Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg wieder geöffnet - umstrittene Attraktion
Autor: Ralf Welz
Nürnberg, Donnerstag, 02. April 2026
Nach der Außenbeckensanierung hat die Lagune im Tiergarten Nürnberg wieder auf. Die Delfinhaltung steht seit vielen Jahren in der Kritik - der Zoo verteidigt sein Vorgehen stets.
Die Sanierungsarbeiten an den Außenbecken der sogenannten Lagune im Tiergarten Nürnberg sind beendet. Nach dem Abbau der Bauschutzhalle sind die Großen Tümmler wieder für Besucher sichtbar, die Tribünen stehen vollständig zur Verfügung. Dies gab die Stadt Nürnberg in einer am Mittwoch (1. April 2026) veröffentlichten Pressemitteilung bekannt.
Die Haltung von Delfinen im Nürnberger Zoo ist hochgradig umstritten. Tierschutzorganisationen wie Peta kritisieren die Delfinlagune als nicht artgerecht. Sie argumentieren, dass Delfine in freier Wildbahn täglich weite Strecken zurücklegten und mehrere Hundert Meter tief tauchten - Bedingungen, die in keinem Delfinarium nachgebildet werden könnten. Mit einer Petition wollte die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern 2020 den Tiergarten dazu bringen, sein Delfinarium zu schließen.
Kontroverse um Delfinhaltung: Tiergarten Nürnberg rechtfertigt Konzept
Im Zuge des 50-jährigen Bestehens des Delfinariums im Jahr 2021 äußerte Peta deutliche Kritik. Die Tierrechtsaktivisten bemängelten die Ausrichtung des Projekts auf Unterhaltungsaspekte und verwendeten in diesem Zusammenhang den Begriff "Tierquälerei".
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Der Tiergarten Nürnberg verteidigt seine Delfinhaltung seit jeher. Der Große Tümmler "passt sich problemlos verschiedenen Lebensräumen an und ist daher für die Haltung in Delfinarien gut geeignet", hieß es in einer vor rund drei Jahren veröffentlichten Pressemitteilung. Direktor Dag Encke erklärte 2013, die Tiere tauchten nicht besonders tief und legten schwimmend auch keine großen Distanzen zurück. "Auch im Delfinarium präferieren sie nicht das tiefste Becken, sondern meist die Becken, an denen am meisten los ist."
Die Delfinlagune war 2011 eröffnet worden. In den Folgejahren traten bauliche Mängel an den Becken auf - insbesondere am Beckenkopf, der undicht ausgeführt war. Um die langfristige Nutzbarkeit sicherzustellen, waren umfassende Sanierungsarbeiten notwendig geworden. Laut Angaben der Stadt Nürnberg setzte das städtische Hochbauamt die Maßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Tiergarten sowie unter veterinärmedizinischer Abstimmung um.
Lagunensanierung wird fortgesetzt - Gesamtkosten von 5,9 Millionen Euro
Die Sanierung begann 2022 mit einer Bauschutzhalle über den Trainingsbecken. Becken 6 diente 2024 als Pilotprojekt, dessen Erkenntnisse 2025 eine kostengünstigere Sanierung der übrigen Außenbecken ermöglichten. Zudem wurden Beleuchtungs- und Audioanlagen erneuert, inklusive neuer Beleuchtung für das große Becken. "Die für die Sanierung der Außenbecken vorgesehenen Kosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro wurden eingehalten", heißt es in der Mitteilung der Stadt.
Neben der Behebung von Mängeln aus der Bauphase wurde die Bepflanzung an den Besuchertribünen neugestaltet. Neue Handläufe sollen die Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität verbessern. Zudem seien Anpassungen vorgenommen worden, die die gemeinsame Haltung von Seelöwen und Delfinen ermöglichten - eine laut Angaben der Stadt in Deutschland einzigartige Form der Tierhaltung. Die Sanierung der Außenbecken bildet einen Teil mehrerer Maßnahmen an der Lagune. Abschließende Arbeiten an den Außenanlagen und im Technikgebäude laufen noch.