Weihnachten - das zweithöchste Fest im Kirchenjahr. Für die meisten Menschen ist es ein Fest, an dem Feiertage anfallen, festliche Musik willkommen ist und die Familie sich begegnet. Aber wie feiert eigentlich die Geistlichkeit und feiert sie überhaupt? Geht es dabei am Ende traditionell und mit Weihnachtsgans zu? Ein nachadventlicher Blick auf ein vermutetes Idyll.

"Wenn man vier Wochen lang Weihnachten feiert, dann hat man es jetzt über", wird Franziskanerpater Christoph Kreitmeir in der Wochenendausgabe des Fränkischen Tags zitiert. Das klingt mindestens nach Pragmatismus und nicht ganz nach handelsüblichem Idyll. Und so spricht Pater Christoph auch davon, selbst eher "zwischendurch zur Ruhe, zu Telefonaten, zum Skypen und zu Besuchen zu kommen". Aber er hält fest: "Für mich ist das o.k."

Zwei, drei Metten an Heiligabend

Jemand, der wohl Ähnliches erlebt, ist der
katholische Stadtpfarrer von Lichtenfels, Roland Neher. Von Festtagsbraten und Zeit vor der Krippe keine Spur. Zwei, drei Metten jedes Jahr am 24. Dezember und "durchaus Zeit, besinnlich zu werden" - wenn man nicht schon all die Zeit besinnlich gewesen wäre und wenn nicht an diesem Tag "noch eine Beerdigung dazwischenkommt". Weihnachten ist "für mich Dienst - das geht unspektakulär", so Neher auf die Frage, wie und ob er sich die Freude am Adventlichen erhält.

Der Zugang ist ein anderer. Für normale Christen findet Weihnachten am 24. Dezember statt. Als Geistlicher ist man mit diesem Thema einfach schon viel früher, geplanter und intensiver dran. Es gilt Vorbereitungen zu treffen, Predigten zu schreiben, Metten vorzubereiten - kurz: Arbeit. "Wenn ich am ersten Feiertag mei' Ruh' hab', dann geh ich zum Essen, zahl' und leg mich auf die Couch. Es ist nicht so, dass ich am 24. die Krippe meditiere."
Und der Stadtpfarrer gewährt weitere Einblicke: "Ich bin ein Mensch, der nicht sonderlich auf Romantik abfährt. Im Privatbereich gibt es keine Strohsterne, und ein Weihnachtsbaum wäre mir nur im Weg." Eine Weihnachtsgans gab es nicht. Im Gegenteil: "Ich ernähre mich frugal - an Weihnachtsfeiertagen wurden Reste gegessen."

Nein - keine Weihnachtsmuffel

Eigentlich hat das Weihnachten Nehers mit dem Weihnachten der meisten anderen Menschen kaum etwas zu tun, denn auch das Bedürfnis, Familie um sich zu haben, fällt bei dem Geistlichen eher gering aus. Seine Geschwister weiß der Mann woanders auch gut aufgehoben. Nein, Weihnachtsmuffel scheint kein zutreffender Begriff für Pater Christoph oder Roland Neher zu sein. Der Bezug zum Fest ist eben ein anderer, einer, der von Arbeit geprägt ist. "Mir geht es hauptsächlich darum, gute Angebote in der Kirche anzubieten, damit die vielen Menschen (...) Nahrung für ihr Leben bekommen", so der Franziskaner Kreitmeir.

Apropos Nahrung - Weihnachtseinkäufe muss Pfarrer Neher selbst tätigen. Zwar gibt es eine Zugehfrau, aber die hat am 24. Dezember schließlich selber Weihnachten und Familie. Eine Weihnachtsgans stand nicht auf dem Einkaufszettel und die Lust auf Geselligkeit wich dem Bedürfnis nach Ruhe. Zwar verbarrikadiere er sich nicht im Pfarrhaus, aber das Lesen und die Beschäftigung am Computer seien doch gleichermaßen entspannende wie zeitintensive Betätigungen.

Frugal, eher bescheiden also, ging es für Neher zu Tisch. "Ich hatte an Weihnachten Lust, Linsen zu essen. Die erste Hälfte am Heiligen Abend, die zweite Hälfte am zweiten Feiertag - das war's."
Ähnlich wie den Geistlichen ergeht es auch um Weihnachten herum dem Basilikaorganisten Georg Hagel in Vierzehnheiligen. Am Heiligen Abend ist er genauso an seinem Arbeitsplatz wie an den Weihnachtstagen. Doch das macht ihm nichts aus, das ist er so gewohnt.

Silvesterkonzert in der Basilika

Auf das Silvesterkonzert in Vierzehnheiligen freut sich Georg Hagel schon. Abwechselnd mit anderen Organisten wird er auch an diesem Abend wieder an seinem Instrument sitzen. Am 31. Dezember ab 17 Uhr beginnt das Silvesterkonzert. Heuer konnte dazu das am Obermain bekannte "Consortium Musicum" unter der Leitung von Professor Harry Ries gewonnen werden. Zusammen mit Georg Hagel werden die Musiker im prächtigen Rokoko-Raum der Basilika spielen und das musikalische Jahr in Vierzehnheiligen beschließen.

Das Konzert bietet eine bunte Mischung aus traditioneller Kirchenmusik mit großartiger Klangentfaltung von Heinrich Isaac über J. S. Bach sowie Werken von George Gershwin und John Philip Sousa sowie einiger Gospels und Spirituals.

Der Vorverkauf findet ab 16 Uhr ausschließlich an den beiden Abendkassen statt. Der Eintritt kostet zehn Euro; das Programm ist gleichzeitig die Eintrittskarte. Die Basilikabänke sind zwar beheizt, es empfiehlt sich aber, Decken mitzubringen.