Elf Städte und Gemeinden gibt es im Landkreis, und bis auf zwei haben alle einen hauptamtlichen Bürgermeister. Die Alternative ist der ehrenamtliche Bürgermeister. Der Begriff ist irreführend, weil unter ehrenamtlicher Tätigkeit in der Regel eine unentgeltliche verstanden wird. Auch die Arbeit ehrenamtlicher Bürgermeister wird bezahlt. Die Höhe dieser "Entschädigung" wird vom Gemeinderat festgelegt, muss sich aber innerhalb gesetzlicher Rahmensätze bewegen. Bei Kommunen mit unter 1000 Einwohnern sind es mindestens 1245 Euro, bei bis zu 3000 Einwohnern mindestens 3114 und bei bis zu 5000 Einwohnern mindestens 4110 Euro. Größere Gemeinden haben in aller Regel einen hauptamtlichen Bürgermeister, doch erst bei mehr als 10 000 Einwohnern ist dies ein Muss. Dann ist der Bürgermeister Beamter auf Zeit und wird nach einer entsprechenden Besoldungsgruppe entlohnt.

Die Angabe des Statistischen Landesamtes, wonach in Bayern 43 Prozent aller Bürgermeister ehrenamtliche sind, erscheint auf den ersten Blick unwahrscheinlich hoch, ist aber korrekt. Ihr Anteil wird jedoch geringer. Oberregierungsrat Michael Wutz vom Landratsamt Lichtenfels findet es gut, dass die Gemeindeordnung den Kommunen hier einen Spielraum lässt.

Die Entscheidung steht und fällt allerdings meist mit der Frage, ob sich eine kleine Gemeinde den hauptamtlichen Bürgermeister leisten kann, und nicht mit der Erkenntnis, dass die Aufgabenfülle einem Fulltime-Job entspricht.

Neben einem "normalen" Beschäftigungsverhältnis Bürgermeister im Nebenamt zu sein, das hält Jochen Partheymüller für kaum machbar. Der Marktgraitzer Bürgermeister ist selbstständig und verweist auf den Kollegen Thomas Kneipp in Hochstadt, der zunächst noch als Finanzbeamter tätig war, bis der Gemeinderat 2002 grünes Licht für einen hauptamtlichen Bürgermeister gab. Marktgraitz hat um die 1140 Einwohner, rund 500 weniger als Hochstadt, und ist die kleinste Gemeinde im Landkreis Lichtenfels. Wie außer ihr nur noch Marktzeuln (1525 Einwohner) hält sie an der Ehrenamtlichkeit fest. Partheymüller sagt, für ihn sei das einst sogar Voraussetzung gewesen, sich um das Amt zu bewerben. Als junger Architekt hatte er sich erst im Jahr zuvor selbstständig gemacht. Er hätte das nicht alles hinschmeißen und aus seinem Beruf rausgehen wollen, erklärt er - zumal es ja nicht vorhersehbar ist, ob man nach sechs Jahren wiedergewählt wird.

Inzwischen hat Partheymüller (Bürgerblock / Freie Wähler Marktgraitz) das Amt seit rund 24 Jahren inne und weiß um die Arbeitsbelastung. Im Prinzip habe er eine 60-Stunden-Woche, wovon er etwa die Hälfte als Architekt tätig sei. Aber: "Bürgermeister ist man rund um die Uhr, da gibt es keinen Feierabend." Seine Handynummer ist kein Geheimnis, und dass er zu Hause angerufen wird ein Umstand, über den er sich nicht beklagt. Seine beiden Berufe machen ihm Freude, wie er betont, sonst würde das nicht gehen - und ohne die Unterstützung der Familie auch nicht. Manch einer habe sich schon gewundert, erzählt Partheymüller, von ihm eine E-Mail mit 2.30 Uhr als Sendezeit erhalten zu haben - also quasi mitten in der Nacht abgeschickt. Für ihn sei es aber nicht ungewöhnlich, Bürotätigkeiten abends und bis in die Nacht hinein zu erledigen. Seine Sprechzeiten im Rathaus bildeten den Zeitaufwand nicht ab, merkt der Bürgermeister an. Es gehe ja nicht nur ums Verwalten, sondern ums Gestalten, und das sei zeitaufwendiger. Deshalb meint er, würde auch kein Geld gespart, wenn man kleinere Gemeinden wie seine einer größeren angliederte und dann nur noch einen Bürgermeister hätte. "Die Arbeit würde ja nicht weniger." Entweder würde sich dann der Einsatz für den Ort verringern, oder es müssten mehr Sachbearbeiter eingestellt werden.

Partheymüllers einziger ehrenamtlicher Kollege im Landkreis, Gregor Friedlein-Zech, ist zwar nicht selbstständig, kann aber ebenfalls von zu Hause aus arbeiten und hat Freiheiten in seiner Einteilung. "Sie haben Glück, dass Sie mich um diese Zeit im Rathaus antreffen", sagt er bei unserer Kontaktaufnahme. Gerade sei er dabei, eine Sitzung vorzubereiten. Friedlein-Zech ist für einen Münchner Softwarehersteller tätig. Vor seiner ersten Kandidatur 2008 erkundigte er sich bei seinem Arbeitgeber nach der Möglichkeit einer Arbeitszeitreduzierung. Seither ist er in Teilzeit tätig - und kommt trotzdem auf eine 60-Stunden-Woche, "mindestens", wie er sagt. Doch auch Friedlein-Zech beklagt sich nicht. Für ihn und seine persönliche Situation sei das so in Ordnung. Ob die Ehrenamtlichkeit eine Rolle dabei spielt, dass es in Marktzeuln am 15. März keinen weiteren Bewerber um das Bürgermeisteramt gibt, wäre eine Spekulation. Fakt ist aber, dass bei der letzten Wahl nur ein Selbstständiger seinen Hut mit in den Ring geworden hatte. In Marktgraitz gibt es drei Bewerber - keiner davon im klassischen Angestelltenverhältnis bei einem privaten Arbeitgeber.