Diesen Wahlkampf hat so niemand gewollt. Der plötzliche Tod von Bürgermeister Dirk Rosenbauer mit erst 41 Jahren am 16. Dezember war ein Schock für die Gemeinde. Die Gemeinderäte müssen den erschütternden Eindruck immer noch verarbeiten: Der junge Rathauschef war in einer Sitzung vor ihren Augen zusammengebrochen und konnte trotz sofortiger Hilfe nicht gerettet werden. Im engsten Kreis fand man sich zu einem Trauergottesdienst zusammen.

Das Kommunalrecht gibt vor, binnen welchem Zeitraum neu gewählt werden muss. Als Termin wurde inzwischen der 11. April festgesetzt. Bis dahin führt der Zweite Bürgermeister, Jochen Weber (CSU), die Amtsgeschäfte. Er war es auch, der als Erster seinen Hut in den Ring geworfen hat. Am vergangenen Sonntag erklärten seine Fraktion im Gemeinderat und die CSU-Ortsverbände, dass sie den 42-Jährigen Unternehmer als Bürgermeisterkandidaten nominieren werden. Dies muss - auch das ist so festgelegt - in einer Präsenzveranstaltung geschehen. Ein schwieriges Unterfangen in Zeiten von Corona, wo Zusammenkünfte nach Möglichkeit vermieden werden sollen und ansonsten strikten Infektionsschutzregeln unterliegen. Ende Januar ist dieses Treffen geplant, bei dem es auch einen neuen Ortsvorsitzenden zu wählen gilt.

Am Wochenanfang entschied sich die SPD-Fraktion im Gemeinderat, Hubert Robisch als Kandidaten ins Rennen zu schicken. Er ist aktuell Dritter Bürgermeister und seit 2014 Gemeinderat; darüber hinaus im Kirchenvorstand engagiert. Robisch ist 55 Jahre alt und beruflich als Hauptkommissar in einer zivilen Fahndungseinheit der Polizei in Bamberg tätig.

Die Freien Wähler haben die Entscheidungsfindung noch nicht abgeschlossen, wie Fraktionssprecher Lutz Weisser am Dienstag wissen ließ. Weder er noch seine Gemeinderatskollegin Andrea Hoch streben eine Kandidatur an, erklärte er. Doch es käme ja auch ein Bewerber außerhalb des Gemeinderats in Frage, und dies wollen die Freien Wähler noch ausloten. Eines nahm Weisser aber vorweg: Für den Kandidaten einer anderen Partei oder Gruppierung werde man keine Empfehlung aussprechen.

Die Grünen sind nur mit Ralf Hirle im Gemeinderat vertreten. Der erklärte - nach Rücksprache mit seinem Kreisverband - dass man den SPD-Kandidaten Robisch unterstützen werde: "Weil wir finden, dass er die bessere Alternative darstellt."

Nun könnten neben den Genannten durchaus noch weitere Bewerber antreten, denn es besteht auch die Möglichkeit zu einer parteilosen Kandidatur. Hierzu bedarf es einer gewissen Anzahl an Unterstützer-Unterschriften. Die Zeit drängt aber: Wahlvorschläge müssen bis Mitte Februar bei der Gemeinde eingereicht werden.

Weitere Vorschläge möglich

Die Verwaltung hat ebenso Fristen zu beachten, um die Wahlunterlagen in Druck zu geben. Wegen der Pandemie-Situation ist mit einem sehr hohen Prozentsatz an Briefwählern zu rechnen. Insgesamt dürfen rund 5300 Bürger aus Michelau und seinen Ortsteilen ihre Stimme abgeben und entscheiden, wer die Nachfolge von Dirk Rosenbauer antreten soll.

Eines hört man aus sämtlichen Gemeinderatsfraktionen: Rosenbauer hat es verstanden, in diesem Gremium alle mitzunehmen. Das gute Miteinander wünscht man sich auch weiterhin. "Er hat uns zu einer Einheit gemacht", formulierte es SPD-Fraktionsvorsitzende Simone Naumann.

Den Slogan der "Teamplayer", mit dem Rosenbauer in den Wahlkampf gegangen war, behält die CSU bei. Den eingeschlagenen Weg mit Jochen Weber an der Spitze weitergehen, angestoßene Projekte erfolgreich abschließen lautet die Devise.

Hinter den begonnenen Projekten steht auch SPD-Kandidat Robisch, der sich überparteiliche Zusammenarbeit auf die Fahnen geschrieben hat.