Fair Play auf dem Fußballplatz - für Kicker eine Selbstverständlichkeit. Aber das Spiel mit fair hergestellten Bällen ist für viele Neuland. Auch die Fragen, wie können 200 Euro die Welt verändern, oder was hat unser Schnitzel mit dem Klima zu tun, beschäftigten 600 Schüler der 8. bis 10. Jahrgangsstufe aus Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bamberg, Lauf, Heilsbronn und Ansbach bei der Schulmesse "Global Learning - EineWelt", die am Mittwoch zu Ende ging.

In 17 Workshops sowie bei drei konsumkritischen Stadtführungen erlebten die Mädchen und Jungen anhand mehrerer Beispiele, wie Globalisierung, nachhaltiger Konsum und fairer Handel auch vor der eigenen Haustüre stattfinden können. Nürnberg ist seit 2010 eine Fairtrade Stadt, in der gezielt der faire Handel auf kommunaler Ebene gefördert wird.


Siegel für gelebtes Bewusstsein

Das Siegel für ein gelebtes Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen verleiht die gemeinnützige Organisation "TransFair". In Nürnberg sorgt eine Steuerungsgruppe bestehend aus dem Regionalportal "Bluepingu", der Stadt Nürnberg, "Brot für die Welt", dem Lorenzer Laden, dem "Fenster zur Welt", dem Eine-Welt-Laden Eibach und "Mission Eine Welt" dafür, fairen Handel vor Ort erlebbar zu machen und Menschen für mehr soziale Gerechtigkeit zu begeistern.

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), der die Messe eröffnete, brachte ein Beispiel aus der Nürnberger Partnerstadt in Nicaragua mit, wo der Regenwald abgeholzt wird, um Flächen für den günstigen Anbau von Waren für die vorwiegend westliche Welt zu schaffen. Aber dort wird seit einigen Jahren der Wald wieder kultiviert, um die schattenliebende Kakao-Pflanze anzubauen - deren Frucht dann als fair gehandeltes Heißgetränk auch in deutschen Tassen landet.

Auf das Konto von Fairtrade Nürnberg geht auch die Schulmesse, für die sich bereits zum dritten Mal Schulen aus Nürnberg bewerben konnten, um Neues zu erfahren und dazuzulernen. "Wir waren ruckzuck ausgebucht", ist Koordinatorin Caren Rehm begeistert.


Breites Angebot

Und der Blick auf das Angebot zeigt auch, wieso die Messe weitaus spannender für die Schüler ist, als gewöhnlicher Unterricht: Drei Mal 45 Minuten einen Workshop besuchen, oder eine zweistündige Führung mit kritischen Augen durch Nürnberg unternehmen, bei der man zwischen all den Klamotten-Ketten und Massenhandels-Filialen die Geschäfte entdecken kann, die auf fair erstellte und gehandelte Waren achten: das erlebt man eben nicht alle Tage.

Dass 80 Prozent aller Fußbälle weltweit aus Pakistan stammen, wo 40.000 Menschen jährlich rund 40 Millionen Mal rundes Leder von Hand herstellen, das erstaunte doch die meisten Besucher dieses sehr anschaulichen Workshops. "Die Menschen, die hinter der Produktion dieser Bälle stehen, arbeiten für eine wahren Hungerlohn", erklärt Frank Braun von Bluepingu. Wie es auch anders geht, zeigt der Nürnberger Unternehmer Robert Weber, der sich auf Fair-Trade-Fußbälle spezialisiert hat: Seine Bälle stammen nur aus Fabriken, die von Transfair zertifiziert sind.


"Augen auf beim Kauf"

Wenn Weber Fußbälle in Auftrag gibt, gibt er den Produzenten 15 Prozent Aufschlag auf den durchschnittlichen Marktpreis. Das Geld kommt direkt den Arbeitern zugute. "Der Ball kostet dann auch nicht mehr als ein vergleichbares Modell einer großen Marke. Man muss beim Kauf einfach etwas die Augen aufmachen", sagt Weber.
Das sieht Fenja Lüders, Brotbotschafterin bei der Diakonie in Nürnberg genauso. "Kritischer Konsum" hat sie an die Tafel geschrieben. Ihre Gruppe brütet gerade darüber, wie man den sperrigen Begriff in den Alltag umsetzt.

"Fast jeder hat doch ein Smartphone, oder?", sagt sie. Natürlich, das hat mittlerweile nahezu jeder Teenager in der Tasche. "Fragt den Händler des Telefons ebenso wie den Textilverkäufer, woher das Produkt eigentlich stammt, und wenn dahinter ungerechte Arbeitsbedingungen stecken, kauft was anderes", empfiehlt sie. Was beim Handy vielleicht noch etwas kompliziert scheint, können die Jugendlichen anhand des Beispiels Lebensmittel nachvollziehen: Besser beim heimischen Bio-Metzger kaufen als im Discounter. Fairer Konsum kann auch einfach sein.