1972 wurde der Landkreis Lichtenfels in seine heutige Form gegossen. Zwei Männer gehören dem Kreistag seitdem ununterbrochen an: Otto Schuhmann (SPD) und Winfried Weinbeer (ehemals CSU, heute Freie Wähler). Beide schätzen einander. Der Fränkische Tag sprach mit beiden einzeln über ihre Erlebnisse und Erfahrungen, über wichtige Entscheidungen und die vier Landkreischefs, die sie in ihrer 40-jährigen Kreistagszugehörigkeit erlebten. Nachfolgend lesen Sie ein Gespräch zwischen den beiden, wie es nie stattgefunden hat, wie es aber hätte stattfinden können.

Weinbeer: Wie läuft es gerade im Gemeinderat, Otto?

Schuhmann: Ach ja, allzu oft gibt es hier in Altenkunstadt verhärtete Fronten zwischen den Parteien und Fraktionen.
Dabei kommt es doch darauf an, was das Beste für die Bürger und die Kommune ist.

Weinbeer: Das ist im Lichtenfelser Stadtrat nicht anders. Deshalb macht mir die Arbeit im Kreistag schon immer am meisten Spaß. Da habe ich den Eindruck, wir backen Torten. Im Stadtrat backen wir immer nur Brot.

Schuhmann: Ganz so sehe ich das nicht, Winfried. Ich habe sowohl früher im Stadtrat Burgkunstadt als auch jetzt, im Gemeinderat Altenkunstadt, Phasen und Entscheidungen erlebt, in denen wir etwas bewegt haben und mich diese Arbeit genauso befriedigt hat wie die im Kreis. Langen Atem braucht man immer in der Politik.

Weinbeer: Weißt du noch, Otto, wie wir damals, 1972 nach der Kreisgebietsreform, angefangen haben? Mit Helmut G. Walther als SPD-Landrat und einer absoluten Mehrheit der CSU.

Schuhmann:
Walther war eine ganz besondere Persönlichkeit. Er musste bei jeder Entscheidung aufs Neue Mehrheiten bilden. Und das ist ihm großartig gelungen. Wie siehst du das?

Weinbeer: Genauso wie du. Helmut Walther hat es stets geschafft, parteiübergreifende Lösungen zu finden. Und mit dem schließlich nach ihm benannten Klinikum hat er Großartiges für unseren Landkreis geleistet. Und er hat Ludwig Schaller, den CSU-Landrat des ehemaligen Landkreises Staffelstein, sofort als Stellvertreter vorgeschlagen. Dabei hatte der ja die Wahl 1972 verloren.

Schuhmann: Schaller wurde ja nach Walthers Tod Ende 1981 sein Nachfolger. Aber die Jahre unter Schaller - und das sage ich jetzt nicht, weil er CSU-ler war und ich Sozialdemokrat bin - bedeuteten für den Landkreis eher Stillstand.

Weinbeer: Ja, Otto, Schaller war kein Mann für das Rampenlicht. Ihm lag der Konsens am Herzen, und dass stets sachlich entschieden wird. Natürlich wurde 1993 mit Reinhard Leutner eine ganz andere Persönlichkeit Landrat.

Schuhmann: Da hast du recht, Winfried. Es ist ja kein Geheimnis, dass mir die Therme in Bad Staffelstein ein besonderes Anliegen ist. Ich war immer derjenige, der sagte: lasst uns da hin fahren, wo es Bäder und gut funktionierende Konzepte gibt. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können von anderen lernen. Das habe ich auch bei Bildungsthemen gesagt und ich erinnere mich bis heute gern an hochinteressante Tage in finnischen Schulen.
Weinbeer: Ja, Otto, mit dem Namen Leutner werden der Erfolg des Bades Staffelstein und die Weichenstellung für den jetzt laufenden Klinikneubau stets verbunden bleiben. Und abgesehen davon führte er den Kreis kreativ, mit Durchsetzungskraft und politischem Geschick. Diese drei Entscheidungen, Krankenhaus, Green Hospital und Therme, sind sicher für uns beide die herausragenden aus 40 Jahren.

Schuhmann: Das sehe ich auch so. Überhaupt wird im Kreistag gut informiert und es wird häufiger über Fraktionsgrenzen hin abgestimmt. Verhärtete Fronten gibt es eher selten. Und jetzt sag' ich noch etwas über unseren jetzigen Landrat, Christian Meißner: Dass der als eine seiner ersten Handlungen den drei Grünen Fraktionsstatus eingeräumt hat, das hat mich riesig gefreut.

Weinbeer: Das ging mir genauso, Otto. Überhaupt hat Meißner etwas Wesentliches eingebracht: Transparenz. Ich meine, ich fühlte mich auch in all den Jahren vorher gut informiert. Aber das, was Meißner da macht, hat eine neue Qualität.

Schuhmann: Ja, Winfried, das sehe ich auch so. Wenn Meißner jetzt noch einen Stellvertreter aus einer anderen großen Fraktion hätte, das wäre noch so ein Wunsch von mir. Aber mal ganz allgemein: Weil man gut informiert sein und sich auseinandersetzen will mit unterschiedlichen Themen und Menschen, deshalb geht man doch in die Politik und übernimmt so eine Aufgabe. Es verschafft Befriedigung, man findet Freunde weit über die Politik hinaus und ist ständig in Kommunikation.

Weinbeer: Ich engagiere mich im Kreistag, weil es mir eine Ehre ist, dass die Menschen mir immer wieder, bei jeder Wahl, ihr Vertrauen und ihre Stimme geben. Der Kreisrat ist für mich das höchste Ehrenamt, das es gibt, Otto. Ich bin mit Begeisterung und Freude bei der Sache und dankbar für das Votum der Bürger. Und wenn ich gesund bin, kandidiere ich noch einmal.

Schuhmann: Ja, Winfried, einmal kann ich mir das auch noch vorstellen. Es gibt noch Dinge, die meiner Ansicht nach getan werden müssen: Wir können zum einen im Bereich Kultur noch viel besser werden und zum anderen den demografischen Wandel nicht aufhalten. Also müssen wir sowohl dafür sorgen, dass unsere Kinder beste Bedingungen zum Wachsen und Lernen, am liebsten in Gemeinschaftsschulen, vorfinden, also auch unseren Senioren ermöglichen, möglichst lang selbstständig zu leben und wichtige Entscheidungen zu treffen.

Weinbeer: Ich habe mich 40 Jahre lang in Vereinen, Ausschüssen und im Sport um die Jungen und deren Perspektiven und Chancen gekümmert. Heute sage ich: Vergesst die Alten und ihre Erfahrungen nicht. Da hast du, Otto, und auch ich habe einen großen Vorrat."