Unten, am Fuß des Abhanges, ist der Umriss des neuen Kneipp-Beckens schon zu erkennen: "Ja, die Bauarbeiter haben schon damit angefangen", sagt Wolfgang Hirrle, Leiter der Reha-Klinik Lautergrund, an deren Fuße das Becken entsteht.

Es ist das erste sichtbare Zeichen eines Projektes, das bisher eher im Kopf Form angenommen hat: Bad Staffelstein soll sechs Terrainkurwege bekommen. Das sind Wanderrouten mit medizinischem Profil, die Patienten helfen sollen, wieder Tritt zu fassen. Orthopädische Eingriffe, psychosomatische Erkrankungen, Schmerzpatienten oder neurologische Fälle: Die sechs Wege sind darauf abgestimmt, bei verschiedenen Problemen auch durch eine gezielt eingesetzte Bewegungstherapie wieder seine Gesundheit zu erlangen. Die Anregung dazu stammt von Dieter Deuerling, Oberarzt an der Rehabilitationsklinik Lautergrund, der das Projekt mit Anne Maria Schneider, Leiterin des Kur- und Tourismusservice, momentan umsetzt.
"Das läuft im Rahmen einer Förderung für Maßnahmen zur Steigerung der medizinischen Qualität in bayerischen Kurorten und Heilbädern", führte Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) bei der Vorstellung im Rathaus aus.

Sechs Routen sind geplant, drei davon beginnen und enden im Stadtgebiet, drei liegen im Lautergrund. In der Nähe der Reha-Klinik dort entsteht auch das Kneipp-Becken als Teil einer Route. Die leichteste Strecke führt auf drei Kilometern Länge um den Ostsee, es gibt aber auch anspruchsvolle Wege mit einigen Anstiegen von bis zu 14 Kilometern Länge.

Die Besonderheit: Für jede Route wird ein medizinisches Profil erstellt, das Ärzten und Therapeuten hilft, die richtige Auswahl für ihre Patienten zu treffen. Auch ungewöhnlich: Ab November werden fünf Personen ausgebildet, die in Kleingruppen von bis zu fünf Teilnehmern die Wanderer begleiten, so genannte Klima-Therapeuten.
Die medizinischen Hinweise werden in einer Broschüre zusammengefasst: "Wir wollten nicht noch mehr Schilder in die Natur stellen", sagt Anne Maria Schneider.

35 000 Euro sind für das Projekt veranschlagt, das bayerische Gesundheitsministerium wird es mit voraussichtlich 70 Prozent fördern, dazu kommen Spenden: 4000 Euro übergab die Sparkasse Coburg-Lichtenfels gestern, jeweils 1000 Euro geben das Kurhotel und das Theramed. So könnte bei der Stadt ein Restbetrag von 4500 Euro verbleiben. "Ohne diese Spenden hätten wir das nicht angehen können", meinte Dieter Deuerling. Die Wege sollen nicht nur Patienten ansprechen, sie sind für alle zugänglich. "So was motiviert und macht neugierig", meinte Sparkassendirektor Siegfried Wölki zu den Plänen.