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Nürnberg
Tourismus-Branche

"Massensterben der Reisebüros" droht: Fränkischer Geschäftsführer fordert Staatshilfen

Reisebüros sind von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Der Geschäftsführer eines Reisebüros in Nürnberg kritisiert in diesem Zusammenhang scharf die Politik. Lässt der Staat die Tourismus-Branche im Stich?
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Foto: Facebook ReiseCenter Leikauf
Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche hart getroffen: "Wir brauchen Staatshilfen, sonst stehen bald hunderttausend Leute auf der Straße." Foto: Facebook ReiseCenter Leikauf

Reisebüros vor dem Existenz-Aus: „Wir brauchen Staatshilfen, sonst stehen bald hunderttausend Leute auf der Straße“. Reisebüros sind von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Nicht nur werden 2020 kaum Reisen gebucht, auch müssen bereits gebuchte Reisen wieder storniert werden – die Provisionen fallen für Reisebüros damit weg. „Wir sind doppelt gestraft“, fasst es Holger Crone, Geschäftsführer eines Reisebüros in Nürnberg, zusammen. 

Bereits am 17. März verhängte Deutschland eine weltweite Reisewarnung. Reisebüros waren deshalb mit als Erstes vom Ausbruch der Corona-Krise wirtschaftlich stark betroffen – und sind es noch immer. 
„Die Lage ist kritisch“, erklärt Holger Crone, Geschäftsführer vom Reisebüro „ReiseCenterLeikauf“ in Nürnberg und zwei weiteren Reisebüros in Lauf und Röthenbach, in einem Gespräch mit inFranken.de. „Seit dem 15. März verdienen wir nichts mehr. Wir sind nur noch am Stornierungen abarbeiten, bekommen dafür aber natürlich kein Geld.“

Reisebüros fallen Provisionen weg: „Wir sind doppelt gestraft“

Reisebüros generieren ihre Einnahmen normalerweise durch Provisionen des Reiseanbieters. Findet die Reise nicht statt, fallen die Provisionen rückwirkend weg. So ist auch die Arbeit, die bereits im letzten Jahr von Reisebüros geleistet wurde - dank Corona - umsonst. „Wir sind doppelt gestraft“, so Crone.  

Seit März müssen die 11.000 mittelständischen Reisebüros allein von ihrem Ersparten leben. Die Mitarbeiter vom ReiseCenterLeikauf mussten allesamt in Kurzarbeit geschickt werden – „ansonsten würde es uns nicht mehr geben“, ist sich Crone sicher. Das Jahr sei laut dem Reiseverkehrskaufmann auf jeden Fall gelaufen. Trotz Kurzarbeit und Soforthilfe vom Staat rechne Crone mit Umsatzverlusten von 60 bis 80 Prozent. 

Zwar haben auch Reisebüros Anspruch auf die Sofortmaßnahmen der Bundesrepublik. Diese reichen mittelständischen Reisebüros wegen der hohen Umsatzverluste jedoch bei Weitem nicht aus.
Aus diesem Grund sehen Crone und viele seiner Nürnberger Kollegen sich gezwungen, auf die Straße zu gehen, um auf die Lage mittelständischer Reisebüros aufmerksam zu machen und von der Politik gehört zu werden.

Lässt der Staat die Reisebüros im Stich?

Unter dem Motto „Rettet die Reisebüros“ fand am 13. Mai am Albrecht-Dürer-Airport in Nürnberg schon zum zweiten Mal eine stille Kundgebung statt. Zentrale Forderung der Reisebüros: ein Reise­Rettungsfonds, der vom Bund mit 10 Milliarden Euro ausgestattet werden soll. Daraus könnten Kunden ihr Geld für abgesagte Reisen wieder erhalten, oder Reisebüros mit Provisionen der abgesagten Reisen entlohnt werden. 

Bislang gebe es vonseiten der Politik jedoch keine Reaktion auf diesen Vorschlag. „Die Politik ist viel zu zögerlich“, findet Holger Crone. „Es muss jetzt gleich etwas passieren, bevor es ein Massensterben der Reisebüros gibt. Wir brauchen Staatshilfen, sonst stehen bald hunderttausend Leute auf der Straße.“

Die aktuelle weltweite Reisewarnung gilt noch bis Mitte Juni. Urlaub innerhalb Deutschlands ist dieses Jahr auf jeden Fall möglich - wenn auch mit Einschränkungen. Viele zieht es aber trotzdem in Regionen des europäischen Auslands. Aber inwieweit wird Urlaub dieses Jahr dort möglich sein?