• Franken: Mega-Warnstreik in Kitas am Dienstag (08. März 2022)
  • Gewerkschaft Verdi ruft Beschäftigte auf, Arbeit niederzulegen
  • Bis zu 140 Kitas alleine in Nürnberg betroffen - Stadt richtet Notfallbetreuung ein 
  • Gewerkschaft fordert höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen

In mehreren Städten in Franken bleiben am heutigen Dienstag (08. März 2022) die Kitas aufgrund von Warnstreiks geschlossen. Die Gewerkschaft Verdi hat unter anderem in Nürnberg, Fürth und Schwabach Beschäftigte dazu aufgerufen, ihre Arbeit komplett niederzulegen - in vielen fränkischen Städten sind Protestaktionen geplant. Hintergrund sind stockende Tarifverhandlungen, bei denen es unter anderem um Verbesserungen bei der Eingruppierung von Erzieherinnen und Erziehern und den Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen geht. Dafür soll der Weltfrauentag am Dienstag genutzt werden, wie es heißt.

Update vom 8.3. 10 Uhr: Warnstreik in Kitas in Bayern hat begonnen

Der Warnstreik in den bayerischen Kitas hat begonnen. "Im Grunde geht er jetzt überall los", sagte ein Verdi-Sprecher am Dienstagmorgen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen zum Weltfrauentag am Dienstag bundesweit zu Warnstreiks und Protestkundgebungen aufgerufen.

Damit will Verdi in der laufenden Tarifrunde für die sozialen Dienste den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber erhöhen. In Bayern sind unter anderem in München, Nürnberg und Erlangen Kundgebungen am Nachmittag geplant.

Wie viele Kitas im Freistaat betroffen seien, könne Verdi derzeit nicht sagen, sagte der Sprecher. Gegen Mittag könnte es einen ersten Überblick geben. Die Gewerkschaft habe es den Kita-Leitungen überlassen, ob diese sich an dem Protest beteiligen wollen. Für die Kinder gibt es Notbetreuungen.

Die Tarifverhandlungen waren eigentlich für das Frühjahr 2020 geplant, nach dem Beginn der Corona-Pandemie jedoch auf Eis gelegt worden. Verdi fordert keine prozentuale Lohnerhöhung, sondern höhere Eingruppierungen der sozialen Berufe in den Besoldungsstufen. Die kommunalen Arbeitgeber argumentieren, dass Erzieherinnen und Erzieher bereits jetzt besser verdienten als vergleichbare Berufe.

Kita-Protest in Forchheim - so ist die Warnstreik-Lage in Kreis und Stadt Bamberg am Dienstag

"Über 80 Prozent der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst sind Frauen. Seit Jahrzehnten sind wirksame Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel, bessere Arbeitsbedingungen und eine finanzielle Aufwertung der Arbeit in den Sorgeberufen überfällig", wird Robert Hinke, Leiter der Bereiche Soziale Dienste und Bildung bei Verdi Bayern in einer Mitteilung zitiert. Verdi und der Beamtenbund DBB hatten bereits Ende Februar ein erstes Gespräch mit den kommunalen Arbeitgebern geführt, das aus Sicht der Gewerkschaft jedoch "ernüchternd" lief.

Weitere Verhandlungsrunden sollen nach bisherigem Plan am 21. und 22. März sowie am 16. und 17. Mai 2022 stattfinden, bestätigt der stellvertretende Geschäftsführer von Verdi Oberfranken-West, Dirk Schneider, gegenüber inFranken.de. In der Forchheimer Innenstadt soll es etwa am Dienstag verschiedene Aktionen der Gewerkschaft geben. "Es wird nur für kommunale Einrichtungen verhandelt. Direkt davon betroffen sind allerdings auch ausdrückliche Anwender des TVÖD SuE (Anm. d. Red.: Tarifvertrag Öffentlicher Dienst - Sozial- und Erziehungdienst). Und weiter hat ein zukünftiger Abschluss natürlich auch Strahlkraft auf kirchliche sowie private Träger, da sich diese oft auf den TVÖD beziehen beziehungsweise sich daran orientieren", so Schneider. 

Weder im östlichen noch westlichen Oberfranken werde es aber Arbeitsniederlegungen geben, so Schneider. In Bamberg etwa betreibe die Stadt gar keine kommunale Kita und es falle zugleich "keiner der Träger in Bamberg unter diesen Tarifvertrag", erklärt die Stadt auf Anfrage. Auch im Landkreis sind laut Landratsamt keine geschlossenen Kitas für morgen gemeldet. Anders ist die Lage in Mittelfranken, wo sich viele Eltern auf einen Kita-freien Tag einstellen müssen. 

Rund 140 Kitas in Nürnberg zum Streik aufgerufen - auch Fürth und Schwabach betroffen

In Erlangen liegen dem zuständigen Jugendamt "bis dato noch keine Informationen aus den städtischen Einrichtungen vor", erklärt ein Sprecher. Die Kontaktaufnahme erfolge "direkt durch die Einrichtungen zu den Eltern als Vorabinformation". Eine Notbetreuung sei nicht eingerichtet. "In Erlangen wird es eine kleine eigene Aktion geben, die zentralen Streikaktivitäten finden in Mittelfranken in Nürnberg statt", so eine Sprecherin von Verdi-Mittelfranken gegenüber inFranken.de. Um 10.30 Uhr beginnt in Erlangen am Großparkplatz hinter dem Hauptbahnhof eine Streik-Demonstration statt, die kurz vor 12 Uhr mit einer Abschlusskundgebung auf dem Rathausplatz enden soll. 

In Nürnberg sind die rund 140 städtischen Kindertageseinrichtungen am Dienstag zum Warnstreik aufgerufen worden, berichtet die Stadt. Hier werde eine Notbetreuung eingerichtet. Das Jugendamt bittet alle betroffenen Eltern, "für eine alternative Betreuungsmöglichkeit des Kindes oder der Kinder zu sorgen". Für familiäre Notlagen stünden Notdiensteinrichtungen zur Verfügung. Die Eltern werden außerdem gebeten, bei Unklarheiten mit ihrer Kita abzuklären, "ob diese bestreikt wird und welche Notdiensteinrichtung das Kind gegebenenfalls betreuen kann", heißt es.

Die zentrale Streikkundgebung beginnt in Nürnberg ab 14.30 Uhr auf dem Kornmarkt und soll bis mindestens 18 Uhr dauern, am Rathaus ist eine abschließende Kundgebung geplant. In Schwabach sei in den vier städtischen Kindertageseinrichtungen (Anne-Frank-Kindergarten, Kindergarten Forsthof, Altstadt Haus der Kinder und Waldemar-Bergner-Kindergarten) zum Warnstreik aufgerufen worden, heißt es aus dem Rathaus. Welche Einrichtungen tatsächlich bestreikt werden, entscheide sich erst kurzfristig, so die Stadt. In Fällen einer Kindeswohlgefährdung sei das Krisentelefon unter 09122 860-364 von 8 bis 16 Uhr besetzt. Komplette Arbeitsniederlegungen gebe es am Dienstag auch in Fürth und Schweinfurt, so Verdi in einer Mitteilung. In Würzburg soll es am Dienstag von 7.45 Uhr bis 16 Uhr zu Streikaktionen von Beschäftigten in Behinderteneinrichtungen kommen. 

Auch interessant: Club-Fans fahren an Grenze - und nehmen ukrainische Familie spontan mit heim nach Franken