Lichtenfels
Interview

Neue Marketingstrategie für Landkreis Lichtenfels

Der Landkreis Lichtenfels steht jetzt touristisch als Gebietsausschuss Obermain-Jura auf eigenen Beinen. Landrat Christian Meißner sieht das als Vorteil an, setzt aber weiterhin auf enge Zusammenarbeit mit den Nachbarn.
Radler genießen die Landschaft bei Kloster Banz.  Foto: FrankenTourismus/Bad Staffelstein/Hub
Radler genießen die Landschaft bei Kloster Banz. Foto: FrankenTourismus/Bad Staffelstein/Hub
"Oberes Maintal - Coburger Land": Unter diesem Namen des einstigen Gebietsausschusses firmierte über 20 Jahre lang die Tourismusarbeit der Region. Die beiden darin vereinten Landkreise Lichtenfels und Coburg werden in Sachen Fremdenverkehr künftig aber getrennte Wege gehen. Obermain-Jura heißt der jüngst aus der Taufe gehobene Gebietsausschuss für die hiesige Region, "Coburg Rennsteig" der andere neu entstandene.

22 Jahre lang setzte man auf Teamarbeit, um Gästen mit möglichst geringem Mittelaufwand Appetit auf Urlaub in Franken zu machen. Der gemeinsame, jährlich erscheinende Katalog galt als das wichtigste Werbematerial.

Eine 25. Ausgabe 2014 gab es nicht mehr. Eigentlich war beabsichtigt, die gemeinsame touristische Arbeit durch Neuaufstellung als eingetragener Verein auf eine neue, breitere Basis zu stellen. Der gemeinsame Gebietsausschuss wurde aus diesem Grunde aufgelöst.
Von dem im Februar 2014 gegründeten Verein versprachen sich die Partner eine noch schlagkräftigere Tourismuseinheit "vom Rennsteig bis zum Main".

Der wenige Monate später unter der Regie von Geschäftsführer Michael Amthor (Coburg) entwickelte Slogan "Rennsteig. Coburg. Obermain. Grenzenlos. Fränkisch" gab jedoch den Anlass, um über eine Trennung nachzudenken. Der Slogan sollte nach Wunsch der Coburger Seite nämlich zum neuen Namen werden - und da gab es Einspruch aus Lichtenfels. Mit dem Rennsteig an erster Stelle um Gäste zu werben mache keinen Sinn für einen fränkischen Landkreis, dem es nicht an eigenen touristischen Attraktionen mangele, befand Landrat Christian Meißner (CSU), der mit einem Austritt aus dem Verbund mit Coburg positive Entwicklungschancen sah.

Er stellte Mitte 2014 beim Tourismusverband Franken (TVF) den Antrag auf einen eigenen Gebietsausschuss. Vergangene Woche hat dessen Mitgliederversammlung einstimmig für die Neuausrichtung gestimmt. Wir sprachen mit Landrat Meißner über die neue Eigenständigkeit.

Glücklich geschieden - darf man so den Zustand nach Zustimmung zur Bildung eines eigenen Gebietsausschusses beschreiben?
Christian Meißner: Da es hier lediglich um das Thema gemeinsame Tourismuswerbung geht, würde ich eher sagen: jedem sein eigenes Arbeitszimmer.

Was bedeutet es, als eigener Gebietsausschuss zu firmieren?
Ich freue mich sehr, jetzt in der Familie des Tourismusverbandes Franken ein eigenständiges und gleichwertiges Mitglied zu sein. Gebietsausschüsse sind formelle, meist auf geografische Bezüge zusammengefasste Untereinheiten des Tourismusverbandes Franken. Sie können unterschiedliche Rechtsformen haben. Der bisherige Gebietsausschuss existierte als Verein. Die Ausstattung hängt von der Gebietsgröße und der touristischen Ausrichtung ab. Da ich auf eine touristische Weiterentwicklung unserer Region großen Wert lege, habe ich mit Zustimmung des Kreistages den Bereich Tourismus bereits vor der Entscheidung für einen eigenen Gebietsausschuss finanziell und personell ausreichend ausgestattet. [Anmerkung der Red.: mit derzeit drei Kräften]

Minister Herrmann warnte als Vorsitzender des Tourismusverbandes Franken vor einer Zersplitterung von Budgets in kleinteilige und wenig Erfolg versprechende Maßnahmen. Könnte das als Seitenhieb auf die nunmehr getrennten Regionen Oberes Maintal - Coburger Land verstanden werden?
Das müsste man Herrn Minister Herrmann wohl direkt fragen. Die Höhe der Budgets des Tourismusverbandes Franken ist unabhängig von der Größe der Einheiten. Die Landkreise und Kommunen entrichten einen Mitgliedsbeitrag an den Tourismusverband Franken. Dieser verwendet die Mittel, um Franken in seiner ganzen Vielfalt zu bewerben. Laut TVF-Geschäftsführer Olaf Seifert spielen dabei Themen eine wichtigere Rolle als Destinationen.
Es ist sicher richtig, dass der neue Gebietsausschuss Obermain-Jura ein kleiner Gebietsausschuss ist, da wir jedoch sehr zentral liegen - Bayreuth, Bamberg, Coburg liegen nur maximal 40 Autominuten entfernt - ist uns eine enge Zusammenarbeit mit den umliegenden touristischen Einheiten sehr wichtig. Erste Gespräche sind dabei schon geführt worden, die Bereitschaft, engere Bande, vor allem in Richtung Bamberg, zu knüpfen, ist sehr groß.

Sie versprechen sich Ihrer ersten Stellungnahme zufolge eine bessere, zielgruppenspezifische Bewerbung der neuen Tourismusregion. Gibt es hierzu schon konkrete Ideen?
Bereits jetzt spricht die Region Obermain-Jura mit der Therme als Zugpferd den gesundheitsbewussten Best-Ager an, dies wird auch in Zukunft in der Gesundheitsregion eine große Rolle spielen. Mit unserem neuen Slogan ‚Obermain Jura - Der Gottesgarten‘ wollen wir Menschen ansprechen, die aktiv sein möchten, wie es die Landschaft und die Menschen vorleben - dies aber in entspannter Art. Die mehr als 1500 Kilometer neu markierte Wanderwege und über 800 Kilometer neu ausgeschilderte Radwege bilden das Rückgrat für viele Freizeitaktivitäten. Der Gast ist anspruchsvoll und möchte immer häufiger einen Mehrwert bei der Freizeitgestaltung. Wir wollen mit Erlebnissen in der Landschaft, vor allem in Verbindung mit Kulinarik, neue Zielgruppen erschließen. Bierwanderungen, Erlebnisführungen auf den neuen Keltenwegen, Führungen durch unsere typischen Dörfer mit anschließender Einkehr oder auch ein Besuch beim Wanderschäfer gehören zu den Schwerpunkten, die wir ausbauen wollen. Mit unserem neuen Veranstaltungskalender "Der Kalender" und dem Tourismusmagazin "Das Magazin" sind bereits zwei Produkte in diesem Frühjahr entstanden, die dem Gast Orientierung geben und Lust auf die Region machen.

Heuer stehen 260 000, nächstes Jahr 160 000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit der Region zur Verfügung. Wie sollen diese Mittel eingesetzt werden?
Da sich unsere Region touristisch neu orientiert, sind die Entwicklung von neuen Produkten und ein intensives Marketing wichtig. Unser neuer touristischer Auftritt im Internet wird augenblicklich gestaltet. Wir haben zwei neue, durch den Deutschen Wanderverband zertifizierte Wanderrouten, die Gottesgartenrunde Nord und Süd, ins Leben gerufen. Mit diesen Premiumwegen werden wir uns auch in Wander- und Freizeitmagazinen präsentieren. Es wird neu gestaltete Wander- und Radführer sowie einen Genussführer geben, mittelfristig auch Angebote speziell für Familien und Kinder.

Welche Erwartungen haben Sie an den Tourismusverband Franken?
Er ist für uns ein wichtiger Partner, wenn es um die Bewerbung von gesamtfränkischen Themen geht. Mit der Wasserwanderstrecke Obermain, dem Mainradweg oder dem Frankenweg haben wir Teil an den stark frequentierten Routen, die vom TVF durch Broschüren und Online-Veröffentlichungen beworben werden. Auch unser Musiksommer Obermain wird beispielsweise gesamtfränkisch beworben. Damit wird der Radius unserer Veranstaltungen größer.

Franken kann sich 2014 über ein Plus bei den Übernachtungszahlen von 1,9 Prozent freuen. Bewegen sich die Zahlen aus der hiesigen Region mit diesem Wert gleichauf?
2014 lagen die Übernachtungszahlen für das Obere Maintal-Coburger Land laut Tourismusverband bei 1 081 296 Übernachtungen. Dies bedeutet eine positive Veränderung von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Interview führte
Ramona Popp.