An der Musikschule wird die Basis für kulturelles Leben geschaffen. Das gab Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner (CSU) zu bedenken, als der Stadtrat über eine Erhöhung der Gebührensätze zu entscheiden hatte. Die Raumsituation fand sie nicht zufriedenstellend; wenn sich Lehrer einen Raum teilen müssen, schränke dies die zeitliche Flexibilität ein. Außerdem sei es jüngst vorgekommen, dass wegen einer Musikveranstaltung in der Synagoge das Klavier an der Schule nicht verfügbar war und Unterricht ausfallen musste. "Die Eltern waren sauer." Vor diesem Hintergrund werde sie einer Gebührenerhöhung nicht zustimmen, sagte Rießer, die anmerkte, dass ihre eigenen Kinder auch zu den Schülern zählten. Es gelte, das Erscheinungsbild der Schule zu verbessern. Philipp Molendo (Junge Bürger) beantragte, die Abstimmung zu vertagen und das Gespräch mit dem Leiter der Musikschule zu suchen. Dieser Antrag fand jedoch nur sechs Unterstützer. Die große Mehrheit sprach sich auch anschließend für die von der Verwaltung vorgeschlagene "sehr moderate Gebührenerhöhung" um fünf Prozent aus.

Kämmerer Johann Pantel sagte, dass es sich bei der Musikschule nicht um eine Pflichtaufgabe einer Gemeinde handele und die Stadt bereits einen enormen Beitrag leiste. Dies unterstrich die vorgelegte Auflistung der Fehlbeträge der Heinrich-Faber-Musikschule in den vergangenen Jahren. 2014 trug die Stadt 143 798 Euro. Im vergangenen Jahrzehnt waren 134 338 Euro noch der niedrigste Zuschussbedarf in einem Jahr. Wollte man auf einen Kostendeckungsgrad durch Gebühren von 45 Prozent kommen, wie vom Musikschulverband vorgeschlagen, hätte man eigentlich um 21 Prozent erhöhen müssen.

Monika Faber (SPD) erinnerte daran, dass auch Vereine und Privatpersonen Musikunterricht anbieten und verwies auf den reduzierten Geschwisterbeitrag der Musikschule als "soziale Komponente". Ihr Fraktionskollege Rudi Breuning merkte an, dass jedes Defizit von der Allgemeinheit getragen werde und die Anhebung im Monat für Eltern nicht einmal den Preis einer Schachtel Zigaretten ausmache.

Die Schule weist sinkende Schülerzahlen auf, was nicht zuletzt auf die Geburtenrückgänge und mehr Nachmittagsunterricht zurückzuführen sein dürfte. Anregungen, die dazu genannt wurden, waren ein Zusammenschluss der Musikschulen im Landkreis bzw. die Konzeption zu überdenken. An der Kostenfrage führten sie jedoch nicht vorbei. Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) unterstrich, dass es nicht vermittelbar sei, wenn die Stadt die Notwendigkeit einer Anhebung sämtlicher Steuern und Gebühren darlege und dann bei der Musikschule einen Rückzieher mache. Das Abstimmungsergebnis 22:5 zeigte, dass die meisten Stadträte das genauso sahen.

4,40 Euro im Monat teurer wird ab dem kommenden Schuljahr der wöchentliche 45-Minuten-Einzelunterricht (92,20 statt bisher 87,80 Euro). Die Anhebung liegt damit, wie Bernhard Christoph (Grüne) feststellte, noch unter dem Satz der Teuerung der Personalkosten.


Mehr über die Musikschule

Folgende Instrumente können an der Lichtenfelser Musikschule erlernt werden: Klavier, Keyboard, Akkordeon, Orgel, Querflöte, Blockflöte, Klarinette, Saxophon, Posaune, Trompete, Schlagzeug, Geige, Cello, Gitarre, E-Gitarre und E-Bass. Derzeit unterrichten zehn Lehrkräfte - diplomierte Musiklehrer - mit unterschiedlichen Stundenkontingenten an der Schule. Leiter ist Reinhard Arnold.

Die städtische Musikschule Lichtenfels besteht seit 1972 und ist nach dem aus Lichtenfels stammenden Kantor und Musikpädagogen Heinrich Faber benannt. Das von ihm verfasste Musiklehrbuch war ein Standardwerk an höheren Schulen in Deutschland.

In Bayern gibt es 213 Musikschulen, davon 138 in kommunaler Hand. Nur in Baden-Württemberg gibt es mehr Musikschulen (218). An dritter Stelle steht Nordrhein-Westfalen mit 159. Alle anderen Bundesländer verfügen über eine Anzahl von Musikschulen zwischen zwei und 74. Das beliebteste Instrument, das Musikschüler erlernen, ist das Klavier, gefolgt von der Gitarre. Die Blockflöte hat in den vergangenen Jahren an Beliebtheit eingebüßt und wurde von der Violine überholt.