Die Probefahrt von Moritz Hübner fällt kurz aus. Nummer 3 hat wenig Luft auf den Reifen - so wie alle anderen Räder hier. "Die stehen ja auch mindestens ein halbes Jahr", sagt Ottilie Schramm, die für die Stadt an diesem Tag 15 Fundräder versteigern will. Moritz stellt das Rad wieder zu den anderen Zweirädern vor der Adam-Riese-Halle: "Es ist vielleicht etwas zu klein", meint er. Der Schüler aus Ebensfeld sucht ein Winterrad, damit er sein teures Mountainbike schonen kann.

Es ist kurz vor 14 Uhr, Ottilie Schramm schaut auf die Uhr: "Ich darf nicht zu früh anfangen", meint sie. Es könnte noch jemand kommen. Als sie das erste Rad aufruft, ein älteres silbernes Herrenrad, kommen noch eine Frau mit ihrer Tochter vorbei - und die ersten sind schon gegangen. Weil für sie an diesem Tag nichts dabei ist.


Einmal im Jahr

Einmal im Jahr versteigert die Stadt Fundräder, die auch nach einem halben Jahr von ihren Besitzern nicht mehr abgeholt wurden. Sieben Herrenräder, vier Damenräder und vier Jugend- oder Kinderräder werden an diesem Tag angeboten. Um in einen Bieterrausch zu verfallen, ist das Angebot nicht gut genug.

Alles ältere Semester, aber meist vollständig und zu retten, wenn man einen Achter aus den Felgen ziehen kann - oder etwa einen brauchbaren Sattel zu Hause herumliegen hat. Die schönsten Stücke seien es nicht, die würden meist von den Besitzern abgeholt, sagt Ottilie Schramm, aber sie schätzt das Angebot heute als durchaus nicht schlecht ein. Startgebot ist fünf Euro, dann geht es in Einer-Schritten aufwärts. Einige Besucher finden sogar das, was sie suchen: "Ich brauche ein Rad für meine Mutter für kurze Strecken", sagt Hannah Widenka - für elf Euro hat sie Erfolg.

Fahrradtausch

Mit 13 Euro markiert das grüne Damenrad den höchsten Preis. Zu Recht, es strahlte unter anderen Rädern doch noch eine gewisse Eleganz aus. Aber nicht Moritz Hübner ist neuer Besitzer. Der stand still daneben, als die Gebote kamen: "Ich denke, da hat meine Oma zu Hause noch etwas Besseres in der Garage stehen." So ging es an Elena Grasser. Sie hatte im vergangenen Jahr auf der Versteigerung ein Jugendrad bekommen, das zu klein wird. "Für 20 Euro bekommen wir das wieder hin", gab sich Vater Thorsten optimistisch.