Weithin ins nächtliche Tal leuchtete am Wochenende die überdachte Bühne in wechselnden Farben. Die Abende wurden mild und milder, und selbst ein für Samstag prognostiziertes Unwetter verschonte den Ort. Die 29. "Songs an einem Sommerabend" hätten in ihrem unbelasteten Ausklang so sein können wie die 23. oder 25. oder 26. Hätten.

Denn als die Menschen spät in der Nacht ihre Decken einpackten und sich zu ihren Autos begaben, dürfte manch einem von ihnen ein Satz von Ado Schlier gedanklich begleitet haben, wonach "wir beginnen wollen, aufzuhören". In Anbetracht schon manch totgesagter Songs und ihrer Fortführung sowie einer langen stolzen Geschichte, könnte das auch als augenzwinkernder Hinweis auf ein Ausschleichen auf viele, viele Jahre verstanden werden. Aber gesagt ist gesagt. Und wer ist eigentlich "wir"? Wir Schliers? Wir vom Bayerischen Rundfunk? Wir alle Verantwortlichen von Bad Staffelstein bis München?

Ansonsten war alles wie immer. Ansonsten beherbergte die weithin ins Tal leuchtende überdachte Bühne wieder jene Künstler, die eine Atmosphäre zu vermitteln in der Lage sind, die das auf der Wiese auf Decken lagernde und auf der Tribüne sitzende Publikum von Einmaligkeit schwärmen lässt. Angelo Branduardi beispielsweise, barfuß in sich versunken musizierend, seinen größten Erfolg La Pulce d´aqua dem Publikum aber erneut versagend.

Bildergalerie: Songs an einem Sommerabend (I)

Oder Heinz Rudolf Kunze mit seiner Band Räuberzivil, der Poet unter den Rockern und der Rocker unter den Poeten. Engagiertes Liedermachertum, dynamisiert durch Slide-Gitarre und Wah-Wah-Effekte, die Multiinstrumentalist Ralph König in die Nacht schickte.

Doch, es kann mittlerweile auch ein wenig lauter zugehen als zur Anfangszeit der Songs. Auch das ein Zeichen des Wandels, dem die "Songs" im Laufe der Jahre unterliegen. Und dennoch sind sie häufig, diese stillen und innigen Momente, in denen Musik und Aussagen die Menschen dorthin führen, wo die Poesie den Abend und die Nacht küsst. Dafür sorgten am Freitag und Samstag ein Ausnahmegitarrist wie Wolfgang Stute oder der souverän-sympathische Moderator Matthias Brodowy, dessen Begrüßungssong das Flair der Klosterwiese so besingt, dass er schon selbst auf dem Weg zum Klassiker ist.

Bildergalerie: Songs an einem Sommerabend (II)

Am lautesten träumte an den beiden Abenden aber Konstantin Wecker. Er träumte als letzter Künstler des Abends, er träumte den Zeitrahmen herrlich sprengend, er träumte vom Frieden, er träumte dank des Kammerorchesters der Bayerischen Philharmonie sogar bombastisch und er träumte das Publikum hochgradig ansteckend. Vor allem aber träumte er überwiegend politisch.

Der Funke sprang über, der Mann traf einen Nerv, ging von der Bühne, ging hinein in sein zu ihm drängendes Publikum. Ob überwiegend Gesellschaftspolitisches an den "Songs an einem Sommerabend" nicht einen gewissen Überhang darstellt? Es ist ein Liedermacherfestival, die waren schon immer auch so und die Antwort auf eine derartige Frage ist bei bedeutenden Liedermacherfestivals ja traditionell blowing in the wind.

Und am Ende sangen dutzende Künstler ja doch gemeinsam mit dem ergriffenen Publikum das Lied oder besser die Hymne, die untrennbar, am eigentlichsten und tiefsten zu den Songs an einem Sommerabend gehört: "Gute Nacht, Freunde."