Das stellte in Jaunichs Urteilsbegründung "keinen minderschweren Fall dar". Eben darum erging gegen den Lichtenfelser Angeklagten eine zehnmonatige Haftstrafe auf Bewährung.
Von Zeit zu Zeit hob der Angeschuldigte den Kopf und sah nach links oben. Etwa dann, wenn ein Zeuge eine gewichtige Aussage traf. Solcher gab es einige und drei Zeugen traten gegen den 31-Jährigen auf, bei dem anklang, dass er wohl nicht in aller Regelmäßigkeit seinen Unterhaltszahlungen nachkommt. Drei Vorfälle aus der von Staatsanwalt Matthias Schmolke verlesenen Anklageschrift sollten besondere Betrachtung erfahren.
So soll der Mann 2010 seinen damals vier Monate alten Säugling geschüttelt haben, weil dieser nicht schlafen wollte. Ob dies, so wie die 27-jährige Mutter des Kindes aussagte, wirklich an die 20 Sekunden gedauert habe, ließ sich nicht ermitteln. Dass diese Behandlung für ein Baby nicht ungefährlich ist, fand aber Feststellung.
Ebenso wie der vom Vater selbst eingeräumte Vorfall, wonach er dem Kind, als es drei Jahre alt war, "eine gegeben" habe. Mittels einer Ohrfeige suchte er das Kind zu beruhigen, weil es sich nicht baden lassen wollte.
Aber es blieben Spuren im Gesicht zurück, die, wie ein der Mutter nahe stehender 36 Jahre alter Zeuge aussagte, wie ein Handabdruck anmuteten. Eben dieser Zeuge sei es auch gewesen, dem womöglich eine Art Überführung gelang. Während eines Treffens mit Freunden, an dem der Angeschuldigte auch dabei war, habe der 36-Jährige dem Kind bedeutet, ihm denjenigen zu zeigen, der ihr die Schmerzen verursachte. Das tat das Kind indem es zu seinem Vater lief und ihn in Kindersprache ausschimpfte.
Die Mutter des Kindes schilderte ihren Ex-Mann als von Zeit zu Zeit jähzornig. Auch gegen sie selbst habe der Angeklagte schon die Hand erhoben, weshalb er nach ihrem Dafürhalten ein "Anti-Aggressionstraining" absolvieren sollte.


Der nach "oben gerutschte Klaps"

Einmal gelang dem Angeklagten eine Aussage, die vollkommen abseitig und unglaubwürdig wirkte. Als seine Tochter nach einem Gaststättenbesuch auf die Straße rannte, holte er sie ein und holte aus. Dieser "Klaps" sei für den "Hintern" bestimmt gewesen, "aber weil es so finster war", sei er "nach oben gerutscht". Auf den Rücken, wo er Spuren hinterließ. Auch von Blutergüssen war die Rede. Immer wieder brachte der Beschuldigte vor, dass seine Tochter durch trockene und empfindliche Haut auch empfindlich reagiere, aber dass ein solches Leiden vorläge, verneinte die Mutter. Gleichwohl sprach Rechtsanwalt Bernd Legal an, dass dem Kind einst ein Mittel gegen trockene Haut verschrieben wurde.
Das läge laut der Mutter aber lange zurück. Auch Fotografien, die dem Gericht vorlagen, brachten Jaunich letztlich zu der Ansicht, dass eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten und einer Woche gegen den bislang nur einmal wegen eines Verkehrsdelikts auffälligen Mannes gerechtfertigt sei. Er blieb damit vier Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, legte aber die Begleitung eines Bewährungshelfers fest. Zudem eine Arbeitsauflage in Höhe von 70 Stunden. MH