"Das wird richtig gut." Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner zeigte sich stilsicher und zuversichtlich, was die neuen Stadtmöbel angeht. Auch wenn die im Versammlungsraum des Innovationszentrums gezeigten Vorschläge noch nicht zum Platznehmen taugten, fanden sie Anklang. Roland Lowig hielt sie für geeignet, zum Aushängeschild für die Stadt, die sich Deutsche Korbstadt nennt, zu werden: "voll gelungen". Es gibt sie nicht von der Stange zu kaufen, sie sind etwas vollkommen Neues, entwickelt hier vor Ort. Elisabeth Dicker, Innenarchitektin und ausgebildete Korbflechterin, die seit 16 Jahren an der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung unterrichtet, hatte den Auftrag, einen Ersatz für die in die Jahre gekommenen blauen und grünen Metallbänke zu entwerfen. Ziel ist ein einfaches System, das nicht zu dominant ist und trotzdem das Thema Flechten sichtbar macht. Stabil und langlebig.


Stahl und Geflecht

Mit dem pulverbeschichteten Stahlgestell und dem dunklen Geflecht aus Kunststoff-Flechtschnur können diese Vorgaben umgesetzt werden. Ala Jauch, Projektpartner von Elisabeth Dicker (die wegen der Mailänder Möbelmesse nicht da sein konnte), sowie Klaus Jacob und Jens Ambos, Mitarbeiter im Innovationszentrum, stellten den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses Materialien und Umsetzung vor. Fragen nach Sitzhöhen und Montage traten auf, weil die Bänke natürlich seniorengerecht und diebstahlsicher sein sollen. Sie wurden zufriedenstellend beantwortet.
Andrea Starker hatte großes Lob für die Entwickler, besonders wegen der Flexibilität der Teile. Man kann sie aneinander reihen oder einzeln aufstellen, mit oder ohne Lehne. Das "Korbhoggerla" reizte zu kritischerem Blick, vor allem, als sich Stadtrat Ralf Schneider durch die Form spontan an einen Dönerspieß erinnert fühlte und dies aussprach.
Sehr gut gefiel die Intention, alle Arbeiten möglichst am Ort zu lassen. Einer Fertigung in Serie werden allerdings zwei wichtige Schritte vorausgehen: Zum einen die Abstimmung der Prototypen mit der Regierung, die wegen der Inanspruchnahme von Städtebaufördermitteln in die Entscheidung eingebunden werden muss; zum anderen die Bürgerbeteiligung. "Wir wollen Impulse setzen für die Belebung unserer Stadt und die Bevölkerung einbinden", fasste Bürgermeister Andreas Hügerich zusammen. Eine zentrale Frage beim Tag der Städtebauförderung im Mai laute: "Was sagt der Lichtenfelser zu seinem Möbel?" Zu sehen wird es dann nicht nur die besagten Sitzelemente, sondern auch die neuen anthrazitfarbenen Mülleimer, Schließfächer und Fahrradständer geben, für die sich die Stadträte entschieden haben; vielleicht auch eine Ansicht der neuen, schlichten Bushaltestellen aus Glas und Metall, die für den Marktplatz vorgesehen sind.


Tag der Städtebauförderung

Die Stadtgestaltung wird aus der Städtebauförderung finanziell kräftig unterstützt, nämlich mit 60 Prozent der Kosten. Dafür redet die Regierung von Oberfranken ein Wörtchen mit; alle Gestaltungselemente müssen mit ihr abgestimmt werden. Unter dem Motto "Setz dich! Wir wollen unsere Stadt aufmöbeln!" steht der Tag der Städtebauförderung 2016 in Lichtenfels. Am Samstag, 21. Mai, von 14 bis 16 Uhr, wird dazu eingeladen, die künftigen Sitzmöbel, aber auch Fahrradständer, Schließfächer und weitere Ideen, kennenzulernen und zu bewerten. Prototypen der Bänke und Hocker, die für die Stadt angeschafft werden sollen, können auf dem Marktplatz ausprobiert werden. Mittels Fragebögen werden Bürger um ein Feedback gebeten. Inklusive Infostand stehen für diese Veranstaltung 6000 Euro zur Verfügung. 2015 stieß ein erster Tag der Städtebauförderung auf großes Interesse.


Flechtkulturverein legt Bilanz vor

Dass der Verein ZEF (Zentrum Europäischer Flechtkultur Lichtenfels) in vielfältiger Weise aktiv ist, führte dessen Geschäftsführer Manfred Rauh den Stadträten in der Sitzung vor Augen. Bezugnehmend auf den Austritt des Michelauer Bürgermeisters aus dem Verein betonte Bürgermeister Hügerich, Lichtenfels stehe für ein gemeinsames Vorgehen für den Ausbau des Tourismus' im Landkreis, und die Tür für Michelau bleibe offen.

Manfred Rauh berichtete von Projekten mit Flechtern, auch einer Kooperation mit Kindertagesstätten, die Gefallen an Flechtiglus gefunden haben. Dabei hätten eine Flechtwerkgestalterin aus Michelau und ein Kollege aus Lichtenfels die Leitung inne. Im Programmheft für die im Stadtmuseum gestarteten Flechtkurse gilt dem Deutschen Korbmuseum in der Nachbargemeinde ein halbseitiger Hinweis. Zwei Beispiele, dass man weiter auf Zusammenarbeit setzt. Helmut Fischer hatte damit argumentiert, der Fokus sei zu sehr auf Lichtenfels gerichtet. Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (FW) merkte an, er selbst sei Mitglied im Förderverein für das Korbmuseum und werde das auch bleiben. Er habe Fischer angesprochen und ihm gesagt: "Dein Verhalten gefällt uns gar nicht!" Bürgermeister Hügerich unterstrich: "Wir sehen uns als Vermittler und Impulsgeber der Region." Dies sei bezüglich der Tourismusförderung auch eine klare Vorgabe von Landrat Meißner (CSU).