Die internationale Möbelmesse "imm cologne" war den Herstellern stets lieb und teuer. Für Standmiete, - ausstattung und Logistik wurden Jahr für Jahr hohe Summen ausgegeben. Köln, das war ein Schaufenster, bei dem sich alles, was in der Branche Rang und Namen hat, präsentierte. Dort galt es, auf sich aufmerksam zu machen, neue Kunden zu gewinnen und Kontakte zu pflegen. Um den Jahreswechsel wurde auf Hochtouren an den Messeauftritten gearbeitet. Heuer ist das anders: Die "imm 2021" ist abgesagt. Als sie das letzte Mal stattfand, war Covid-19 noch unbekannt, wenige Wochen später griff das Coronavirus in der Welt um sich. Wie geht es den heimischen Möbelherstellern in diesem schwierigen Jahr, wie blicken sie in die Zukunft? Wir haben uns bei einigen Unternehmen aus dem Landkreis Lichtenfels umgehört.

Nach dem ersten Lockdown verzeichneten sie durchweg gute Nachfrage, ja einen gewissen Nachholeffekt, der den Umsatzverlust etwas oder sogar in weiten Teilen ausgleichen konnte. Der jetzige Lockdown trifft die Branche in normalerweise sehr starken Einkaufstagen für Möbel. Unsicherheit ist das beherrschende Gefühl.

Thomas Machalke, Geschäftsführer von TM Collections in Lichtenfels, beobachtet derweil Materialverknappungen im Holz- und Schaumstoffbereich und damit verbundene extreme Preissteigerungen. Den Wegfall der Kölner Messe versucht man durch "Partnertage" im März/April und individuelle Einladungen von Kunden in den eigenen Showroom zu kompensieren - und, wenn möglich, durch die Teilnahme an kleineren, regionalen Messen. Eines steht für Machalke fest: "Kommunikation mit unseren Partnern wird noch wichtiger im kommenden Jahr."

Kleinere Messen und Partnertage sind auch Teil der Strategie bei Koinor. Digitale Showrooms wurden schon im Herbst aufgebaut, wie Geschäftsführer Stefan Schulz berichtet. "Einkaufsverbände beispielsweise boten Messeflächen zum Bestücken an und präsentierten ihren Partnern die Möbel über das Internet." Messe 4.0 sozusagen.

Während des Lockdowns im Frühjahr hat Koinor einen Teil seiner Nähkapazitäten in die Produktion von Mund- und Nasenmasken gesteckt - für die eigenen Beschäftigten, Geschäftspartner und andere Unternehmen.

Mitarbeitern Prämie gezahlt

Aktuell zählt das Unternehmen mit Zentrale in Michelau sowie Standorten in Weismain und Maroldsweisach 450 Mitarbeiter. Zwar habe man in diesem Jahr teilweise Kurzarbeit anmelden müssen und werde es vielleicht auch in 2021 noch einmal tun, es wurden bislang aber keine Stellen abgebaut, und das soll auch so bleiben, wie Stefan Schulz versichert. "Auch wenn die allgemeine Situation schon bedrohlich scheint - wir werden alles daran setzen, mit der gesamten Mannschaft durch diese Pandemie zu kommen." Den Mitarbeitern sei es zu verdanken, dass Koinor heute auf gesunden Füßen steht. Als Dankeschön für ihr Engagement sei allen - zusätzlich zu Urlaubs- und Weihnachtsgeld - eine Corona-Prämie von 750 Euro gezahlt worden. Stellenabbau ist auch bei den anderen von uns Befragten derzeit kein Thema. Er hoffe, dass das auch im kommenden Jahr so sein wird, sagt Thomas Machalke. "Momentan ist es eher so, dass wir für bestimmte Abteilungen unserer Produktion noch Verstärkung suchen."

Bei Signet in Hochstadt sind derzeit 79 Personen beschäftigt, neun mehr als zum Jahresanfang. "Wir sind auf einem guten Kurs und planen für 2021 weitere Einstellungen", erklärt Geschäftsführer Thomas Schlosser. Insbesondere Auszubildende für den handwerklichen, aber auch kaufmännischen Bereich seien willkommen. Schlosser nutzt die Gelegenheit, um der Belegschaft ein großes Lob auszusprechen, die die in der Pandemie notwendig gewordenen Maßnahmen immer mitgetragen und unterstützt habe. "Die Signet-Familie hat sehr gut zusammengehalten." Wegen des einmaligen Ausfalls der Kölner Möbelmesse ist ihm nicht bange. Die Kosten, die sonst hierfür angefallen waren, könne man nun in Marketingaktivitäten investieren. Man starte mit einem sehr guten Auftragspolster in das neue Jahr. Zuversicht bestehe auch deshalb, weil sich gezeigt habe, dass durch die Corona-Einschränkungen ein größeres Augenmerk auf die eigenen vier Wände gelegt wird.

Diese Feststellung trifft auch Katrin Fischer-Gehring, Diplom-Kauffrau und Assistentin der Geschäftsleitung bei Gutmann. Das Unternehmen zählt 130 Mitarbeiter. Gerade jetzt, wo so viele Menschen viel Zeit zuhause verbringen, sei es wichtig, Wohnträume zum Wohlfühlen zu präsentieren und diese den Kunden schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen. "Beides ist uns sehr gut gelungen", so Fischer-Gehring.

Die Gutmann Factory verfügt über zwei außergewöhnliche Showrooms in Hochstadt am Main und Wolfsloch. Auf über 4000 Quadratmetern werden die neuesten Trends und Lifestyle-Welten präsentiert. Während der Hausmesse im September seien die kundenindividuellen Besuchstermine sehr gut angenommen worden, berichtet die Sprecherin der Geschäftsführung. "Wir sind sowohl mit der Herbstmesse als auch mit den Umsätzen zufrieden und blicken optimistisch ins neue Jahr.