Die Feier zum 80. Geburtstag von Mete Hamurculu und die goldene Hochzeit mit seiner Frau Peri fallen in den Lockdown - und deshalb deutlich kleiner aus als gedacht. Riesige Feste, wie in seinem Herkunftsland Türkei zu solchen Anlässen üblich, waren weder für heute noch für den 20. November geplant, einschränken muss sich der Tischtennisspieler des TTV Altenkunstadt dennoch: "Wir haben die Familienreise zum Tegernsee storniert. Aber meine Kinder wollen mich irgendwie überraschen", sagte der Noch-79-Jährige am Freitag am Telefon.

Zeit für eine Pause?

Hamurculu weiß, wie er mit Rückschlägen umgeht. Das weitgehende Verbot des Amateursports seit Montag vergangener Woche nimmt er mit Humor: "Meine Spiele bis dahin hatte ich alle verloren. Es war also wieder Zeit für eine Pause." Der studierte Diplombauingenieur steht beim TTV normalerweise mit der dritten Mannschaft in der Bezirksklasse C Lichtenfels Nord Oberfranken-West an der Platte. Ein Blick in die Statistik verrät, dass der gebürtige Türke, der seit 1984 nur noch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, immerhin zwei seiner sechs Einzel für sich entschieden hat.

Aktuell stehe er bei 1200 TTR-Punkten. "Vor drei Jahren hatte ich noch über 1400", klagt Hamurculu. Dann stand ein Umbau im großen Garten des Hauses in Altenkunstadt an. Der End-Siebziger schleppte drei Wochen lang schwere Steine. Seine Knie rebellierten. "Heute bin ich wieder zu 90 Prozent fit." Geholfen haben ihm ein spezielles Muskeltraining und seine Leidenschaft für Spaziergänge und Radtouren. "Ich gehe oder fahre jeden Tag mindestens eine Stunde. Manchmal sogar beides", berichtet der Linkshänder.

Auf dem Rad hilft ihm ein Elektromotor, beim Waldlauf entlastet er seine Knie mit Nordic-Walking-Stecken und an der Tischtennisplatte weiß er sich gegen die fast ausschließlich jüngeren Gegenspieler ebenfalls zu helfen: "Ich habe auf der Rückhand kurze Noppen", sagt er grinsend. Dieser Belag verlangsamt das Spiel und treibt Sportler mit mehr Energie, aber weniger Erfahrung oft zur Verzweiflung.

"Mete ist stets der Erste in der Halle und der Letzte nach Ende des Trainings", sagen seine Mitspieler. Tischtennis brachte ihn 2015 sogar zur Senioren-EM nach Finnland.

Liebe fand er in der Türkei, Heimat in Deutschland

Nach dem "Abitur" 1958 in der Türkei wanderte Mete Hamurculu mit 18 Jahren nach Braunschweig aus, um Bauingenieurwesen zu studieren. Dort wohnt bis heute seine fünf Jahre ältere Schwester, die - wie Metes Kinder Burak (46) und Burcu (42) - einen deutschen Partner hat. Metes drei Enkelkinder haben deutsche Vornamen. Weil er die türkische Staatsbürgerschaft behalten hatte, wurde er zum Militärdienst eingezogen. Dies erwies sich als Glücksfall, denn Ende 1969 lernte er in der alten Heimat Peri (76) kennen, die er ein Jahr später heiratete. Sie zogen 1970 nach Sigmaringen, 1980 nach Weismain. 1992 bauten sie ein Haus in Altenkunstadt. 2003 löste Mete sein Architekturbüro in Sonneberg auf, seit 2006 ist er Rentnergil/rup