Zwei Höhenwege umrunden das gesamte, im Grenzbereich von Italien, Frankreich und der Schweiz liegende Aosta-Tal. Aus 17 Etappen besteht der so genannte "Weg der Riesen", aus weiteren 14 der "Weg der Naturschönheiten".
Für normale Bergwanderer also 31 Etappen - ein ganzer Monat! 330 Kilometer sind diese beiden Höhenwege zusammen lang. Meist in einer Höhe von 2000 bis 3000 m, bis hinauf auf 3300 m. Die positiven Höhenmeter summieren sich auf 24 000.

Von 738 Startern kommen 444 ins Ziel

Einmal im Jahr kommt hier eine Schar an Ultra-Trail-Läufern zusammen, um sich der gewaltigen Herausforderung zu stellen, diese Strecke in maximal 150 Stunden zu bewältigen. Von den 738 Startern erreichten heuer 444 das Ziel, der Schnellste benötigte nicht ganz 72 Stunden.

Als vor Kurzem der Startschuss fiel, waren auch drei oberfränkische "Ultras", Harald Fiedler aus Theisau, Stephanie Lieb (Unterlauter) und Volker Fritsche aus Lichtenfels, dabei, die sich diesen Traum erfüllen wollten.
Von nun zählte nur noch laufen, marschieren, laufen. Mit dem rund fünf Kilogramm schweren Rucksack geht es mal 1500 bis 2000 Höhenmeter hinauf, dann ebenso viele wieder hinunter. Flache Abschnitte gab es kaum, und immer war es sehr steil. Viele kleine Verpflegungsstellen und etwa alle 50 km gab es eine sogenannte "Life-Base", die für Nachschub an Nahrung und Getränke sorgten. An einer solchen Basis bestand auch die Möglichkeit, die Kleider zu wechseln, zu duschen und ein bisschen zu schlafen, wobei ein Zwei-Stunden-Nickerchen pro Etappe reichen musste, um nicht unter allzu großen Zeitdruck zu geraten. Schließlich lief die Uhr unaufhaltsam weiter.

Nach 49 km Aus für Fiedler

Fiedler musste schon nach 49 km das Rennen beenden. Eine Borreliose-Erkrankung hatte ihn im Vorfeld zu sehr geschwächt und die Erfüllung seines Traums vom "Tor des Geants" vereitelt. Der Theisauer unterstützte daraufhin seine beiden Mitstreiter im Verlauf des Rennens.
Für Lieb und Fritsche verlief der erste Teil mehr oder weniger reibungslos. Zwölf bis 20 Stunden Laufen und Marschieren auf zum Teil Schwindel erregenden, Pfaden, vorbei an einladenden Bergseen und immer die Viertausender im Blick. Mal voller Euphorie über die traumhafte Bergwelt mit ihren hilfsbereiten Bewohnern, mal fast apathisch durch die langen Nächte, kämpften sich Lieb und Fritsche dem Ziel entgegen. Durchaus hatten die Nachtstrecken aber auch spannende Momente, beispielsweise als ein Gewitter die Wolken und Berge in ein faszinierendes Licht tauchte.

Ab 200 km wurde es "leichter"

Ab der 200-Kilometer-Marke wurde es dann immer leichter, als absehbar wurde: "Wir schaffen das." Überwältigend war dann auch nach 312 km der letzte Pass, der Col de Malatra, in 2925 m Höhe. Von hier aus vergingen die letzten 20 km hinunter zum Ziel in Courmayeur wie im Flug. Nichts schmerzte mehr, keine Müdigkeit - nur noch pure Freude! Nach 127 bzw. 129 Stunden hatten sich beiden Ex-tremsportler Stephanie Lieb (Rang 197) und Volker Fritsche (228.) ihren Traum vom "Finish" beim "Tor des Geants" erfüllt. pf