Ein solches Hochwasser hat Erwin Fuß schon lange nicht mehr erlebt. Nur am 22. Mai 1978 war's schlimmer, sagt der Prächtinger, dessen Anwesen direkt neben dem Kelbach liegt. Aber auch 1926 und 1909 habe es schlimme Überschwemmungen gegeben, weiß er aus Erzählungen.

In der Nacht zum Freitag hat ihn das Hochwasser unvorbereitet erwischt: Als er gegen 1.30 Uhr aus dem Fenster schaute, war schon alles überschwemmt, sagt er. Etwa 20 Zentimeter hoch stand das Wasser auf seinem Grundstück, in seiner Garage stand es 70 Zentimeter hoch. "Hut ab, was die Feuerwehrleute leisteten", lobt er.

Rund 60 Feuerwehrleute und THW-Helfer waren in dieser Nacht in Kleukheim, Prächting und Ebensfeld unterwegs, um Sandsäcke zu befüllen, Barrieren anzulegen sowie Hausbewohner zu warnen.

Keine Evakuierungen

"Wir haben nirgends evakuiert", sagt Kreisbrandinspektor Gerhard Elflein, der die Einsatzleitung hatte, auch wenn das über Radio anders gemeldet worden sei. Ab etwa 2 Uhr nachts bis in den späten Vormittag waren KBI Elflein und viele seiner Männer im Einsatz. In Ebensfeld pumpten sie drei Keller leer, in Prächting zwei und in Kleukheim einen. "Trotz allem sind wir glimpflich davongekommen", sagt Gerhard Elflein. Der Schaden lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, hält sich aber in Grenzen.

"Ich bin stolz auf unsere Feuerwehrleute", lobt auch Ebens felds Zweiter Bürgermeister Hauke Petersen (CSU), der sich in der Nacht selbst vor Ort ein Bild gemacht hatte. Durch das schnelle und beherzte Eingreifen der Feuerwehren sei sicher größerer Schaden verhindert worden. Auch der Haselbach in Unterneuses sei über die Ufer getreten, aber auch dort habe die Feuerwehr gute Arbeit geleistet und durch Sandsackbarrieren Schlimmeres verhindert.

Bürger blieben gelassen

Die betroffenen Bürger seien ruhig und gelassen gewesen, schildert Hauke Petersen seine Eindrücke. Zu Panik oder unkontrollierbaren Situationen sei es nicht gekommen. Was ihn besonders freute: dass Bauern mit ihren Traktoren spontan die Feuerwehren unterstützten und Sandsäcke transportierten.

Vor den entfesselten Naturgewalten könne man aber schon Respekt bekommen, sagt Hauke Petersen: "Das hat ausgesehen wie der Amazonas", beschreibt er das Bild, das sich ihm an der Autobahnunterführung des Kelbachs unweit des Engelhardtskellers bot.

Obdachlos geworden ist in dieser Nacht nur einer: Ein Biber. Erwin Fuß beobachtet vor seinem Haus, dass das Tier ganz aufgeregt auf und ab rannte.