Nicht das Können, sondern das Wollen ist oft das Entscheidende. Als Krankenschwester der Kardiologie sieht Petra Ernst oft Menschen, die sich matt und schlapp fühlen. Bei Herzschwäche kommt es mitunter zu Atemnot und zu Wassereinlagerungen in den Beinen oder in der Lunge. Bewegung fällt schwer. Das ist ein Zustand, der auch Angst machen kann. Doch die Zeiten, in denen diesen Patienten generell körperliche Schonung angeraten wurde, sind vorbei. "Richtig dosiertes Ausdauertraining, am besten dreimal die Woche 30 bis 45 Minuten, macht leistungsfähiger und die Lebensqualität verbessert sich", weiß Petra Ernst.

Zwischendurch immer wieder Blutdruck und Puls kontrollieren

Beispiele dafür könnte sie etliche nennen, denn seit zwölf Jahren leitet die Mistelfelderin die Lichtenfelser Herzsportgruppe. In zwei Gruppen nacheinander wird immer montagabends trainiert. Zwischen 30 und 50 Personen nehmen jeweils dieses Angebot wahr, das stets von einem Arzt begleitet wird. "Defibrillator, Sauerstoff, Infusion, sogar Intubationsbesteck - wir haben alles vor Ort", sagt die Krankenschwester.

Die medizinische Ausstattung dient vor allem der Sicherheit der Teilnehmer. Sie wissen: An Ort und Stelle könnte alles für sie getan werden. Das soll ihnen die Angst nehmen. Vor allem, wer neu dazu kommt, wird angehalten, zwischendurch immer wieder mal seinen Blutdruck und den Puls zu kontrollieren. "Viele, die lange dabei sind, wissen schon, wie weit sie sich belasten können", sagt die Übungsleiterin. Und das sind nicht wenige der bunt gemischten Gruppe aus Männern und Frauen zwischen 47 und 91 Jahren. "Es ist eine gute Gemeinschaft, wie eine große Familie." Nächstes Jahr kann die Lichtenfelser Herzsportgruppe ihr 25-jähriges Bestehen begehen.

Die Gruppenstunde ist der Anfang

Für Petra Ernst sind die wöchentlichen Gruppenstunden Teil ihres persönlichen Fitnessprogramms geworden. An zwei weiteren Tagen geht sie noch Laufen und zum Gerätetraining in ein Fitnessstudio. Sie möchte auch die Herzkranken zu mehr Bewegung motivieren, zum Beispiel indem sie ausdauernde Spaziergänge unternehmen, Rad fahren oder im Winter Langlaufen.

"Ich möchte ihnen helfen, sie dazu bringen, dass sie wieder leistungsfähiger sind, sich besser fühlen", sagt sie. Im Grund engagiere sie sich für die Gruppe aus der gleichen Motivation heraus, aus der sie auch den Beruf einer Krankenschwester gewählt habe. Vor zwölf Jahren war ihr die Übungsleitertätigkeit von einem Bekannten angetragen worden, der selbst solche Stunden leitete, dies wegen beruflicher Veränderung aber nicht weiterführen konnte. Seither absolviert sie regelmäßige Fortbildungen zur Lizenzverlängerung und denkt nicht ans Aufhören.

Manchmal muss man sich einfach aufraffen

Wenn sie merkt, dass der ein oder andere mal zur Hintergrundmusik mitpfeift, wenn sie den Eindruck bekommt, die Menschen vergessen ihre Krankheit oder empfinden diese als etwas, worauf sie einen positiven Einfluss nehmen können, dann beflügele sie das, sagt Petra Ernst. Auch wenn sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag manchmal selbst vorher müde fühlt und sich aufraffen muss, stelle sie hinterher immer wieder fest, dass es doch Spaß gemacht hat.

Eine strenge Trainerin ist Petra Ernst nicht. In ihrer Runde geht es ja auch nicht um Wertungen, sondern um Wohlbefinden. In welchem Maße der Wille dafür mitentscheidend ist, zeigt das Beispiel eines der älteren Teilnehmer, der - nachdem er sich von jemanden mit dem Auto bis vor die Tür hat fahren lassen, mit Hilfe eines Rollators in die Halle geht. "Er kommt jedes Mal und macht die Übungen mit, die er kann", erzählt Petra Ernst. "Davor habe ich Respekt."


Tag der Herzschwäche


Im Zeitraum vom 8. bis 10. Mai wird jährlich der Europäische Tag der Herzschwäche, auch HFA Day (für Heart Failure Awareness), begangen. Dies geht auf eine Initiative der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zurück. Rund drei Millionen Deutsche leiden unter Herzschwäche. Es gibt unterschiedliche Stadien. Manchen Betroffenen fühlen sich nach alltäglichen körperlichen Belastungen wie Treppensteigen erschöpft, bekommen Herzrhythmusstörungen oder Atemnot, andere haben sogar in Ruhe Beschwerden, und wieder andere nur bei besonderen Anstrengungen. Individuell angepasstes Training kann helfen, die Leistungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten. In jedem Fall sollte vorher mit dem Arzt darüber gesprochen werden. Die Herzsportgruppe in Lichtenfels ist ein VHS-Angebot, Näheres bei der Geschäftsstelle unter Tel. 09571/18329. Die Treffen sind immer montags im Maximilian-Kolbe-Schulzentrum, Eichenweg 16.