Während des ersten Lockdowns im Frühjahr waren unsere Wälder voller Wanderer. Wegen des Frühlingswetters und der fehlenden Alternativen kamen selbst Menschen auf den Geschmack, die es normalerweise selten in die Natur zieht. Im zweiten Shutdown blieb die große Wanderwelle bisher aus. Die kurzen Tage und die niedrigen Temperaturen bieten einfach nicht die passenden Ausgangsbedingungen – sollte man zumindest meinen.

Für Günter Lutz ist der Winter jedenfalls kein Hindernis. Wenigstens einmal wöchentlich schnürt der Wanderführer des TV Unterwallenstadt seine Wanderschuhe und trotzt den Minusgraden. Gemäß dem Motto "es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung" weiß Lutz worauf es ankommt: "Ich schaue erst einmal, wie die Temperaturen werden. Nur weil es früh kalt ist, hat das noch nichts zu sagen." Doch selbst bei anhaltender Kälte reichen dem erfahrenen Wanderer Wanderhose, Hemd, Pullover, Anorak und Mütze. "Wenn du zehn Minuten in Bewegung bist, dann wird es warm", sagt er und lächelt.

Schuhe aus dem Fachgeschäft

Besonderes Augenmerk legt Günter Lutz allerdings auf seine Wanderschuhe. In einem knöchelhohen Schaft fühlt sich der Lichtenfelser am sichersten. Anfängern empfiehlt er für den Kauf den Besuch im Fachgeschäft. Im Gegensatz zu einer Onlinebestellung ist hier ein umfassende Beratung durch geschultes Personal möglich. Zudem kann der Schuh anprobiert werden. In vielen Fällen sei es sinnvoll, eine Nummer größer als die normale Schuhgröße zu nehmen, erklärt Lutz. "Ich bin außerdem der Meinung, man kann ruhig ein bisschen mehr ausgeben", gibt er einen weiteren Tipp.

Für die Verpflegung hat der leidenschaftliche Wanderer ebenfalls einige Ratschläge parat. So sei ein zu üppiges Frühstück eher kontraproduktiv, weil der Körper Energie zur Verdauung aufbringen müsse, die dann beim Laufen fehle. Vielmehr schwört er auf Trockenobst: Birnen, Äpfel oder Zwetschgen. Die sind auch als schnelle Energielieferanten für unterwegs eine gute Option. Müsliriegel oder Nüsse empfiehlt der Experte ebenfalls als kleinen Snack für zwischendurch. "Im Endeffekt muss aber jeder selbst rausfinden, was für ihn das Beste ist", ermutigt er jedoch auch zum Experimentieren.

Was muss in den Rucksack?

Selbst für eine Tagestour empfiehlt Günter Lutz stets einen Rucksack mitzunehmen. Neben einem Erste-Hilfe-Set sollten sich darin eine Wanderkarte und/oder das Smartphone, die genannte Verpflegung sowie ein Taschenmesser und eine Stirnlampe befinden. Hinzu kommt der Wasservorrat für unterwegs – im Winter reicht für eine vier- bis fünfstündige Tour ein Liter, erklärt der Fachmann. "Ich sage den Leuten immer, dass sie doch bitte nicht zu viel mitnehmen sollen. Wenn wir auf dem Jakobsweg unterwegs sind, ist das manchmal extrem: Viel zu viel Kleidung, manchmal sogar Gummibärchen und andere Naschereien", sagt er und schüttelt amüsiert den Kopf.

Eben den sollte ein Wanderer nicht verlieren, wenn er sich verlaufen hat. Eine Möglichkeit, die grobe Orientierung zurückzugewinnen bieten höhergelegene Stellen. Zudem rät der Wanderführer eine Himmelsrichtung – etwa anhand des Sonnenstandes – ausfindig zu machen und dieser konsequent zu folgen. Andernfalls besteht die Gefahr, im Kreis zu laufen. Im besten Fall schlägt der Umherirrende die Richtung ein, in welche die gesamte Route grob verläuft. Sobald er dann auf einen (Forst-) Weg trifft, wird er diesem folgend in die Zivilisation zurückfinden. Von dort ist eine Neuorientierung möglich und dann geht es zurück auf die eigentliche Strecke.

"Bei kurzen Distanzen sind mir Umwege egal. Wenn du aber am Tag mehr als dreißig Kilometer läufst, dann wird's manchmal schon hart", sagt Lutz und fügt hinzu: "Die dreißig Kilometer sind für viele die magische Marke."

Nicht gleich übertreiben

Einsteigern empfiehlt er Tagesstrecken von maximal 20 Kilometern. Von Touren mit größeren Steigungen sollte ein Anfänger zudem absehen. In den aktuellen Temperaturen sieht Günter Lutz hingegen kein Problem. Vielmehr rät er davon ab, im Hochsommer auf Wanderschaft zu gehen.

Jahreszeitenunabhängig sollte jeder auf die Umwelt achten, die er durchquert. Für Lutz ist die Maxime: "Überhaupt nichts hinterlassen – nur die eigenen Fußspuren."

Die sollten sich vor allem aktuell ausschließlich auf ausgeschriebenen Wanderwegen eindrücken. Auch deshalb, weil sich viele Tiere im Winterschlaf befinden. "Man darf sie nicht erschrecken, weil das tödlich für sie sein könnte", erklärt der Lichtenfelser.

In all seinen Jahren auf den Wanderwegen hat er bereits einiges gesehen – auch im Ausland. Besonders die Jakobswegetappe in der Schweiz zwischen Konstanz und Interlaken ist ihm in lebhafter Erinnerung geblieben – aber auch auf seine Wanderungen auf dem Rheinsteig schaut er mit Begeisterung zurück: "Da geht es oberhalb des Rheins von Burg zu Burg. Das ist ein herrlicher Ausblick – das sieht aus, wie auf Bildern."

Tagestour für Einsteiger

Der gut 320 Kilometer lange Fernwanderweg am Mittelrhein ist freilich nichts für einen Tagesausflug im Corona-Winter. Vielmehr empfiehlt Günter Lutz einen der zahlreichen Keltenwege rund ums Stadtgebiet von Bad Staffelstein. Die acht Rundwege erschließen "alle für die keltische Geschichte um Bad Staffelstein relevanten Örtlichkeiten", wie es in Günter Reinleins Wanderführer "28 der schönsten Wandertouren rund um die Deutsche Korbstadt Lichtenfels" heißt. So kommt der Beiname des ,Keltenweges D‘ nicht von ungefähr: Dominierendes Oppidum – der Staffelberg.

Vom Staffelsteiner Friedhofsparkplatz in der Viktor-von-Scheffel-Straße aus führt dieser elf Kilometer lange Rundweg über den Staffelberg sowie Loffeld und den Morgenbühl. Ein schwarzer Tonkrug – in dem ein Ammonit zu sehen ist – auf gelbem Grund nebst dem Buchstaben D ist das Symbol, das den Weg weist.

Dass solch eine Wanderung ein erfüllendes Erlebnis ist, steht für Günter Lutz indes außer Frage: "Ich bin überzeugt, dass jeder mal das Wandern probieren sollte. Es gibt nichts schöneres als zu Fuß unterwegs zu sein."

Schritt für Schritt können auf die Tagestouren auch irgendwann mehrtägige Langstreckenwanderungen folgen. Zu solch einem Erlebnis kann der Wanderführer des TV Unterwallenstadt nur raten – natürlich erst, wenn die Corona-Beschränkungen aufgehoben sind. "Wenn du mal längere Zeit unterwegs bist, wirst du bescheiden. Da freust du dich über vermeintlich selbstverständliche Dinge wie eine Dusche – selbst wenn das Wasser kalt ist – oder ein Abendessen", sagt der erfahrene Wandersmann und lächelt.

Wandern im Verein

Der TV Unterwallenstadt lädt seine Mitglieder - sobald es das Infektionsgeschehen wieder zulässt - zu Wanderungen ein.

Kontakt: gj.lutz@t-online.de