Vielleicht wird man sich den Namen Felix Schober merken müssen. Der Bamberger Student der Musikpädagogik zeichnete erstmals und überhaupt für eine Protestaktion auf dem Marktplatz verantwortlich. Eine Stunde lang kam es so am Samstagvormittag zu einer Demonstration gegen eine schon tradierte lokale AfD-Kundgebung zur derzeitigen Corona-Krise. Was den Besucherandrang anbelangte, war das ein klarer Punktsieg für die aus weiten Teilen der "Antifa" formierten Demonstranten.

Drei Tage Vorbereitung

Felix Schober hatte zu tun. Schon geraume Zeit vorher. Insgesamt drei Tage lang war er planerisch damit beschäftigt, Menschen, Ort und Zeit für ein Ziel zu verschmelzen. Jenes, der AfD ab Punkt 10 Uhr nicht den Marktplatz allein zu überlassen. Doch während die AfD ihren Stand am Floriansbrunnen merklich vor 10 Uhr einrichtete, formierten sich die rund 70 Gegendemonstranten endgültig auf in Abstand zueinander haltende eintrudelnde Weise erst ab 9.45 Uhr.

Einer der Redaktion vorliegenden E-Mail zufolge mag das Methode gehabt haben, weil man der polizeilichen Sorge begegnen wollte, es könne zu "größeren Gruppenbildungen" kommen. Und damit zu unnötigen Diskussionen über die Grenzen des Erlaubten. So standen sich die Gruppierungen gegenüber, hier die Anhänger der AfD mit Plakaten wie "Seuche oder Wirtschaftskrieg?" und "Für die Zukunft unserer Kinder", dort die ebenfalls angemeldete "Demo für Vernunft und Solidarität". Dazwischen ein Niemandslandstreifen von 30 Metern Breite. Auf ihm war auch Polizeihauptkommissar Jürgen Hagel zu finden. Der Mann sah sich um, zeigte sich für Fragesteller ansprechbar, tauschte sich mit Kollegen aus und wirkte freundlich-resolut. "Wir haben beiden Seiten klargemacht: Da gibt es eine Zone, die gehört uns!" Mit einer ernsten Konfrontation rechnete Hagel eher nicht, Präsenz zeigte man aber doch. Fünf Polizeiautos waren vor Ort, zeitweise standen zwei bis drei von ihnen auch wie abgrenzend zwischen den Lagern.

Während man sich auf AfD-Seite nicht weiter um die Angerückten zu kümmern schien und seine Redner ins Feld schickte, verhielt es sich auf Seiten der Gegendemonstranten naturgemäß anders. Man war gekommen, um zu übertönen, um Aufmerksamkeit von den anderen abzuziehen, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Aber das geschieht in Antifa-Manier neben guten Worten und guten Argumenten eben auch mit der üblichen kämpferischen Attitüde und einem aus Lautsprechern kommenden typischen Liedgut irgendwo zwischen der Internationalen und der Ankündigung, dem rechten oder für rechts gehaltenen Gegner eben auch in die Fresse zu schlagen. Was die Blöcke aber am deutlichsten unterschied: Auf Seiten der AfD trug niemand Maske, auf Seite der Gegendemonstranten jeder.

"Nachrichtenportale" kritisiert

Doch worum ging es Schober? In seinem Redebeitrag nahm er die von der AfD genutzten "Nachrichtenportale" aufs Korn und hielt der Alternative für Deutschland vor, dass ihre Alternativmedien wenig zur Erhellung der Corona-Lage taugen. Vor allem aber wies er darauf hin, dass ein Betreiber der genutzten Nachrichtenseiten anonymous.kollektiv und anonymous.news ein bekannter verurteilter Rechtsextremist ist und sogar einen Onlineshop für illegale Waffenverkäufe betreibt. In Richtung AfD gewandt sprach Schober zu alledem durchaus pointiert: "Ich weiß nicht mal, was ich schlimmer fände - wenn ihr davon gewusst habt oder wenn nicht." Die ablehnende Haltung der AfD zu Maskenpflicht oder einem kommenden Impfstoff prangerte er an und verwies auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die klar darlegen würden, wie wichtig es ist, dem Virus zu begegnen. Dem AfD-Slogan "Lasst euch nicht von den Systemmedien volksverdummen" hielt er entgegen: "Es scheint mir, als wolltet ihr den Part ganz alleine übernehmen."

Es sollten sich weitere Redner zu Wort melden, unter ihnen auch der einstige Dritte Bürgermeister Bernhard Christoph sowie zwei Lichtenfelser Kleinunternehmer, die sich zu Maskenpflicht und dem Wert der Gesundheit gegenüber wirtschaftlichen Fragen bekannten. In Richtung des AfD-Stands formulierte sich das so: "Ihr seid eine Wohlstandsgesellschaft, die eine echte Einschränkung nicht mehr kennt." Zu Zwischenfällen auf dem Marktplatz kam es nicht, es blieb friedlich.

Nur 48 Stunden Zeit

Und Felix Schober? Der Mittzwanziger mit Wollmütze und Parka hält es nicht für ausgeschlossen, dereinst mal wieder eine derartige Gegendemo zu initiieren. Er weiß ja jetzt, wie es geht, kennt die dazu einzuhaltenden Regularien. "Als die AfD ihre Demo angemeldet hatte (...), musste bei uns alles schnell auf schnell gehen, wir hatten nur 48 Stunden bis zur Anmeldung (beim Landratsamt)."