Ein bisschen ungwöhnlich ist es schon – das neue Denkmal in der Bahnhofstraße, zwischen Pizzeria und Glasbläserstube. Einen Studenten stellt es dar. Leger in Wanderkleidung, barfuß, mit offenem halblangen Haar, in der linken Hand ein Notizbuch, rechts einen Stift sitzt er da. Sein Name: Joseph Victor von Scheffel. Bekannt geworden ist der 1826 in Karlsruhe geborene und 1886 auch dort verstorbene Künstler vor allem als Texter, Schriftsteller und Dichter.

Sein "Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" kennt im Frankenland wohl jeder. In sechs Strophen erzählt Victor Scheffel darin von seinen Wanderungen im Maintal, von Einkehr, Gastfreundschaft und dem Leben. Augenzwinkernd berichtet er in seinem "Frankenlied" auch von fröhlichen Wallfahrern, von der schönen Schnitterin und manchem Tropfen, den er wohl genossen hat.

Scheffel, der zu seinem  50. Geburtstag geadelt wurde und von da an "von Scheffel" hieß, ist Namensgeber vieler Schulen und Straßen in Deutschland. So auch in Bad Staffelstein. Dort tragen die Realschule und eine Straße im Stadtgebiet seinen Namen. Aber auch viele Denkmäler wurden zu Ehren des Dichters errichtet. Bad Staffelstein reiht sich neuerdings auch hier ein: Seit wenigen Tagen sitzt von Scheffel sozusagen zum Greifen nah in Lebensgröße auf einer Granitstele. Dass er nicht mit Nickelbrille, Bart und kurzem Haar dargestellt ist, erklärte der Seßlacher Künstler und Bildhauer Andreas Krämmer so: er habe sich inspirieren lassen von dem "jungen Scheffel", dem Wanderer, dem Studenten.

Und so schuf er eine Bronzeskulptur, die dem nahe kommen sollte.

Eine plausible Erklärung

Dafür, dass Scheffel barfüßig ist, hatte Krämmer eine logisch klingende Idee: "Er kam bestimmt von einer Wanderung, machte hier Rast und kühlte seine Füße im Wasser." Wenige Meter entfernt, am Mühlbach, stehen ein paar Schuhe – Scheffels Schuhe.

Das gefiel den Gästen gut, die am Freitag Nachmittag zur offiziellen Segnung des Denkmals gekommen waren. Etliche Stadträte und Kommunalpolitiker, die Direktoren von Sparkasse und Raiffeisen-Volksbank, ein Vertreter der Steinmetzfirma Kerner und auch der Bildhauer waren bei der ökumenischen Segnung durch Pfarrer Georg Birkel und Pfarrer Matthias Hagen anwesend.

Über den ausgewählten Standort wusste Bürgermeister Jürgen Kohmann einiges zu erzählen: Nach Beendigung des Bauaubschnittes (BA) III der Umgestaltung Bahnhofstraße und vor Beginn des BA IV im Frühjahr habe sich dieser Platz geradezu angeboten. Auch von den Kosten sprach er: "Wir haben 70 000 Euro investiert. Die Städtebauförderung übernahm 60 Prozent der Kosten, zehn Prozent wurden gespendet"  - darunter 5000 Euro von der Sparkasse und 2500 Euro von der Raiffeisen-Volksbank. Das bedeutet, die restlichen 30 Prozent hat die Stadt aus der Rathauskasse finanziert. "Das war es uns wert. Scheffel hat Bad Staffelstein über die Grenzen hinaus bekannt gemacht", erklärte Bürgermeister Kohmann zum Abschluss.