliste" gehabt, so der Designer. "Ich hatte zwei Türsteher an der Eingangstüre, die lediglich Gäste passieren ließen, die auf der Liste notiert waren, sowie den Impfstatus und den erforderlichen Schnelltest überprüften", schreibt er. Alle 42 Personen hätten einen "Impfschutz sowie einen Schnelltest" vorgewiesen. Ausnahme seien "zwei Bekannte im Kellergeschoss, die mir bei meinen Umbaumaßnahmen helfen" gewesen. 

Vorwürfe gegen Nürnberger Polizei: Türsteher sei "von Beamten zur Seite gestoßen" worden 

Allerdings wirft die Polizei Morich vor, dass fünf Personen auf der besagten Feier am 28. November keinen Impfnachweis oder gültiges Testergebnis gehabt hätten. Wie dies sein könne, sei "weder mir bekannt, noch können sich dies meine Türsteher erklären, die den Impfschutz aller Gäste sorgfältig prüften", so der Club-Betreiber. Um etwa 0.45 Uhr seien dann "sechs VW-Busse der Polizei und des USK" vorgefahren, erklärt Morich. "Die Information meines Türstehers, es handele sich um eine private Geburtstagsfeier, zu der die Beamten keinen Zugang hätten, wurde ignoriert", schreibt er.

Einer der beiden Türsteher sei "von einem Beamten zur Seite gestoßen" worden.  Eineinhalb Stunden seien dann die Personalien festgestellt worden, dabei sei es vor dem Lokal "ziemlich kalt" geworden, "eine Verlagerung in den beheizten Innenraum wurde abgelehnt", heißt es in dem Statement. Der Einsatzleiter habe kurzum entschieden, die Veranstaltung aufzulösen, so Morich. Die Begründung laut dem Betreiber: "Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz". Sein Rechtsanwalt versuche derzeit, "detaillierte Informationen zu erhalten". Den Vorwurf des "illegalen Diskothekenbetriebs" verstehe er "beim besten Willen nicht".

Auch zum zweiten Vorfall in der Nacht auf den 1. Dezember 2021 äußert sich der Künstler. "An diesem Tag war das Lokal geschlossen. Die Tür war zu. Im Innenraum waren zwei Mitarbeiter anwesend, mit denen ich die Planung der kommenden Zeit besprochen hatte", so Morich. Zusätzlich seien zwei Bekannte vor Ort gewesen, die "mir beim Umbau des Lokals helfen". Nach getaner Arbeit habe man "ein Getränk bei moderater Musiklautstärke" zu sich genommen. Um 02.34 Uhr hätten dann "sechs Beamte" geklopft und wären eingetreten. "Für die Anwesenden - auch für meine Mitarbeiter - wurde ein 'Platzverbot' ausgesprochen. Diese hatten den Raum umgehend zu verlassen", so Morich weiter. 

Nur Privatparty in "Soundbar Mitte": So reagiert das Nürnberger Ordnungsamt 

Es gebe seines Wissens, "keinerlei Beschwerden" wegen Ruhestörung in der Nachbarschaft. "Ich achte seit nunmehr 10 Jahren darauf, dass es durch den Betrieb des Clubs zu keinerlei Einschränkungen für umliegende Personen kommt", erklärt der "Mitte"-Betreiber. Der Vorwurf der „überlauten Musik“ basiere "lediglich auf der persönlichen Einschätzung der Beamten", meint er. Am 2. Dezember 2021 habe er die Eingangstüre des Lokals versiegelt vorgefunden, schreibt Morich. Eine fristgerechte Stellungnahme habe er eingereicht, eine Antwort sei "bis heute" ausgeblieben. 

Auf die Äußerungen Morichs wollen auf Anfrage von inFranken.de weder das Polizeipräsidium Mittelfranken noch das Nürnberger Ordnungsamt konkret eingehen. "Es läuft ein Ermittlungsverfahren gegen den Betreiber. Er hat natürlich das Recht, sich zu den ihm gemachten Vorwürfen zu äußern, wir werden dazu allerdings keine öffentliche Stellungnahme abgeben", so ein Präsidiumssprecher. "Es wäre kein Verfahren eingeleitet worden, wenn wir den Eindruck gehabt hätten, es wäre eine reine private Feier", sagt der Sprecher. Robert Pollack, Leiter des Nürnberger Ordnungsamts, versichert, man habe elektronische Clubs in Nürnberg "nicht besonders auf dem Kieker". Auch für das Ordnungsamt habe es sich "aber nicht so dargestellt, als ob es eine geschlossene Gesellschaft war". 

Es gehe nun "um sehr viel für die Soundbar Mitte", so Pollack. Es drohe ein Bußgeld von 5000 Euro und sogar der Entzug der Gaststättenerlaubnis. Im Frühjahr habe es einen aus Sicht der Behörde ähnlichen Fall der "unerlaubten Öffnung" gegeben, allerdings sei dies nicht zweimal vorgekommen, wie es das Ordnungsamt jetzt der "Mitte" vorwirft. Ein Formular zur Stellungnahme habe Morich zudem nicht ausgefüllt und zurückgeschickt, sagt Pollack.

"Nie die Absicht": "Mitte Soundbar"-Chef mit emotionalem Schreiben an Stammgäste 

Lutz Morich hat nach den schweren Vorwürfen gegen ihn auch ein emotionales Statement in einem Schreiben an Stammgäste des Clubs, Freunde und Bekannte verfasst, das inFranken.de vorliegt. Was momentan über ihn geschrieben werde, habe wenig mit seiner "eigentlichen Mentalität" und der "Philosophie der mitte" zu tun, so Morich darin. Bis heute habe er mit den Behörden "konstruktiv zusammengearbeitet".

Der Club habe ihm die Möglichkeit gegeben, "Menschen zusammenzubringen" und diese "glücklich zu machen zu dürfen - allein mit Musik". Es sei stets sein Anspruch gewesen, seinen Club "unter Berücksichtigung der geltenden Regeln und im Dialog mit den verantwortlichen Behörden zu gestalten". Er werde die "Idee der mitte soundbar sicher nicht fahrlässig aufgeben". Morich verspricht den Gästen des Clubs, "alles mir mögliche dafür zu tun, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass es nie die Absicht dieses Projekts oder von mir persönlich war, provokant oder gar rücksichtslos zu handeln".

Der Betreiber endet mit einem Aufruf: "Hoffen wir also miteinander, dass sich der Gedanke einer konstruktiven und zufriedenstellenden Lösung verwirklichen lässt, damit die liebenswerten Seelen dieser Stadt auch in Zukunft lächeln dürfen." Eine Schließung der "Mitte Soundbar", sie dürfte wohl nicht nur Morich selbst, sondern auch vielen Fans der elektronischen Musik in Nürnberg nach dem erneuten Corona-Shutdown einen weiteren schweren Dämpfer verpassen.