• Neuhaus: Prozess gegen alleinerziehende Mutter vor dem Amtsgericht
  • Frau hatte im August 2021 Video von "rassistischer" Verfolgung durch Ort gepostet
  • Vom "Opfer" zur Täterin: 25-Jährige wegen Körperverletzung und Bedrohung angeklagt
  • Prozess am 6. Oktober 2021: Überraschendes Eingeständnis vor dem Richter

Nach einem vermeintlichen Rassismus-Eklat stand die ehemalige Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses in Neuhaus nun vor dem Amtsgericht Hersbruck - wo sie selbst angeklagt wurde. Im August hatte die 25-Jährige ein Video auf Twitter gepostet, das in den sozialen Medien viral ging. Darauf zu sehen ist eine wütende Meute, die hinter der alleinerziehenden Mutter und ihren Kindern hinterherläuft, teils fallen Beleidigungen. Was von einigen Prominenten geteilt und mittlerweile über 230.000 Mal angesehen wurde, hatte aber einen deutlich tieferen Hintergrund, wie jetzt in einem Prozess herauskam. 

Nach "Rassismus-Video": Verhandlung gegen Mutter wegen Körperverletzung

Bereits kurz nach Veröffentlichung des Videos war bekanntgeworden, dass die Aufnahmen damals bereits ein Jahr alt gewesen waren. Und es gab Vorwürfe gegen die 25-Jährige: Der Aufnahme soll ein Streit vorausgegangen sein, hatte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth inFranken.de mitgeteilt. Kurz zuvor soll die Mutter eine andere Frau gewaltsam attackiert haben. "Die Posterin soll der Frau mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben", berichtete ein Sprecher.

Ferner solle sie der Geschädigten in den Unterarm gebissen und mit dem Fuß auf die daraufhin zu Boden gegangene Frau wiederholt eingetreten haben, hieß es damals. Darüber hinaus solle die Angreiferin ihr Opfer mit dem Tod bedroht haben. "Es soll der Satz gefallen sein: 'Ich bringe dich und deine Familie um'." Die 25-Jährige wohnte damals als Mieterin in dem Haus der Familie, wie sich nun am Amtsgericht Hersbruck herausstellte. 

Dort fand am 06. Oktober 2021 eine Verhandlung gegen die Mutter statt - wegen der Vorkommnisse. Angeklagt wurde sie wegen "gefährlicher Körperverletzung in Verbindung mit dem Tatbestand der Bedrohung", wie Gerichtsdirektor Stefan Sauer gegenüber inFranken.de erklärt. "Die Angeklagte war vollumfänglich geständig und wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt", so Sauer. Die ehemalige Vermieterin, also das Opfer, hingegen sei nicht anwesend gewesen. 

"Traumatisches Erlebnis": 25-Jährige stellt keinen Strafantrag - sammelt aber Spenden

Zur Zeitpunkt der Aufnahme hatten sich Angehörige und Bekannte der angegriffenen Frau solidarisiert und die 25-Jährige aus dem Ort "verjagt". Zwar sind auf dem Video keine rassistischen Beleidigungen klar hörbar zu vernehmen, anderweitige Beschimpfungen aber durchaus. Diese hatte die alleinerziehende Mutter auch zur Anzeige gebracht, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegenüber inFranken.de erklärt. 

"Dafür hätte die Dame jedoch einen Strafantrag stellen müssen. Darauf wurde sie auch von der Polizei hingewiesen, aber ein entsprechender Antrag wurde nicht ausgefüllt und zugeschickt." Mittlerweile sei die Frist von drei Monaten nach Kenntnisnahme abgelaufen, so die Sprecherin. Stattdessen habe die 25-Jährige weitere verschiedene "Delikte zur Anzeige gebracht, darunter Erpressung und gefährliche Körperverletzung". 

Doch diese Verfahren seien alle "aus unterschiedlichen Gründen" eingestellt worden. Aus Sicht der Justiz ist der Fall fürs Erste somit erledigt. Auf einer Crowdfunding-Website hat die 25-Jährige derweil schon 1400 Euro an Spenden eingesammelt, die sie unter anderem für Anwaltskosten und "für psychologische Hilfe nach diesem traumatischen Erlebnis" brauche.