Zweimal in der Woche Training, am Wochenende ein Spiel - normalerweise sieht ein Fußballtrainer seine Jungs und Mädels dreimal wöchentlich. Jetzt geht das nicht mehr. Spiele und Training sind abgesagt, die Kinder sind auf sich gestellt, kicken vielleicht im Garten mit den Nachbarskindern. "Wir wollen den Kontakt zu unseren Spielern und ihren Familien halten", sagt Michael Robisch, Abteilungsleiter der Jugend des 1. FC Lichtenfels.

Von der G-Jugend bis zur Altliga, Fußballer wie Kegler, Damen wie Herren, alle sollen vom Verein eine Kleinigkeit zu Weihnachten bekommen. Nachdem es auch keine Weihnachtsfeier gibt, hat sich das Zukunftsteam des Vereins Gedanken gemacht, wie das gehen könnte. "Wir Trainer teilen uns auf und fahren bei jedem unangekündigt vorbei", erzählt Robisch.

Steffen Habermann trainiert die F-Jugend. Er geht die Spielerliste mit seinen Kollegen durch. Jeder wird am Ende fünf bis zehn Besuche haben. Wer bis nach Eichig fährt, hat ein paar weniger, wer in der Stadt kreist, ein paar mehr.

Den Abstand gewahrt

Jakob, der Torwart der F1, ist als Erster an der Reihe. Habermann schnappt sich den Turnbeutel mit 1.-FC-Lichtenfels-Logo, den der Verein extra für Weihnachten gedruckt hat. "Talentschmiede" steht unten noch drauf. Dann klingelt der Trainer an der Tür, geht ein paar Schritte zurück, schließlich geht es nicht um Manndeckung, sondern um Abstandsregeln.

Jakob öffnet die Tür, darf auf Socken ein paar Schritte aus dem Haus und strahlt. Habermann will wissen, was er so macht, und vor allem, ob er im Frühjahr wieder dabei ist. Logo. Was für eine Frage!

Aber die Neugier, in den Turnbeutel zu schauen, ist noch größer. Der Trainer hat seine eigenen Kinder mit eingespannt, die Geschenke zu packen. Langsam öffnet Jakob die Kordel und zieht einen Schokoladennikolaus heraus. Der Brief bleibt erstmal noch im Beutel. "Das sind Weihnachtsgrüße für die ganze Familie", sagt Habermann. Michael Robisch hat versucht, mit dem Brief ins neue Jahr zu blicken. "Das Highlight ist sicherlich das dreitägige Fußball-Camp mit dem 1. FC Nürnberg", sagt Robisch. Es soll zu Beginn der Sommerferien stattfinden. Die Vorfreude mag helfen, die Zeit ohne Training zu überstehen...

Der Überraschungsbesuch bei Jakob und all den anderen ist gelungen. Niemand hat damit gerechnet, dass der eigene Trainer plötzlich vor der Tür steht. "Normalerweise kommen die Kinder ja zu uns ins Training - in besonderen Zeiten machen wir das eben einfach mal umgekehrt", sagt Habermann.