Otto Schuhmann ist ein streitbarer Geist im besten Sinne des Wortes. "Weil es mir immer um die Sache geht, mir an einem Kompromiss gelegen ist und ich mit niemandem Feindschaft habe", sagte er einmal in einem Interview. In dieser Rolle gefiel sich das Urgestein der SPD, das 42 Jahre lang auf vielen politischen Bühnen verdienstvoll gewirkt hat, auch am Montagabend bei der Festsitzung des Gemeinderats in der ehemaligen Synagoge. Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) ernannte ihn ob seiner außerordentlichen Verdienste zum Ehrenbürger Altenkunstadts.
Als streitbarer Geist war Schuhmann ein Mann klarer Worte. In seiner Dankesrede hörte sich das wie folgt an: "Jeder, der mich im Gemeinderat kennengelernt hat, weiß dass ich gerne eine scharfe Klinge in der Diskussion geführt habe. Nach der Sitzung war das für mich aber vorbei und vergessen." Der frischgebackene Ehrenbürger wurde an diesem Abend zum Mahner, der sich Sorgen um den Fortbestand der Demokratie macht: "Was mich zur Zeit am stärksten erschüttert und ängstigt ist der Hass, der weltweit im politischen Bereich und in der gesamten Öffentlichkeit herrscht. Hass zerstört jede Gemeinschaft und macht Demokratie unmöglich."


Trauer um Josef Motschmann

In seiner Rede spiegelte sich auch der Schmerz über den Verlust seines geliebten Freundes Josef Motschmann wider, der vor vier Jahren zum Ehrenbürger ernannt worden und vor kurzem verstorben war. "Gerne wäre ich zusammen mit ihm Ehrenbürger von Altenkunstadt gewesen", seufzte Schuhmann. Er rühmte seine Tätigkeit als Mundartdichter und Heimatforscher, als "Versöhner zwischen Juden und Deutschen" sowie sein Engagement für die Belebung der Altenkunstadter Synagoge.
Hümmer schwärmte von Schuhmanns "brillanten Plädoyers für das Gemeinwohl". Zuvor hatte er den politischen Werdegang des Geehrten skizziert. Schuhmann gehörte von 1972 bis 1981 dem Stadtrat von Burgkunstadt an. Nach seinem Umzug über den Main wirkte er von 1984 bis 2014 im Gemeinderat Altenkunstadt. Landtagsabgeordneter war Schuhmann von 1974 bis 1994, Bezirksrat von 1994 bis 2003 und Kreisrat von 1972 bis 2014. Schuhmann überraschte Bürgermeister Robert Hümmer mit einem ganz besonderen Geschenk: Für das Museum in der ehemaligen Synagoge schenkte er der Gemeinde zwei Originalgraphiken von Max Liebermann, die dieser selbst signiert hatte. Liebermann gilt als Deutschlands bedeutendster Impressionist.
Während Schuhmann seine Karriere bereits hinter sich hat, steht ein anderer, der an diesem Abend geehrte wurde, erst am Anfang seiner Karriere. Die Rede ist von dem Baiersdorfer Niklas Dorsch, über den die Zeitung Sport-Bild salopp getitelt hatte: "Bayern-Bubi Dorsch: Kleiner Kroos, großer Dribbler." Hümmer verlieh dem Bayern-Profi, der im vergangenen Jahr mit der U17-Nationalmannschaft Vizeeuropameister geworden war, die Sportmedaille der Gemeinde in Gold. Der heute 18-Jährige lebt in München. Seiner einstigen Heimat, wo er in der F-Jugend des FC Baiersdorf im Jahre 2002 seine fußballerische Laufbahn begonnen hatte, ist der Mittelfeldspieler noch immer stark verbunden. "So oft es mir möglich ist, besuche ich meine Familie und meine Freunde. Mein Bruder Florian spielt noch beim FC Baiersdorf. Ich schaue gerne vorbei. Schließlich hat hier alles begonnen und hier habe ich auch meine Wurzeln", sagte Dorsch im Gespräch mit unserer Zeitung.
Die Ehrung bedeutet ihm viel: "Sie zeigt, dass man mich in Altenkunstadt nicht vergessen hat." Dorsch will auch ein Vorbild für andere junge Leute sein. Man müsse an sich selbst glauben, wenn man im Leben Erfolg habe wolle. Damit sei es aber noch lange nicht getan, so der Fußballer. "Wer es nach oben schaffen will, muss hart arbeiten, und braucht Talent. Und manchmal kommt einem auch der Zufall zu Hilfe", sagte Dorsch.