Der Autor des NPD-Beitrags schreibt auch, die Methoden der "Querdenker" - wie etwa Aufrufe mit Megaphon - seien ein "herzerweichender Liebesbeweis für Volk und Vaterland". Man müsse "jedem die Hand reichen, der es gut mit Deutschland meint", lobt die Partei die Demonstration und stellt fest: "Distanzierungen gab es an diesem Tag keine."
"Euer Tag kommt noch": Demonstrant pöbelt und greift Polizeibeamten an
Auch Drohungen habe es gegeben. "Ihr kommt auch noch dran, euer Tag kommt noch", hätten Demonstrierende der Presse zugerufen, berichtet Löster. Auch von "Nürnberg 2.0" sei gesprochen worden - eine Anspielung auf die Nürnberger Prozesse gegen Kriegsverbrecher nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Eine Situation habe es gegeben, in der ein Teilnehmer sogar einen Polizisten angegriffen habe, nachdem ein Fotograf von einer Teilnehmerin verbal angegangen worden sei. "Da war ich allerdings nicht direkt dabei, sondern habe den Mann erst gesehen, als man ihn schon festgesetzt hatte", so Löster.
"Gegen 16:00 Uhr kam es zu einer zunächst verbalen Auseinandersetzung einer Teilnehmerin und einem Versammlungsbeobachter", heißt es im Polizeibericht. Beim Einschreiten der Einsatzkräfte sei ein "unbeteiligter Dritter die Beamten" angegangen. "Nachdem er diese zunächst beleidigte, griff er einen Polizisten an und leistete Widerstand", so die Polizei. Der Mann sei anschließend vorläufig festgenommen worden.
Polizei "zu schwach aufgestellt": Fotograf bemängelt Taktik der Einsatzkräfte
Löster, Ex-SPD-Geschäftsführer in Nürnberg, sagt, er beobachte "die Szene seit Mai letzten Jahres", zuvor hatte er unter anderem bei "Endstation Rechts" über Neonazis in der Stadt berichtet. "Es werden bei den Corona-Demos weniger Teilnehmer, aber ein harter Kern wird zum Kristallisationspunkt, der sich stark radikalisiert hat", schätzt der Fotograf die Lage ein. Einer der Demonstranten habe etwa gerufen: "Wir wissen, wo ihr wohnt. Wir werden euch besuchen."
Situationen wie diese "beunruhigen einen schon", sagt Löster und erzählt, dass ihm bereits Demo-Teilnehmende bis zur Wohnung gefolgt seien, bei einer "Querdenken-Demo" im Herbst 2020 habe eine Ordnerin sogar versucht, ihn "mit einem Gegenstand zu schlagen". Deshalb gehe er auch immer in "einer Gruppe" zu derartigen Kundgebungen.
Denn: "Die Polizei war zu schwach aufgestellt", sagt Löster über die Präsenz der Einsatzkräfte am Samstag in Nürnberg. "Die Situation wäre vielleicht anders gewesen, wenn mehr Polizei da gewesen wäre." Gleichzeitig nehme die Bereitschaftspolizei keine Anzeigen vor Ort entgegen. "Hinterher bringt es nicht mehr viel, zur Polizeistation zu gehen, ich habe ja keine Personalien von der jeweiligen Person", sagt der Fotograf. Trotzdem finde er die Arbeit der Einsatzkräfte auf Nürnberger Demonstrationen grundsätzlich gut. "Ich fühle mich immer wohler, wenn Polizei in der Nähe ist."