Ich sitze auf einem Stuhl und halte einen roten Ball in meiner Faust. Der Zauberer Konthur hat ebenfalls einen Ball in der Hand. Dann öffnet er sie und der Ball ist verschwunden. Ich spüre in meiner Faust, dass da etwas anders ist wie davor und öffne die Hand. Ich halte zwei Bälle in der Hand. Fasziniert frage ich mich, wie das funktioniert hat, schließlich hat er meine Hand nicht berührt und ich hatte wirklich anfangs nur einen Ball in der Hand.

"Die Kunst der Zauberei ist es, die Menschen so gut zu täuschen, dass sie es nicht merken", sagt Konthur. Mich konnte er so perfekt täuschen, denn ich habe nicht gemerkt, wie er es geschafft hat, dass ich plötzlich zwei Bälle in meiner Hand hatte.

Zauberer als Traumberuf

Um solche Tricks zu perfektionieren braucht es viel Übung - und die hat Konthur. Seit er 13 ist, beschäftigt er sich mit der Zauberei. "Ich sah damals einen Zauberer im Fernsehen und für mich war klar, dass ich das auch machen wollte", erzählt Konthur.

Damit begann die jahrelange Übung. Ansprechpartner und Unterstützung hatte er anfangs nicht, so dass er sich alles aus Büchern selbst beibrachte. Seine Eltern waren anfangs nicht begeistert von dem Traum, Zauberer zu werden. "Ich habe dann erst einmal eine Lehre zum Maschinenbauer gemacht und danach in Nürnberg studiert", sagt Konthur, der in Stockheim bei Kronach aufgewachsen ist.

Während seines Studiums beschäftigte er sich weiterhin mit der Magie und nahm Kontakt zur Ortsgruppe des Magischen Zirkels auf. 1973 wurde er dann mit einer Prüfung in den Zirkel aufgenommen und konnte sich mit anderen Zauberern austauschen und weiterbilden.

Der endgültige Durchbruch kam 1975, als Konthur bei einem Wettbewerb in Würzburg teilnahm. Immer mehr Buchungen kamen für ihn, so dass er 1981 seinen Job im Controlling einer Reifenfirma an den Nagel hängte und Profizauberer wurde. Auch seine Frau Ann steckte er mit der Leidenschaft für die Zauberei an, so dass sie als Duo mit einer eigenen Show auftraten. Sie entwickelten ein Programm rund um eine Bar, in der Getränkeflaschen aus dem Nichts erschienen.

Dieses Programm war so spektakulär, dass sie dafür 1986 den Grand Prix für die modernste Zauberei erhielten.

"Wir hatten viele internationale Auftritte und waren viel unterwegs auf Kreuzfahrtschiffen und in der Welt", sagt Konthur. Spanien, die Niederlande und Italien waren nur ein paar Ziele ihrer Reisen. Das Schöne an dem Dasein als Zauberer sei, dass man immer neue Menschen kennenlerne. Udo Jürgens, Modern Talking, Franz Beckenbauer und Axel Schulz waren unter jenen, die in den Genuss der Zauberei von Konthur gekommen sind.

Bis vor zwei Jahren trat das Paar gemeinsam auf. Nun ist Konthur wieder alleine bei Messen, Hochzeiten, Firmenfeiern und Geburtstagen auf der Bühne. "Es macht mir Spaß, die Reaktionen der Leute zu sehen", sagt der Zauberer.

Mit allem lässt sich zaubern

Am liebsten zaubert er, wenn er umringt vom Publikum ist oder von Tisch zu Tisch gehen kann. Dabei nimmt er alles zur Hand, womit sich zaubern lässt: Spielkarten, Seile, Bälle oder er behilft sich mentaler Fähigkeiten.

Seine Tricks feilt er aus bis zur Perfektion. In einem Buch schreibt er alle Tricks auf und wie er sie ausführen möchte, dann ist immer wieder Üben gefragt, bis er sich sicher ist, dass der Trick zu 100 Prozent funktioniert.

Erst dann wird er ins Programm aufgenommen. "Man muss jeden Tag üben und immer am Ball bleiben, auch wenn man schon viel Erfahrung hat", sagt Konthur. "Ich möchte mit dem, was ich tue, die Menschen zum Staunen bringen", fügt er hinzu.

Jackett und Hut gehören mittlerweile als feste Bestandteile zu seinem Outfit auf der Bühne. Gentleman der Zauberkunst werde er deshalb auch genannt, sagt er selbst.

Seine Erfahrung als Zauberer gibt er gern an andere weiter. Er hält Seminare und hilft anderen Magiern bei der Verbesserung der Zaubertricks. "Wenn ich andere Zauberkünstler sehe, dann erkenne ich meistens sofort, welche Tricks angewendet werden", sagt Konthur. Auch bei Videos aus dem Internet sehe er sofort, ob das wirklich Zauberkunst ist oder einfach nur ein Videoschnitt. "Ich sehe, ob das möglich ist, was da gezeigt wird, oder nicht."

Er denkt, dass es jedem möglich ist, Zauberei zu lernen, wenn das Interesse da ist. Man müsse nur dran bleiben und immer weiter üben.