1173 Einwohner hat Marktgraitz und ist damit die kleinste Gemeinde im Landkreis. Wer dort Bürgermeister ist, arbeitet ehrenamtlich. Es gibt eine Bezahlung, aber sie ist entsprechend niedriger als bei einem hauptamtlichen Bürgermeister, weil davon ausgegangen wird, dass derjenige ja noch anderweitig beruflich tätig sein kann. Tatsächlich ist dafür ein hoher zeitlicher Aufwand nötig, von einer 60-Stunden-Woche sprechen die beiden einzigen ehrenamtlichen Bürgermeister im Landkreis, Gregor Friedlein-Zech aus Marktzeuln und Jochen Partheymüller aus Marktgraitz. Während Ersterer aber bei der bevorstehenden Wahl ohne Gegenkandidat zur Wiederwahl steht, bekommt der Kollege etwas weiter nordöstlich Gegenwind zu spüren. Der Posten ist also durchaus begehrt - allerdings nur von Bewerbern, die nicht in einem klassischen Angestelltenverhältnis bei einem privaten Arbeitgeber stehen, sich die Zeit relativ frei einteilen können.

Bürgermeister Jochen Partheymüller macht das seit 24 Jahren. Er ist Architekt mit eigenem Büro. Etwa zu gleichen Teilen, so seine Schätzung, ist er in den beiden Bereichen tätig. Amtsmüde ist er nicht, im Gegenteil. "Ich habe viel für ,Graatz‘ erreicht und noch mehr vor", sagt er. Die bereits angestoßenen Projekte wolle er zu einem guten Abschluss bringen. Am Herzen liegt ihm die Belebung des Ortskerns und Marktplatzes, ein Dorfladen mit Café als Treffpunkt für Jung und Alt und eine Landarztpraxis, die er gerne in die Alte Schule bringen möchte. Die Stärken von Marktgraitz als Gemeinde, in der man gerne wohnt, herauszuarbeiten sieht er als eine der vorrangigen Aufgaben. Der Amtsinhaber ist Kandidat von Bürgerblock und Freien Wählern Marktgraitz und sieht sich "mit Leib und Seele" als Bürgermeister für alle - über Parteigrenzen hinweg.

Ein Konzept zur (Wieder- )Belebung des Ortskerns und leerstehender Häuser zählt auch Herausforderin Tanja Beier zu den wichtigen Aufgaben, die in Marktgraitz anstehen, um "den Ort lebens- und liebenswert zu gestalten", was sie als oberstes Ziel nennt. Die Geschäftsführerin und Pflegedienstleitung des örtlichen Pflegeheims am Eichberg arbeitet seit sechs Jahren im Gemeinderat mit. Nach ihrer Motivation gefragt, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, sagt sie, sie wolle etwas zum Wohle des Ortes beitragen, stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger haben. Und sie findet: "Es ist Zeit für Neues in Marktgraitz."

Kommunalpolitische Neueinsteigerin, aber verschiedentlich ehrenamtlich tätig ist Nathalie Grammon, die für die SPD antritt und "frischen Wind" und "neue Ideen" einbringen möchte. "Ein bisschen mehr Grün" würde Marktgraitz ihrer Ansicht nach auch gut stehen. Die Bürger müssten bei den Entscheidungen mitgenommen und auf dem Laufenden gehalten werden. "Für mich ist wichtig, dass die Bürger nicht das Gefühl haben, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden", unterstreicht die Verwaltungsangestellte (AOK, Direktion Coburg). Die Bevölkerung sollte die Möglichkeit bekommen, aktiv mitzuwirken, denn: "Demokratie lebt vom Mitdenken und Mitmachen."

Es geht in der kleinsten Landkreisgemeinde demnach wohl weniger um strittige Fragen und kontroverse Ansichten, als um unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich hier neu oder weiterhin engagieren möchten. Die Wähler werden mit ihrem Kreuzchen folglich - wie so oft in der Kommunalpolitik - vor allem ihre Sympathie und ihr Zutrauen aussprechen.