An den Wahlkampf vor drei Jahren erinnern sich bestimmt nicht alle gern. Spannend war er, bis zu den letzten Minuten. Eine Stichwahl gab es, und erst bei der Auszählung der Stimmen aus den letzten drei Wahllokalen kristallisierte sich der Sieger heraus - mit 51,92 Prozent. Spaltend war der Wahlkampf auch. Denn schon bei der Nominierung der Kandidaten hatte es eine Stichwahl gegeben: zwischen dem damals amtierenden Bürgermeister Georg Vonbrunn und seinem Stellvertreter Robert Hümmer. Ein Riss ging durch das konservative Lager, dem beide angehörten, der eine in der Jungen Wählerunion, der andere in der CSU-Fraktion. Der Gegner aus dem eigenen Lager, das war ein spezieller Fall. In Altenkunstadt indes hatte es so etwas schon einmal gegeben: drei Wahlperioden zuvor, als Vonbrunn sich auf vergleichbare Weise durchgesetzt hatte. "Innerparteilich war es nicht einfach", räumt Robert Hümmer rückblickend ein. Sein Entschluss sei gereift, nachdem er sowohl aus der eigenen Fraktion als auch von Bürgern im Ort angesprochen worden war. Er habe das Gefühl gehabt, die wollten einen Wechsel.
Er war damals seit 18 Jahren Gemeinderat, aber auch Vollerwerbslandwirt, musste sich erst mit seiner Familien besprechen. Die Entscheidung für das Bürgermeisteramt habe er noch keinen Tag bereut, betont er heute: "Es macht sehr viel Spaß."

Eine der vordringlichsten Aufgaben sollte es sein, im Gemeinderat wieder ein gutes Miteinander hinzukriegen. Was man in Altenkunstadt so hört, dürfte dies gelungen sein. Einen Beitrag dazu hat die Zukunftswerkstatt geleistet, eine Art Klausur in Kloster Banz, zu der alle Gemeinderäte eingeladen waren, um Ideen für Altenkunstadt 2030 zu finden. "Das war eine tolle Veranstaltung", findet Allmut Schuhmann (SPD). Sie ist Dritte Bürgermeisterin und bestätigt, was Hümmer über die Zusammenarbeit mit seinen Vertretern sagt: "klappt reibungslos". Der Zweite Bürgermeister ist aus den Reihen der Freien Wähler, Georg Deuerling. Er war zuerst Gegenkandidat, aber nicht in die Stichwahl gekommen. Und Vonbrunn? Der gehört dem Gemeinderat nicht mehr an, aber dem Kreistag - wie sein Nachfolger. Man begegnet sich öfters mal. "Wir sprechen miteinander, geben uns die Hand", sagt Hümmer, nach dem Verhältnis gefragt.


Guter Vorsatz: mehr Bewegung

Im Amtszimmer im Rathaus hat Hümmer kaum etwas verändert. Den variablen Sitz- und Stehtisch, den schon sein Vorgänger hatte, nutzt er gern. Ist besser für den Rücken. Für 2017 hat sich der Bürgermeister überdies mehr Bewegung verordnet. Denn eine nicht erfreuliche Feststellung in seiner persönlichen Halbzeitbilanz lautet: "in jedem der drei Jahre ein Kilo zugelegt". Weil er diese Entwicklung so nicht fortsetzen möchte, legt er die Strecke zwischen Rathaus und Daheim nun öfter zu Fuß zurück - 1,6 km, die Angabe kann er machen, ohne mit der Wimper zu zucken.

Ein willkommener Ausgleich ist ihm auch die Waldarbeit. Sieben Hektar unterhalb vom Kordigast nennt der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein sein Eigen. Besonders im Winter ist er gern dort draußen, macht Holz für seine Heizung. Es ist schön, zu sehen, wie das gewachsen ist, was man gepflanzt hat, findet er. In der Landbewirtschaftung erlebt er das nun nicht mehr so intensiv wie früher; er hat einen Mitarbeiter eingestellt. Seine Frau müsse sich jetzt öfter auf den Schlepper setzen, Äcker und Felder vorbereiten, ergänzt er und lächelt verschmitzt. Familienleben, Landwirtschaft und Bürgermeisteramt wollen miteinander vereinbart werden. "Es hat sich eingespielt, funktioniert gut", sagt der 53-Jährige.

Der größte Unterschied zu früher sei, dass er weniger Abende zuhause verbringen kann und auch am Wochenende unterwegs ist. 92 Vereine gibt es im Ort, und er sieht es als Pflicht an, sich bei deren Veranstaltungen sehen zu lassen. Er will Ansprechpartner sein, hat eine monatliche Sprechstunde etabliert, die immer ziemlich ausgebucht ist. Einmal im Jahr hält er in jedem Ortsteil ein Bürgergespräch. Alle Anregungen, Beschwerden oder Hinweise schreibt er fein säuberlich in sein schwarzes Buch, "und dann wird das abgearbeitet". Wenn etwas erledigt ist, setzt er genauso fein säuberlich einen Haken dahinter. Es sind etliche Haken schon gesetzt. Ab und an muss er zurückblättern. Für manches bedarf es Verhandlungsgeschick, viele Gespräche und Zeit. Etwa, als es darum ging, einen Investor für die Nutzung der denkmalgeschützten Neumühle zu finden. 20 barrierefreie Wohnungen sollen dort entstehen, das Mühlrad wieder laufen. "Das wird auf jeden Fall schön!", freut er sich.
Von den Zielen, die er sich gesetzt hatte, seien fast alle auf den Weg gebracht, sagt er, und zählt auf, dass sich in der interkommunalen Zusammenarbeit mit Burgkunstadt und Weismain viel bewegt habe, berichtet von gemeinsamen Veranstaltungen und dem Jugendtreff mit dem Roten Kreuz als Träger. Touristische Angebote will man ausbauen. In seiner Gemeinde leben 67 Flüchtlinge in vier Unterkünften, und das von Ehrenamtlichen angestoßene Miteinander stimmt ihn zufrieden. Zu lange dauert ihm die Diskussion um das Lehrschwimmbecken. 13 Jahre! Doch die gemeinsame Sache mit Burgkunstadt und Weismain ist ihm wichtig.


Noch nicht alles verraten...

Ideen für die Zukunft? Da habe er schon noch ein paar, sagt er auf die Nachfrage und grinst - man könne noch nicht alles verraten. Zuerst spreche er darüber mit seiner Frau und zwei guten Freunden, auf deren ehrlicher Meinung er zählen darf. "Die sind nicht in der Politik." Für solche Freundschaften muss man sich auch und gerade als Bürgermeister Zeit nehmen.