Etwa 5500 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Tuberkulose. Damit spielt die Krankheit keine allzu große Rolle mehr im deutschen Gesundheitssystem. Das war vor einigen Jahren noch ganz anders - und genau deshalb steht seit über 60 Jahren die Rehabilitationsklinik Lautergrund in Schwabthal.

In den 50er Jahren war die Zahl an Tuberkulosekranken infolge des Krieges hoch - sowohl in der Bundesrepublik, als auch in der DDR. Die Landesversicherungsanstalt (LVA) Berlin stand zu diesem Zeitpunkt vor dem Problem, dass ihre bisherige Lungenheilanstalt im brandenburgischen Beelitz, südwestlich von Berlin, nun in der DDR lag und damit unzugänglich war. "Die hat die russische Armee in Beschlag genommen", sagt Denis McGee, Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Berlin-Brandenburg. In unmittelbarer Nähe war somit auch kein Ersatz möglich, schließlich lag West-Berlin mitten im DDR-Staatsgebiet. Also suchte die LVA nach einem neuen Standort in der Bundesrepublik, der relativ nah an der innerdeutschen Grenze liegt und wurde im Lautergrund fündig. Ein Grund: Die verhältnismäßig kurze Anreisezeit von rund sechs Stunden mit dem Bus für die Berliner Patienten, wie aus dem Buch "Geschichte und Geschichten seit 1890" hervorgeht, das die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Berlin-Brandenburg anlässlich ihres Jubiläums veröffentlicht hat. 1956 wurde in Schwabthal der heutige Standort der Klinik gekauft und am 8. November 1958 eingeweiht.

Keine Begeisterung

Erbaut unter der Leitung von Architekt Herbert Richter bot das achtstöckige Gebäude damals Platz für 320 Versicherte in Zwei- oder Dreibettzimmern. Neben zwei Operationssälen und anderen medizinischen Räumlichkeiten gab es auch einen Friseursalon, ein Kino, in dem 360 Personen Platz fanden, einen Minigolfplatz und eine Bücherei. Hinzu kam die Parkanlage.

Die Begeisterung der Einheimischen über hunderte lungenkranke Berliner im Frankenland hielt sich allerdings in Grenzen. "Im Ort gab es viele Befürchtungen", sagt Denis McGee. Die Angst vor einer Ansteckung spielte eine große Rolle. "Das hat sich aber alles nicht bewahrheitet." Die Klinik wurde mit eigenen Frischwasserquellen und einer Kläranlage versehen, um das Risiko zu minimieren.

Wirtschaftsmotor

Stattdessen hat sich die Klinik zu einem Wirtschaftsmotor entwickelt. "Viele Beschäftigte kommen aus der Region", sagt McGee. Auch der Tourismus hat an Fahrt aufgenommen, denn die Patienten kommen zu rund 60 Prozent weiterhin von weit her. "Der Großteil der Gäste kommt aus Berlin und Brandenburg, aber auch aus anderen Verbänden der Deutschen Rentenversicherung." Patrick Schopf, stellvertretender kaufmännischer Leiter der Klinik, erklärt: "Viele kommen hier nochmal her, um Urlaub zu machen. Einige haben sich sogar niedergelassen und ihren Alterswohnsitz hier gewählt."

Entscheidender als die Herkunft und der damit verbundene DRV-Regionalverband ist das Krankheitsbild, das zur Klinik passen müsse, die sich heute der Orthopädie widmet, sagt McGee. Laut Patrick Schopf, kommen die Patienten, die nach einer Operation in die Reha gehen, eher aus der Region: "Es macht ja keinen Sinn, dass jemand, der gerade operiert wurde, aus Berlin hier her kommt." Bei anderen Erkrankungen dominieren die Berliner und Brandenburger.

Zurück in die Historie: 1967 war Tuberkulose längst kein so großes Thema mehr, und aus der "Lungenheilstätte Schwabthal" wurde das "Sanatorium Lautergrund", wo nun die Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen im Mittelpunkt stand, was auch die Einrichtung von Massage- und Gymnastikräumen sowie Wannenbädern zufolge hatte. 1979 war in der erneut umbenannten "Kurklinik Lautergrund" der 50 000 Patient zu Gast.

Immer wieder investierte die LVA Berlin, Vorgänger der heutigen DRV Berlin-Brandenburg, in das Gebäude. Die Umstellung auf orthopädische Erkrankungen brachte in den 2000ern erneute Umbaumaßnahmen mit sich. 2010 wurde eine 300 Quadratmeter große Therapiehalle in Betrieb genommen, später unter anderem ein Erweiterungsbau mit Patientenzimmern.