Der Heimleiter des Pflegeheimes Elisabeth, Stefan Lauer, wurde kürzlich von der Berufungskommission der Fachhochschule des Mittelstands (FHM Bielefeld) am Standort Bamberg zum Professor für den Fachbereich Management der Medizin- und Sozialpädagogik ernannt. Die Probevorlesung vor der siebenköpfigen Prüfungskommission hatte er bereits im September 2016 gehalten. Der 55-Jährige hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Über seinen lebenslangen Weg der beruflichen Weiterqualifizierung sagt er selbst: "Immer wenn ich etwas erreicht hatte, gab's eine neue Möglichkeit - ich hatte nie geplant, Professor zu werden."

Stefan Lauer ist seit mehreren Jahren Fachhochschuldozent in Regenstauf (Diploma-FH) und Bamberg. Er unterrichtet unter anderem am Schulzentrum Coburg am Standort Vierzehnheiligen in Kursen für künftige Pflegedienstleiter und gerontopsychiatrische Fachkräfte, an der Krankenpflegeschule Kronach sowie an der Fachschule für Krankenpflege in Kutzenberg.

Der ehemalige Hauptschulabsolvent der Lichtenfelser Herzog-Otto-Schule erreichte einen in dieser Art höchst außergewöhnlichen beruflichen Aufstieg. Stefan Lauer gehört damit zu den höchstqualifizierten Einrichtungsleitern in Deutschland. Dies war allerdings ein langer, harter und steiniger Weg, denn seine schulischen und akademischen Abschlüsse absolvierte er berufsbegleitend.


Lebenslanges Lernen

Nach dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss im Jahr 1978 machte er zunächst eine Lehre und erwarb den Facharbeiterbrief als Werkzeugmacher. Anschließend verpflichtete er sich für acht Jahre bei der Bundeswehr und wurde Oberfeldwebel bei den Heeresfliegern. Die Mittlere Reife holte er im Fernstudium nach, ließ sich zum Pflegehelfer und Altenpfleger sowie zur Unterrichtsfachkraft für sozialpflegerische Berufe ausbilden. Zudem absolvierte er die Fachhochschulreife, ein Diplom-Fachhochschulstudium der Sozialpädagogik/Sozialmanagement und ein Master-Universitätsstudium der Gerontologie.

Zwei Promotionen schlossen sich an - eine im Fach Medizinische Wissenschaft und die zweite im Fach Pflegewissenschaft. Den ersten Doktor-Titel erwarb er 2013 in Liechtenstein mit einer Arbeit über Stürze von Demenzkranken. Die zweite Dissertation legte er 2014 in Hall/Innsbruck vor; darin befasste er sich mit der Schmerzbehandlung Demenzkranker. Seit 1999 leitet Stefan Lauer das Pflegeheim Elisabeth, das vollstationäre Pflege, Kurzzeitpflege und Urlaubspflege anbietet.

"Die Zahl der Demenzkranken steigt an - bis zum Jahr 2030 wird die steigende Lebenserwartung zur Verdoppelung führen", sagt Stefan Lauer. Von der Krankheit seien vor allem Frauen betroffen, die im Gesamtdurchschnitt länger leben als Männer. Von den Menschen über 90 Jahre erkranke bereits jeder Dritte an Demenz.

Künftig werde dieser Umstand zu einem Mangel an speziell ausgebildeten Fachkräften führen, sagt Lauer. Derzeit sei sei die Situation in Oberfranken noch gut, "doch in den nächsten vier, fünf Jahren wird's krass werden". Durch das alters- und gesundheitsbedingte Ausscheiden vieler Pflegekräfte rückten dann zu wenig erfahrene Leute nach. Dass so wenig junge Menschen den Pflegeberuf wählen, liegt seiner Meinung nach nicht in erster Linie am Gehalt, sondern am allgemein geringen Ansehen des Berufes. Das Bewusstsein in der Gesellschaft müsse dafür geweckt werden, dass viel Fachwissen und geistige Reife fürs Ausüben eines Pflegeberufs benötigt werden. Den Bedarf allein mit ausländischen Pflegekräften zu decken, sei seiner Ansicht nach keine nachhaltige Lösung. Die sprachliche Barriere sei oft sehr hoch und erschwere die Kommunikation der Pflegekräfte mit ihren Schützlingen.


Praxisorientiertes Lehren

Stefan Lauer weiß, wovon er redet, denn er hat selbst jahrelang als Pfleger gearbeitet. Bei Studierenden verschaffe ihm das eine hohe Akzeptanz, weil er die theoretischen Lerninhalte an praktischen Beispielen verdeutliche, sagte er. "Praxis und Theorie gehören zusammen", fährt er fort. Gerade in einer sozialen Einrichtung müsse der Leiter wissen, unter welchen Bedingungen seine Leute arbeiten. In Vorlesungen und im Unterricht gehe er deshalb gern auf die Ethik von Pflegeberufen ein - stets unter der Prämisse der praktischen Anwendung.
Für ältere Menschen sei es sehr wichtig, regelmäßig etwas für Körper und Geist zu machen. Herz und Hirn sollten ständig ein wenig trainiert werden. Stefan Lauer zählt stichpunktartig auf, was er damit meint: Einkaufszettel schreiben, sich geistig beschäftigen, soziale Kontakte halten, auf gute Ernährung achten und vor allem Bewegung.

Im Pflegeheim Elisabeth, in dem derzeit 66 Frauen und Männer leben, achtet Stefan Lauer auf diese Faktoren. Zur Sturzprävention beispielsweise, sagt er, gehöre auch eine gewisse körperliche Kraft, um sich notfalls an einem Handlauf festhalten zu können. Die älteren Damen und Herren spornt er deshalb an, zwei Mal wöchentlich ein wenig zu trainieren. Das komme gut an, hat er festgestellt, denn die Heimbewohner möchten immer gern am Dynamomenter, dem Handkraftmessgerät, ihre Leistungsfähigkeit überprüfen.

Dass er sich im Beruf kontinuierlich weiterqualifizieren konnte, schreibt Stefan Lauer nicht allein sich selbst zu: "Eine intakte Familie und gute Gesundheit sind immer die wichtigsten Grundlagen für privates Glück und beruflichen Erfolg im Leben." Ohne die Unterstützung seiner Frau Angelika wäre dies alles nicht möglich gewesen, sagt er und fügt hinzu: "Ich bin ihr dafür sehr dankbar und habe ihr auch fest versprochen, nun keine Schulbank mehr zu drücken."