Eine vierköpfige Familie wird künftig 14,40 Euro mehr im Jahr für die Abfallentsorgung ausgeben müssen, ein Single-Haushalt sechs Euro mehr. Damit gibt der Landkreis die deutliche Erhöhung der Kosten für die Müllverbrennung im Coburger Müllheizkraftwerk (MHKW) moderat an seine Bürger weiter. Möglich wird dies durch eine vorhandene Rücklage, die in die Kalkulation mit einfließt.

Der Kreisausschuss stimmte am Montag diesem Weg der Gebührenfestlegung für den Zeitraum 2016 bis 2018 zu. Dass die Rücklage von 1,2 Millionen Euro damit in den nächsten drei Jahren aufgebraucht wird, ist keine unvorsichtige Entscheidung, sondern eine vorgegebene: Die Gebühren sollten nämlich keine Überschüsse abwerfen, sondern stets kostendeckend sein. Also kommt den Landkreisbewohnern jetzt das zugute, was sie bereits bezahlt haben.
Die Gebühren werden durchschnittlich um neun Prozent erhöht, obwohl die tatsächliche Kostensteigerung, die der Zweckverband für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken (ZAW) auf seine Mitglieder umlegt, bei 27 Prozent liegt. Pro Tonne Müll, die im MHKW in Coburg verbrannt wird, werden 133 statt bisher 105 Euro verlangt.

Von der ursprünglich noch höher angedachten Verteuerung waren die Verbandsräte überrascht worden, wie Landrat Christian Meißner (CSU) bereits im Frühjahr berichtet hatte. Er hatte damals bereits deutlich gemacht, dass man von der Werksleitung bis zum Herbst eine Strategie dazu erwarte, wie es mit dem 25 Jahre alten MHKW weitergehen soll. Auch einen Rückbau der Anlage wollte Meißner nicht ausschließen.
Die Kreisräte teilten die Auffassung, dass die Gebührenerhöhung notwendig und zumutbar ist. Die Forderung nach einer transparenten Weichenstellung für die Zukunft wurde aber laut.

Grund für die Verteuerung ist, wie berichtet, die eigentlich gute Nachricht, dass im Verbandsgebiet in den letzten Jahren weniger Müll angefallen ist. Um das Kraftwerk auszulasten, wurde Müll aus Landsberg am Lech in Coburg verbrannt. Abgesehen davon, dass der Transport über weite Strecken aus Umweltaspekten kritisch zu bewerten ist, endete die Bindung wegen der auf zehn Jahre ausgelegten Ausschreibung.

Die Müllgebühren waren 2011 im Landkreis gesenkt worden. Mit der jetzt beschlossenen Erhöhung liegen sie immer noch deutlich unter dem Stand der Jahre davor. Ein Vier-Personen-Haushalt zahlte im Jahr 2005
206 Euro, ab kommendem Jahr wird er 170 Euro zahlen müssen, während es heuer noch 156 Euro sind. Für die Müllverbrennung muss etwa die Hälfte der Gebühren verwendet werden.