Seit der ersten November-Woche haben zehn Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes Bamberg ihre Büros im Hochstadter Bahnhof bezogen.

Von dort aus begleiten sie den Bau der "B 173 neu" zwischen Michelau und Zettlitz. Es ist aktuell das größte Straßenbauprojekt Nordbayerns. Die Büros und Besprechungsräume wurden vorerst für acht Jahre angemietet.

Das Team besteht aus Mitarbeitern verschiedener Fachdisziplinen, die bei einem Projekt dieser Größenordnung eng zusammenarbeiten müssen. Da geht es um Grunderwerb, Ausgleichsflächen wegen der Eingriffe in die Natur und natürlich um die Trasse selbst mit 22 Ingenieurbauwerken, die es vorzubereiten gilt.

Neben den Arbeitsplätzen im ersten Stock ist im Erdgeschoss ein Informationscenter vorgesehen. In ihm sollen interessierte Bürger, aber auch Schulklassen, Studierende und andere angemeldete Gruppen einen Einblick in die Umsetzung dieses Straßenbau-Projektes bekommen. Zwar bremst derzeit die Corona-Pandemie diese Idee etwas aus, doch fallengelassen wird sie nicht: Besucher dürfen momentan im Bahnhofsgebäude nicht empfangen werden; an der Ausstattung des Präsentationsraumes wird aber gearbeitet. Die gesamte Maßnahme soll dort visualisiert werden. Sabrina Hörl, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Staatlichen Bauamt Bamberg, erklärt das so: Ein digitales 3D-Modell werde die Geländeeinschnitte vorstellbar machen. Mehr noch: Wie in einem Videospiel werden sich Betrachter direkt auf die Trassenabschnitte begeben können.

Die Kommunikationswissenschaftlerin gestaltet zudem eine eigene Homepage, auf der man sich informieren kann. Im Frühjahr soll diese freigeschaltet werden. Und auch Flyer werden in Druck gegeben. Bei so einem Großprojekt wolle man die Bürger mitnehmen, sagt Hörl. Die Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu.

Bis wann wird die Anschlussstelle

Michelau fertig sein?

Eine Frage, die im Zusammenhang mit dem Trassenbau in jüngster Zeit häufiger gestellt wurde, gilt der Anschlussstelle Michelau. Kann sie bis 2025 fertiggestellt werden, wie zu hören war? Das hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Errichtung der Bahnquerung sind zahlreiche Detailabstimmungen mit der Bahn, mit der Gemeinde Michelau und mit dem Landratsamt Lichtenfels erforderlich", erklärt Sabrina Hörl. "Derzeit steht das Staatliche Bauamt Bamberg in engem Austausch mit den Projektbeteiligten, um den geplanten Bauablauf festzulegen. Daher können wir leider noch keine Aussagen über einen konkreten Baubeginn machen", so die Sprecherin. Nicht zuletzt wegen der aktuellen Pandemiesituation, in der Besprechungen nicht wie gewohnt durchgeführt werden können, sei es sehr schwer, eine Einschätzung abzugeben. Dennoch zeigte sich Hörl optimistisch. "Derzeit liegen die Arbeiten im Zeitplan."

Die Nutzung durch das Bauamt Bamberg hat dem seit Jahren leerstehenden Bahnhof also wieder Leben eingehaucht. Doch mit der Anmietung der rund 400 Quadratmeter Bürofläche durch den Freistaat Bayern möchte es Eigentümer Hubert Herr nicht bewenden lassen. Der Geschäftsmann aus Baden-Württemberg, dem seit 2012 der Hochstadter Bahnhof gehört, will auch seine Ideen zur weiteren Nutzung baldmöglichst angehen.

Auf der noch freien Fläche von etwa 250 Quadratmetern im Erdgeschoss schweben ihm Music-Bistro beziehungsweise Sky-SportsBistro mit Billard-Dart-Raum und Biergarten sowie Restaurantbereich mit Blick zu den Gleisen vor. Eine Skizze mit der Raumaufteilung hat er bereits an die Gemeinde geschickt. Bei ihr muss er dann auch noch offiziell die Nutzungsänderung beantragen.

Das Gebäude ist ein

bedeutendes Verkehrsdenkmal

Ein großer baulicher Eingriff ist laut Herr nicht geplant. Schließlich handelt es sich bei dem Gebäude um ein Denkmal (erbaut 1848/49), das sein Gesicht behalten soll. Es war einst ein stolzes Gesicht, doch der Zahn der Zeit und vor allem lange Phasen des Nicht-Gebraucht-Werdens haben hässliche Spuren hinterlassen, die es nun zu beseitigen gilt. Beispiele hierfür sind der heruntergerissene Rollo an dem vorspringenden Gebäudeteil unter dem ausgeschlagenen letzten Buchstaben "T" von Hochstadt oder die verbarrikadierte Wartehalle. Doch es wurde auch schon viel gemacht, was im Vorübergehen nicht sichtbar ist.

Neue Türen und Fenster wurden eingebaut, Wände und Decken frisch verputzt und gestrichen. In den Büroräumen wurde Vinyl-Parkett in Holzoptik verlegt, die Flure und anderen Räume sind gefliest. Der Büro-Bereich des Bauamtes ist so konzipiert, dass später drei Wohnungen daraus entstehen können. Deshalb wurden die Bäder/WCs und Küchen bereits eingebaut, alle Räume mit Telefon-, Internet- und TV-Anschluss ausgestattet. Die komplette Elektrik sowie Sanitär- und Heizungsleitungen seien gemäß heutigem Standard erneuert worden, berichtet der Eigentümer. Im Keller wurde die alte Ölheizung gegen eine neue Pelletsheizung ersetzt.

Geplant: oben Wohnungen

und Bistro im Erdgeschoss

Im Dachgeschoss bestand bereits eine Wohnung mit zirka 60 Quadratmetern, die komplett entkernt wurde und demnächst ausgebaut werden soll. Eine zweite, ähnlich große Dachwohnung ist noch für den Gebäudemittelteil vorgesehen.

Was die gastronomische Nutzung angeht, zeigt sich Hubert Herr optimistisch: "Wir werden, so hoffe ich, noch ein Leben nach Corona haben." Dass es dann in einem Ort wie Hochstadt samt einem gewissen Einzugsgebiet Bedarf geben wird nach einem Lokal für Begegnung und Kommunikation, da ist er zuversichtlich.

"Wenn es mir gelingt, jemanden zu begeistern, bin ich auch bereit, was Schönes draus zu machen", hatte er vor Jahren, kurz nach dem Kauf des Gebäudes, versprochen. Der Unternehmensberater zeigt nun, dass es ihm damit ernst ist. Am Schluss unseres Telefonats erkundigt er sich danach, ob die im Herbst im Außenbereich gesetzten Pflanzen auch gut angewachsen sind.