Der Lockdown im Frühjahr des Jahres war beinahe allumfassend. Einzig Einrichtungen, die für den alltäglichen Bedarf dringend notwendig waren, blieben geöffnet. Die "Tafel  Plus" in Lichtenfels ist für einige Menschen eine solche Einrichtung. Für einen symbolischen Obolus von drei Euro erhalten Bedürftige dort Lebensmittel. Trotzdem musste die Tafel schließen – und zwar vom 19. März bis zum 1. Juli. "Das war notwendig, weil viele ehrenamtlichen Helfer weit über 60 Jahre alt sind und somit zur Risikogruppe zählen. Wir wollten sie, aber auch unsere Kunden schützen", erklärt Stefanie Renner. Die Sozialpädagogin leitet die soziale Beratung der Diakonie und kümmert sich auch um die Abläufe bei der Tafel. Die sind in ihrer herkömmlichen Form kontaktlos nicht möglich.

Aber selbst während der Schließung haben die Verantwortlichen eine Notlösung für die Bedürftigen gefunden: Durch die Spendengelder verschiedener Stiftungen seien Lebensmittelgutscheine für mehrere Tausend Euro gekauft worden, erklärt Renner. Die konnten die Kunden abholen oder bekamen sie, wenn nötig, sogar mit der Post nach Hause. "Damit waren sie wenigstens nicht ganz auf dem Trockenen gesessen", sagt Renner.

Coronataugliche Abläufe

Seit die Einrichtung wieder geöffnet ist, gelte ein verbindliches Hygienekonzept: Mund-Nasen-Schutz, Desinfektionsmittel, Niesetikette. Auch die Essensausgabe läuft anders ab. Statt die Menschen in kleinen Gruppen durch die Räume der Tafel gehen zu lassen, packen die ehrenamtlichen Helfer nun Tüten: Brot, Joghurt, Käse, Milch, Eier Wurst, Kartoffeln, Gemüse und Obst. Damit niemand benachteiligt wird, sind die Rationen einheitlich. Pro Haushalt gibt es zwei Tüten. Die Übergabe erfolgt am Eingang hinter einem "Spuckschutz". "Wenn du 160 Tüten mit je fünf Kilo übergibst, dann merkst du am nächsten Tag, was du gemacht hast", sagt Renner und schmunzelt.

Auch Karl-Heinz Körner hilft bei der Ausgabe. Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte unterstützt er Renner ehrenamtlich bei der Organisation und ist häufig in den Räumen der Tafel anzutreffen. Was ihm dort aktuell fehlt, ist der Kontakt zu den Menschen – zur Zeit ist er auf das Nötigste beschränkt. "Normalerweise bekommst du auch mal ein Lächeln zurück." Besonders die Freude der Kinder ist für den Rentner eine schöne Sache. So gebe es für die Kleinen auch mal Kinderschokolade oder ein Stofftier, wenn sie traurig sind oder etwa Geburtstag haben, erzählt Kröner mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Um den Nachschub für die Tafel kümmern sich etwa 20 Fahrer. Auf der Suche nach Lebensmittelspenden fahren sie Supermärkte in der ganzen Region an: Lichtenfels, Bad Staffelstein Burgkunstadt, Altenkunstadt, Rattelsdorf oder Zapfendorf. "Für meine zwei Touren brauche ich normalerweise von 9 bis 12.30 Uhr. Beim ersten Mal ist der Kühllaster richtig voll – also 40 bis 50 Kisten", berichtet Günter Lutz. Für ihn hat sich durch die Pandemie wenig verändert – einzig die Handschuhe und der Mundschutz sind neu.

So bringt er mit einem weiteren Helfer an so manchem Freitag allerhand Lebensmittel zur Tafel – seit

über acht Jahren: "Ich habe in der Zeitung gelesen, dass ehrenamtliche Helfer gesucht werden, und nachdem ich in Rente gegangen bin, hab' ich angefangen."

Auch aktuell sucht die Tafel wieder helfende Hände. Ob für die Sortier- oder Fahrteams sei dabei egal, betont Stefanie Renner. Auch Spenden seien stets willkommen: "Das Projekt ist ja nicht gegenfinanziert, und ohne finanzielle Hilfe wäre es nicht bezahlbar für Caritas und Diakonie, die beiden Träger."

Hilfe bei Behördengängen

Wieso aber nun "Tafel Plus"? Neben Lebensmitteln bieten die Helfer vor Ort auch Unterstützung bei Behördengängen. Viele der Kunden hätten einen Migrationshintergrund, da sei das hilfreich, erklärt Körner. Auch in Sachen Sozialberatung ist die Tafel in Lichtenfels eine Anlaufstelle. Dieser "Plus-Faktor" unterscheidet sie von vielen anderen Tafeln.

Die Wegwerfgesellschaft

(Kommentar von Sven Dörr)

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft: Die Möbel vom Billig-Hersteller werden beim Wohnungswechsel oft einfach entsorgt. Deren Umzug wäre zu aufwendig, oder sie würden ihn eventuell gar nicht überleben – also zum Neukauf ins Möbelhaus. Das alte Smartphone schmeißen viele Nutzer alle zwei Jahre zum Elektroschrott, der Handyvertrag sieht dann sowieso ein Neues vor. Auch unzählige Kleidungsstücke landen im Abfall; teilweise nur, weil sie nicht mehr in Mode sind. Wesentlich schlimmer als all das sind jedoch die Lebensmittel, die täglich im Müll landen. Zumal, da manche Menschen von der Hand in den Mund leben müssen – und das nicht nur in der Dritten Welt. Umso wertvoller ist das Engagement von Ehrenamtlichen, die Nahrungsmittel vor dem Wegwerfen bewahren und sie an Bedürftige ausgeben. Davon profitieren nicht nur die Empfänger, sondern auch die Helfer, deren Selbstwertgefühl durch die gute Tat steigt. Eine Win-Win-Situation also.