Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen jeden" zur Bundestagswahl sind denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten eine Frage stellen.
Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren.
Heute will Thomas Bauske (SPD) von Stefan Wolf (FDP) wissen, wie die Idee seiner Partei für eine Rente ab 60 funktionieren soll.

Thomas Bauske: Die FDP möchte die starre Altersgrenze zum Renteneintritt aufheben, die "Rente ab 60" ermöglichen - natürlich bei entsprechenden Abzügen. Wie wollen Sie verhindern, dass sich die frühere Rente dann nur die Besserverdiener leisten können?
Stefan Wolf: Stimmt. Die FDP will dem Menschen die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, wann jemand in Rente gehen möchte. Um jedoch Altersarmut oder das Leben am Existenzminimum zu verhindern, hat die FDP in ihrem Wahlprogramm einige Vorschläge gemacht: Altersvorsorge nach dem Baukastenprinzip.
Die Arbeitswelt wird immer flexibler, digitaler und der Lebenslauf somit immer bunter. Auch Rente muss daher bunter sein. Warum soll es beim Wechsel des Arbeitgebers nicht möglich sein, einen bestehenden betrieblichen Vorsorgevertrag mitzunehmen? Die betriebliche Rente muss auch in kleinen, nicht tarifgebunden Unternehmen und Start-ups möglich und attraktiv sein.
Stärken wir also betriebliche Rente, aber auch private Rentenvorsorge. Bei Abschaffung der Grunderwerbssteuer ist es für junge Familien einfacher, sich ihren Traum vom eigenen Haus zu leisten, und das Eigenheim ist der beste Schutz vor Altersarmut. Pensionskassen und Vorsorgewerke sollten auch mehr Möglichkeiten haben, nicht nur in festverzinsliche Wertpapiere (die derzeit sehr wenig Gewinn abwerfen), sondern auch in Infrastrukturprojekte oder in Aktienfonds zu investieren.
Ein anderer Ansatz ist ein Grundeinkommen, eine Art Bürgergeld, das jedem Bürger (als soziales Netz) zur Verfügung steht. Es fasst derzeitige soziale Leistungen zusammen und wird an einer Stelle verwaltet.
Als junger Mensch mache ich mir Sorgen über die Zukunft der Rente und deren Finanzierung. Daher glaube ich, müssen wir Rente neu denken, im Hinblick auf Generationengerechtigkeit der Rentnerinnen und Rentner und meiner Generation gegenüber. Nur Steuergeld ins System pumpen, ist keine langfristige Lösung.

Thomas Bauske: Manche Aussagen klingen hipp und modern. Die Privatisierung der Vorsorge, der Immobilienkauf und die Beteiligung an Aktienfonds sind gemeint.
Wer kann sich das denn alles bitte leisten? Die FDP wettert bis heute gegen den Mindestlohn, fordert aber mehr private Vorsorge? Wovon sollen viele Menschen denn Rücklagen bilden? Sorry, aber das ist nix anderes als der alte Privatisierungswahn der FDP in neuen Vokabeln.

Im Teil 34 unserer Serie fragt morgen Thomas Bauske (SPD) Markus Tutsch (Bündnis 90/Die Grünen) nach den Idealen seiner Partei.



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