Wenn sich andere am Morgen gerade erst an ihrem Schreibtisch einen Überblick verschafft haben, macht Helmut Hofmann schon Feierabend. Den ganzen Tag hat er vor sich, allerdings muss er auch den Schlaf noch unterbringen. Hofmann ist Bäcker - "aus Überzeugung" - wie er betont. Es gefällt ihm, was er Tag für Tag produziert. Gerne gibt er sich auch dafür her, öffentlich die Backkunst hochzuhalten und für sein Handwerk einzutreten. Vor 36 Jahren arbeitete er als Lehrling in einer Schaubackstube auf der Oberfrankenausstellung mit. An das Handwerkerzelt auf dem Schützenanger erinnert er sich noch gut - und daran, dass er dort andere Bäcker kennen lernte und schließlich Mitglied im Bäckerfachverein wurde.


Bäckereiensterben

Die Staffelsteiner Bäckerei, in der er ausgebildet wurde, gibt es heute wie so viele andere Bäckereien im Landkreis nicht mehr.
Allein in der Kreisstadt erinnert sich Hofmann an acht Bäckereien, die es nicht mehr gibt. Die Inhaber gehen in Ruhestand oder geben auf. Preislich ist es nicht möglich, mit billigen Backautomaten im Supermarkt zu konkurrieren, die den Märkten selbst außer Frequenz kaum etwas einbringen. "Bei den Preisen, da schauderst Du nur", sagt Helmut Hofmann. Damit seien Rohstoffe, Energie und Arbeitsbedarf nicht bezahlt. Die meisten Einkaufsmärkte haben zudem im Foyer noch Bäckereifilialen mit einer Verpflichtung zu gut gefüllten Regalen bis zum Ladenschluss - mit rund 20 Prozent einkalkuliertem Überschuss an Gebäck ist das in Helmut Hofmanns Augen schlicht eine Vernichtung von Lebensmitteln. Dieses Problem, das auch ein Problem seines Berufsstandes geworden ist, sieht er in einer vergleichsweise geringen Wertschätzung von Lebensmitteln in Deutschland begründet.

Viele Bäckereien haben aber auch schlicht keinen Nachfolger. Der Nachwuchs ist die größte Sorge dieses Handwerks. Vor allem die Arbeitszeiten sind es, die nicht zu den Wunschvorstellungen junger Leute passen. Reich wird man als Bäcker auch eher nicht, obwohl der Tariflohn, wie Helmut Hofmann anmerkt, ganz passabel sei.
Der Fortbestand der Berufsschulklasse in Kronach, die Auszubildende aus vier Landkreisen vereint, ist nicht gesichert. Nur zwölf Schüler sind es derzeit. Gute Leute, die etwas auf dem Kasten haben, kriege man kaum mehr, sagt Helmut Hofmann. Viele seien nicht berufsreif, hätten zuhause nie Aufgaben übernehmen müssen. Hofmann, der sich, wie er betont, immer gerne der Ausbildung junger Leute gewidmet hat, berichtet kopfschüttelnd von dem Lehrling, der mit 15 Jahren zum ersten Mal einen Teller gespült oder einen Besen in der Hand gehabt hat. Ganz ohne Rechenkenntnisse und Vorstellungsvermögen von Mengen wird es in der Backstube auch schwierig.

Weniger Ausbildungsbetriebe

Mit dem Bäckereiensterben sind dem Handwerk zudem potenzielle Ausbilder weggebrochen. In Oberfranken gibt es noch rund 230 Bäckereien. Ein Ende des negativen Trends ist für den Vorsitzenden des Lichtenfelser Bäckerfachvereins nicht in Sicht. Er selbst war vor einigen Jahren als Fachberater einer Firma für Bäckereibedarf tätig, bis ihm die Kunden ausgegangen sind. In sechs Jahren seien rund 25 Prozent der Betriebe in seinem Zuständigkeitsbereich vom Markt gegangen, schildert er die Situation. Hofmann ging zurück in eine Backstube, wo er wieder Bäcker aus Überzeugung sein kann. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist dort die Herstellung von Lebkuchenspezialitäten, die das Familienunternehmen auch versendet. "Es gibt nicht mehr viele Bäckereien wie diese", meint er.

Zeit zum Fachsimpeln

Deshalb wird das Fachsimpeln über die Zukunft seines Berufes auch ein wichtiger Punkt beim Landesverbandstag sein, den der Bäckerfachverein Lichtenfels am 25. und 26. April in der Katzogelhalle in Hochstadt ausrichten wird. Etwa 150 Teilnehmer aus Betrieben ganz unterschiedlicher Größe werden dazu erwartet. Neben den Sorgen und Nöten soll am Obermain aber auch das Miteinander im Vordergrund stehen. Aus dem heimischen Fachverein, der heuer 60 Jahre alt wird, gibt es zwei Gründungsmitglieder zu ehren: Bernhard Schuberth und Horst Riemer. Ein buntes Programm ist ausgearbeitet, und ihr Können wollen die Gastgeber natürlich auch unter Beweis stellen: mit einem Nachspeisenbuffet aus Kuchen- und Tortenhäppchen und einem gebackenen Souvenir für jeden Fachverein zum Mitnehmen. Zur Erinnerung an eine kleine, aber engagierte Gruppe, die für ihr Handwerk Flagge zeigen möchte.



Jahresprogramm des Bäckerfachvereins Lichtenfels


16. März Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen
29. März Dekorationsbacken
2. April Frühjahrspreiskopf in der Kreishandwerkerschaft Lichtenfels
25. / 26. April Jubiläumsabend mit Unterhaltungsprogramm und Landesverbandstag der Bayerischen Bäckerfachvereine in Hochstadt in der Katzogelhalle
17. Mai Radwanderung
13. Juni Sommerfest bei den Bogenschützen in Reuth
13. Juli Schützenfesttreffen im Lichtenfelser Schützengarten
29. August Minigolfturnier
18. September Korbmarkteinzug der Bäcker mit den Versorgern
3. Oktober Busausflug nach Regensburg
2. November Herbstpreiskopf in der Zunftstube der Kreishandwerkerschaft Lichtenfels
19. Dezember Weihnachtsfeier mit Christbaumversteigerung in der Kreishandwerkerschaft