Die Beschreibung klingt etwas unscharf: Ein Unternehmen möchte in dem kleinen Industriegebiet von Unterneuses einen Betrieb für die Aufbereitung von ökologischen Erzeugnissen aufbauen. Auf einer Fläche von 3700 Quadratmetern sollen ein Bürogebäude und eine Lagerhalle entstehen, hieß es neulich im Gemeinderat von Ebensfeld, als es um eine Bauangelegenheit ging.

"Ökologisches Erzeugnis", damit könnten auch die Backwaren gemeint sein, die der dort ansässige Bio-Bäcker Schedel produziert. Doch in dem Fall ist etwas anderes gemeint.

Ein Biobauer aus dem Landkreis verfolgt hier ein ungewöhnliches Projekt. Die Überlegungen stehen noch ganz am Anfang. In dem neuen Betrieb könnte so genanntes autochtones Saatgut hergestellt werden. Man arbeitet gerade daran, wie das technisch und praktisch umgesetzt wird.

Das könnte man vereinfacht mit "Saatgut aus der Region" übersetzten. Doch was ist damit umschrieben? Damit sind Gräser und Wildpflanzen gemeint, die in der betreffenden Region heimisch sind. Zuchtsaatgut nicht.

Aber warum sollte es dafür eine besondere Nachfrage geben und vor allem von wem? Die Antwort findet sich im Bundesnaturschutzgesetz. Bis März 2020 war es noch erlaubt, Saatgut von Pflanzen in der Natur auszubringen, die dort nicht vorkommen. Nun dürfen es nur noch Samen aus der Region sein. Betroffen davon sind etwa Firmen, die bei neuen Bauprojekten Ausgleichsflächen erstellen müssen. Auf diesen Arealen ist nur noch "autochtones Saatgut" erlaubt.

Mit dieser genetischen Spezifizierung soll die biologische Vielfalt und Ausprägung einer Region bewahrt werden. Die Pflanzen sind oft auch besser auf die klimatischen Bedingungen dort angepasst. Nicht zuletzt sind spezialisierte Tierarten darauf angewiesen, dass Kräuter und Blumen zu bestimmten Zeiten blühen, schreibt das Bundesamt für Naturschutz auf seiner Homepage.

Das Gebiet zwischen den drei bestehenden Betrieben und der Hauptstraße ist im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen. Die Gemeinderäte haben in ihrer jüngsten Sitzung den Weg frei gemacht für eine Planung dort, zwei Gegenstimmen gab es. Bislang sind dort der Bio-Bäcker Schedel sowie das Transportunternehmen Herbst angesiedelt. 2015 kam als dritter Betrieb die Firma Waves Wassertechnik hinzu, die zuvor noch unter dem Namen "Nikol und Vogt Wassertechnik" 20 Jahre lang in Lichtenfels ihren Sitz hatte. Das neue Unternehmen soll hinter "Waves" seinen Platz finden. Neuansiedlungen dort waren immer ein Diskussionsthema in der Gemeinde.

Vor allem als Herbst seine erste Halle um eine zweite erweiterte, rückte das Thema Verkehr in den Fokus. Bislang hat sich die Einmündung der Niederauer Straße auf die Hauptstraße nicht als Problempunkt erwiesen. Sollte der Landwirt dort seinen Betrieb aufbauen, wird sich daran kaum etwas ändern. In der Gemeinde geht man nicht davon aus, dass dadurch mehr Verkehr entsteht.

Passendes Grundstück

Aber warum fiel die Wahl auf Unterneues? "Hier gab es ein passendes Grundstück und einen verkaufsbereiten Eigentümer", sagt der Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath (CSU). Im benachbarten Industriegebiet nördlich von Ebensfeld, wo die Firma Systeam ihre Logistikhalle errichtet hat, seien die Grundstücke viel größer.