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Kloster Banz
Finanzierung

Landwirtschaft: Leasing kann Alternative sein

Bei einer Informationsveranstaltung auf Kloster Banz bekamen Landwirte Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten.
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Für teure landwirtschaftliche Maschinen - wie hier bei einer Vorführung auf einem Feld der Kreisbäuerin Marion Warmuth in Tiefenroth - bietet sich Leasing statt Sparkassenkredit an. Foto: Andreas Welz/Archiv
Für teure landwirtschaftliche Maschinen - wie hier bei einer Vorführung auf einem Feld der Kreisbäuerin Marion Warmuth in Tiefenroth - bietet sich Leasing statt Sparkassenkredit an. Foto: Andreas Welz/Archiv
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Luft für unternehmerische Entscheidungen brauchen derzeit Fleisch- und Milcherzeuger. Manche sind in Liquiditätsschwierigkeiten geraten durch die niedrigen Erzeugerpreise, die schwache Nachfrage aus China und das russische Lebensmittelembargo. Die Sparkasse Coburg-Lichtenfels hatte gestern zu diesem Thema Landwirte aus der Region zu einer Informationsveranstaltung ins Bildungszentrum Kloster Banz eingeladen. Experten der Deutschen Leasing AG, der Deutschen Kreditbank und der Versicherungskammer Bayern gaben Tipps und Hinweise für die Liquiditätsplanung für landwirtschaftliche Betriebe.


Gesundes Eigenkapital

Eins wurde bei der Veranstaltung mit über 100 Teilnehmern im großen Sitzungssaal deutlich: Viele land- und forstwirtschaftliche Betriebe können positiv in die Zukunft blicken. Eine gesunde Eigenkapitalausstattung verschafft ihnen eine gute Ausgangsposition beim Stellen der Kreditanträge. Werthaltige Substanz haben die meisten Landwirte in Form von Landbesitz und ihrem Maschinenpark. Dies wirkt sich bei der Bonitätseinstufung durch die Kreditinstitute vorteilhaft aus.

Aus der zunehmenden Automatisierung, der Umstellung auf biologische Landwirtschaft oder einer notwendigen Betriebserweiterung ergeben sich Fragen nach der Sicherstellung der erforderlichen Finanzmittel. Christian Stock von der Deutschen Leasing berichtete von der Übernahme von neuen und gebrauchten Objekten in die Finanzierungsmöglichkeit Leasing als Alternative zum klassischen Sparkassenkredit. Er erläuterte insbesondere die Möglichkeit, einer saisonalen Ratenzahlung, die für Landwirte interessant ist, die ihre Haupteinkünfte aus Ernteerträgen erzielen.


Erzeugerpreise schwanken mehr

Wulf-Dietmar Storm von der Deutschen Kreditbank wies darauf hin, dass die Branche mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert werde, die das Thema Liquidität künftig stärker in den Vordergrund rücken werde. Hierzu zählten stärker schwankende Erzeugerpreise mit Tiefpreisphasen oder ein zunehmender Einfluss der Weltmärkte auf Nahrungsmittel und Rohstoffe. Weiterhin nannte er die Absenkung der EU-Direktzahlungen und Verzögerungen bei den Auszahlungsterminen sowie umfangreiche Investitionen aus Eigenmitteln bei zunehmender Spezialisierung der Betriebe.
Harald Hoffmann von der Versicherungskammer Bayern beleuchtete das Thema Ernteschutz. Wie keine andere Branche seien die Landwirte von den Launen der Natur abhängig. Durch den Klimawandel steigen Anzahl und Intensität extremer Wetterlagen immer mehr an - auch in unserer Region. Frühjahrstrockenheit, Starkregen, Frost, Stürme und Hagel - Jahr für Jahr - führten diese Wetterextreme zu gravierenden Ernteausfällen.


Schwankende Zahlungen

Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hob gegenüber unserer Zeitung hervor, das in Zukunft die Zahlungseingänge beim Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten immer mehr schwanken würden. Die Bedarfszahlungen vom Staat blieben dagegen stabil. Martin Faber, Vorstand der Sparkasse, bekundete Interesse an der Berufsgruppe Landwirte. Hier öffne sich Potenzial für Investitionen. Die Veranstaltung biete fachkompetente Ansprechpartner, die für Fragen offen stünden. Als positiv empfand er, dass in den Fleischtheken der Märkte vermehrt regionale Produkte angeboten werden.
Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Michael Bienlein, sah im Landkreis Lichtenfels Betriebe in einer Größe von 50 bis 150 Hektar gefährdet. Die Bauernhöfe werden oftmals nicht unternehmerisch geführt, stellte er fest und forderte: "Wir müssen alte Zöpfe abschneiden". Als Beispiel nannte er Leasing von Maschinen oder Absicherung der Ernte durch eine Versicherung. "Um auf dem Weltmarkt zu konkurrieren, müssen wir in das Hochpreissegment einsteigen", schlug er vor. "Auf dem Weltmarkt haben unsere Massenprodukte keine Chance", war Bienlein überzeugt. Dagegen seien veredelte Produkte aus Milch oder Fleisch weltweit gefragt.