In seiner Begrüßung hob BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt hervor, dass der Main mit seinen 527 Kilometern das größte Fließgewässer Frankens sei. Mit Blick auf eine großflächig ausgelegte, begehbare Landkarte Bayerns meinte er: "Der Main ist mehr als ein Flusswasserkörper erster Ordnung, wie er von den Wasserfachleuten technisch eingestuft wird. Mit seinen vielen Nebenflüssen, Bächen und Gräben bildet er die Lebensgrundlage für ein riesiges Biotopverbundsystem, allerdings unter der Voraussetzung, dass wir Menschen achtsam mit dieser Lebensader umgehen."

Dies näher kennen, schätzen und schützen zu lernen, sei der Anlass für den Bund Naturschutz gewesen, den "Main-Info-Tag" gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz, dem "Flussparadies Franken", der Umweltstation Weismain und den Blumen- und Gartenfreunden Unterbrunn zu veranstalten.

Auf dem "Maingezwitscherpfad" machte Anette Hohl mit ihrem Team den Kindern und Jugendlichen die Natur im Umfeld des Flusses an fünf Stationen erlebbar. An jeder Station wurde eine kleine Lernerfolgskontrolle durchgeführt, um das Wissen der Kinder und Jugendlichen zu festigen.

Intakte Flussdynamik

Während der nächsten Führung erkundete man unter der fachkundigen Leitung von Ludwig Wendler, dem BN-Ortsgruppenvorsitzenden von Ebensfeld, die Flusslandschaft entlang der 1,8 Kilometer langen Mainschleife. Etliche Altwasserreste, Auwäldchen und Bodenvertiefungen entlang des Obermains zeugen noch heute von einer Flussdynamik, die noch lange vor der Mainflößerei intakt gewesen sein müsse. Über Jahrhunderte haben Main und Rodach vom Fichtelgebirge und Frankenwald riesige Kiesmengen in das Obermaintal verfrachtet und so abbauwürdige Lagerstätten geschaffen. Viele Baggerseen, die durch den intensiven Kiesabbau seit 1950 entstanden, haben dazu beigetragen, das Gesicht der Landschaft einschneidend zu verändern. Wendler hob hervor: "Der Bund Naturschutz hat vor Jahren in seiner Stellungnahme zu der Renaturierungsmaßnahme bei Unterbrunn die Verlängerung des Flusslaufes ausdrücklich begrüßt, jedoch großen Wert darauf gelegt, dass keine neuen, großen, offenen Wasserflächen entstehen. Die Interessen der Kiesindustrie waren deshalb auch darauf ausgelegt, einen hohen Wiederverfüllungsgrad des Abbauareals zu erreichen." Der Exkursionsleiter erklärte ausführlich die Ziele der Laufverlängerung des Maines. Durch die Zunahme der Häufigkeit und Intensität der Hochwasser sei man mittlerweile für den vorbeugenden Hochwasserschutz sensibilisiert worden. Man habe erkannt, dass ein mäandrierender Fluss auf natürliche Weise die Fließgeschwindigkeit verlangsame. Der Fluss habe so die Möglichkeit, sich in der Fläche stärker auszubreiten. Dadurch werden wiederum große Wassermengen, die im Unterlauf des Mains fatale Folgen hätten, eher zurückgehalten und könnten wesentlich langsamer abfließen. Bei der dritten Exkursion erklärten Gerhard Hübner und Rebekka Mayer vom Landschaftspflegeverband die Besonderheiten der 11 Hektar großen Weidefläche der Maininsel, die im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen entstanden ist.

Nachdem es mit der Rinderbeweidung nicht zufriedenstellend klappte, versuche man nun Offenlandflächen mit einer kleinen Ziegenherde freizuhalten. Ziegen seien unproblematischer und büxten nicht so leicht aus, wie es Rinder in der Vergangenheit leider bei Niedrigwasser des Mains ab und zu taten. Schließlich wolle man ja die hohe Artenvielfalt des Areals auf Dauer durch natürliche Landschaftspflege erhalten. Ansonsten würde in wenigen Jahren die Fläche komplett verbuschen. Zielarten des Projekts, die Offenland benötigen, seien beispielsweise Eidechsen, Blauflügelige Ödlandschrecke und Blauflügelige Sandschrecke.

Speziell für die vogelkundigen Besucher traf man sich bei der vierten Exkursion auf dem Aussichtsturm, nahe des Zusammenflusses von Mainschleife und Altmain, wo man mit Ferngläsern und von den Experten Michael Bäumler und Ulrich Völker genau eingestellten Spektoskopen Nilgänse, Rostgänse und Silberreiher aus größerer Distanz ungestört am Ufer des Biotopsees beobachten konnte. Das Highlight war ein über der Mainschleife hoch in den Lüften kreisender Fischadler.

Anschließend inspizierte man die herrliche Schwarzpappel ein paar hundert Meter weiter flussabwärts. Michael Bäumler informierte die Besucher über den stattlichen Umfang von 6,40 Metern: "Die Baumart ist relativ selten, dieses Exemplar ist das größte seiner Art im gesamten Landkreis." Während die Exkursionen stattfanden, konnten sich die übrigen Besucher an den Info-Ständen eingehend informieren oder selbst aktiv werden. LBV-Kreisvorsitzende Marion Damm und Reinhold Bräutigam zeigten unter anderem schöne Exponate von Vögeln, deren Arten hier in der Mainschleife vorkommen, wie Rotmilan, Weißstorch, Pirol und Silberreiher. Außerdem konnte man an einer stilisierten kleinen Wand den Eisvogel, das Wappentier des Landesbund für Vogelschutz bewundern. Die Geschäftsführerin des Flussparadies Franken, Anne Schmitt, betreute einen Kreativstand, wo die Kinder Materialien aus dem Fluss, wie etwa Steine und Muschelschalen, phantasievoll bemalen und mit nach Hause nehmen konnten.

Am BN-Stand präsentierten Ute Hauptfleisch und Renate Nüsslein sehr stark vergrößerte Tierexponate aus Spezialgießharz. So konnten auch die Anatomien von Kleinstlebewesen, wie z. B. Köcherfliegen- und Libellenlarven oder Wasserasseln studiert werden.

Auch der Bürgermeister der Marktgemeinde Ebensfeld, Bernhard Storath, fragte interessiert nach Einzelheiten des breiten Informationsangebotes. Am ebenso rege frequentierten Stand der Umweltstation, nahe der Wasserlinie der Mainschleife, halfen Kerstin Schmidt und Christian Luplow den Besuchern, die kleinsten Bewohner des Mains leibhaftig in Augenschein zu nehmen. Mit Binokularen konnten die Naturinteressierten im Wasser lebende Kleinstlebewesen bestaunen, die kurz vorher direkt aus dem Fluss gekeschert wurden. Man fand neben Strudelwürmern, Wasserläusen und -flöhen auch Libellen-, Köcherfliegen- und Eintagsfliegenlarven. Vor allem letztgenannte Lebewesen seien Indikatoren für eine gute bis sehr gute Wasserqualität.

Die Blumen- und Gartenfreunde Unterbrunn bewirteten die Gäste aus nah und fern während des ganzen Nachmittags mit guten selbst gebackenen Kuchen und diversen Getränken. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei allen Akteuren für das vorbildliche ehrenamtliche Engagement.