Deutschland ist einer von mehr als 60 Staaten, in dem zweimal pro Jahr die Uhr umgestellt wird. Mit der Einführung der Sommerzeit 1980 sollte nach der Ölkrise das Tageslicht ein Stunde länger genutzt und damit Energie gespart werden. Die deutsche Energiewirtschaft kann dennoch keine messbare Sparwirkung durch das Drehen am Zeiger erkennen. Seit 1996 stellen alle EU-Länder die Uhren am letzten Sonntag im Oktober eine Stunde zurück und im März wieder vor.

Wenn die Uhren am Sonntagfrüh, um 3 Uhr, auf 2 Uhr zurückgestellt werden, ist das besonders für Nachtmenschen eine gute Nachricht: Die "Eulen" können morgens eine Stunde länger schlafen. "Eulen", so die Schlafmediziner, sind Schlaftypen, die abends länger wach sind und morgens schwer aus den Federn kommen.
Die "Lerchen" sind ihr Gegenstück: Sie sind Frühaufsteher und haben mit der Zeitumstellung im Herbst stärker zu kämpfen.

Die Chrono-Biologen empfehlen blauhaltiges Licht am Spätnachmittag. Das verschiebe die innere Uhr. Dieses Licht lieferten zum Beispiel spezielle Leuchten gegen Winterdepression. Wenn es dunkel wird, gegen 16 oder 17 Uhr, sollten die "Lerchen" es anschalten. Das Licht erst ab 20 oder 21 Uhr zu benutzen, wenn die Müdigkeit schon eingesetzt hat, sei zu spät. Sich zu zwingen, abends länger wach zu bleiben, helfe den "Lerchen" nicht zwangsläufig: Sie wachen morgens schlimmstenfalls trotzdem eine Stunde früher auf. Denn die Müdigkeit, die durch das längere Aufbleiben entsteht, werde meist schon in den ersten vier oder fünf Stunden vom Schlaf abgebaut.

Immerhin: Die Zeitumstellung im Herbst fällt den Menschen - "Eulen" und "Lerchen" gleichermaßen - meist weniger schwer als die im Frühjahr.
Unsere Zeitung machte sich auf, Stimmen quer durch die Bevölkerung, im Handel, Handwerk, bei Banken und natürlich bei der Deutschen Bahn AG einzufangen. Vor einigen Jahren als es mit der zentralen Steuerung der Uhren noch nicht so klappte, standen vor Signalen Züge still, da sie dort eigentlich nicht hingehörten. Heuer scheint alles zum Besten bestellt.

Besonderer Fahrplan

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Christine Porstmann von der DB Mobility Logistics AG in München mit: "Etwas komplizierter als im Frühjahr ist die Rückumstellung im Oktober. Nach 2.59 Uhr kommt 2 Uhr. Züge, die über Nacht unterwegs sein werden, werden in der um eine Stunde längeren Nacht an einem geeigneten Bahnhof entlang der Reisestrecke angehalten." So werde sichergestellt, dass die rund 50 betroffenen Züge ihre Zielbahnhöfe fahrplanmäßig erreichen und morgens nicht eine Stunde zu früh ankommen.

Züge, deren Abfahrtszeit zwischen 2 und 3 Uhr liegt, müssten aber in dieser Nacht zweimal abfahren - einmal vor und einmal nach der Umstellung der Uhren. Dazu sind entsprechend mehr Fahrzeuge und auch mehr Personal notwendig. In Zeiten elektronischer Stellwerkstechnik würde die Technik bei zwei Zügen mit derselben Zugnummer von einem Fehler ausgehen. "Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf ist also die aufwändige Ausarbeitung eines besonderen Fahrplans, der für die ‚zweiten‘ Züge neue Zugnummern bereitstellt. Großer Aufwand für Fahrplan-Ersteller, Personaldisponenten und Stellwerksbesatzungen."

Alle Milchviehbetriebe betroffen

Schwierigkeiten haben auch die Landwirte durch die Zeitumstellung, erläuterte der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Michael Bienlein. Davon seien alle Milchviehbetriebe betroffen. Schonend würden die Kühe auf die Zeitumstellung vorbereitet, denn die Tiere mögen alles ganz regelmäßig. "Die zusätzliche Stunde schlägt sich dann recht schnell im Euter nieder", machte er deutlich. "Wir melken deshalb morgens und abends jeweils eine halbe Stunde früher", so der BBV-Obmann. Die Zeitverschiebung bringe für Landwirte nur Nachteile mit sich. Bienlein: "Mir persönlich wäre es lieber, wenn es die Zeitumstellung nicht gäbe. Dann hätten es die Kühe regelmäßiger. Dass damit Energie gespart wird, trifft heute ja sowieso nicht mehr zu."

Die meisten unserer Gesprächspartner halten die Zeitumstellung für überflüssig. Die Bäcker wollen sie überhaupt nicht. Wie uns Bäckermeisterin Anke Ackermann aus Redwitz mitteilte, reagierten Menschen, die sehr früh aufstehen müssen, sensibel auf Zeitumstellungen. Ihr wäre es lieber, man schaffe die Regelung ab. Wichtig sei, dass Meister und Gesellen konzentriert ihre Arbeit beginnen.

Für den Einzelhandel sprach Roberto Bauer, Inhaber eines Herrenmoden-Geschäftes in Lichtenfels. Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Handelsverbandes Lichtenfels-Bad Staffelstein betonte: "Wenn wir mit der Zeitumstellung Energie sparen können, dann bin ich dafür." Leider gebe es allerdings noch keine Ergebnisse dafür.
Die zeitgesteuerte Tresortür bei der Raiffeisen-Volksbank Lichtenfels-Itzgrund stelle sich automatisch auf die neue Zeit ein, "vertraute" uns Vertriebsleiterin Julia Koch an, "wir brauchen uns darum nicht zu kümmern." Ein paar Kunden merkten erst beim Gespräch, was die Stunde geschlagen hat: "Ach Mensch, die Uhr ist ja gestellt."

30 Zentimeter dicke Tresortür

Das gebündelte Bare bei der Hauptstelle der Sparkasse Coburg-Lichtenfels in der Kronacher Straße wird durch eine knapp zwei Meter hohe und 30 Zentimeter dicke Tresortür mit einem Nummernschloss geschützt, die uns Walter Partheymüller, Abteilungsleiter der Unternehmenskommunikation, einmal zeigte. "Die Sicherheit auf höchsten Niveau ist immer gewährleistet", sagte er. Die Kunden hätten mehr Probleme mit der Zeitumstellung als die Technik.

Bei einer Umfrage bei Kunden des Fachmarktzentrums wurde deutlich, dass sich die Menschen in der Region mit der "überflüssigen" Zeitumstellung abgefunden haben. Für eine Abschaffung sprach sich keiner der von uns gefragten Gesprächspartner aus. Jens Ballendat aus Coburg hält es für sinnlos, dagegen etwas zu unternehmen, obwohl er mit der jetzigen Regelung nicht einverstanden war. "Wir können nichts machen, es bleibt doch wie es ist", war sein Standpunkt.

Ilse Lamm aus Oberwallenstadt hat kein Problem mit der einen zusätzlichen Stunde am Sonntagfrüh: "Mein Tagesablauf wird dadurch nicht beeinflusst", sagte die Anhängerin des Turnvereins Oberwallenstadt.
Eva Bergmann aus Lichtenfels freut sich über die Rückstellung der Uhr: "Prima, dann kann ich morgens eine Stunde länger schlafen und abends dafür länger aufbleiben", sagte die 16-Jährige unserer Zeitung.