Die Tat liegt schon ein paar Wochen zurück, die Fahrbahn ist längst wieder gereinigt. Aber vom Tisch ist das Thema noch lange nicht. Es ist Schaden entstanden in Klosterlangheim, und zwar ein Schaden, der über den sichtbaren, materiellen hinausgeht. So viel darf heute schon festgestellt werden, auch wenn noch viele Fragen offen sind.

Was hat sich zugetragen? Jemand hatte mit gelber Farbe und Schablone eine "Tempo 50- Erinnerung" auf die Fahrbahn der Oberlangheimer Straße gepinselt. Ein Auto, das über die frische Farbe rollte, wurde besudelt, der Fahrer erstattete am 22. Juni Anzeige bei der Lichtenfelser Polizei. Er macht einen Schaden für die Reinigung des Wagens von 4000 Euro geltend. Ein Wert, der auf den ersten Blick unfassbar hoch erscheint.

Klosterlangheim: "Tropfspur" führt zu 81-Jährigem - war die Hausdurchsuchung übertrieben?

Eine Nachfrage bei einem Betrieb für Fahrzeugaufbereitung zeigt jedoch, dass solch hohe Kosten dann möglich werden, wenn es mit bloßem Reinigen und Polieren nicht mehr getan ist und Ersatzteile etwa im Bereich der Radkästen oder Nachlackierungen erforderlich werden. Die Beamten machten sich vor Ort ein Bild und fanden Tropfspuren, die zu einem nahegelegenen Anwesen führten. In dem wohnt ein älteres Ehepaar.

Der 81-jährige Mann sagt, er habe den kleinen Eimer samt Pinsel am Straßenrand stehen sehen und weggeräumt, genauso, wie er schon öfter irgendwelchen Unrat vom Graben weggeräumt hat. Wie auch immer die Kommunikation mit den Beamten abgelaufen sein mag - den Verdacht, den diese hatten, entkräftete sie nicht. Wenige Tage später kamen die Polizisten zurück, ausgestattet mit einem von der Staatsanwaltschaft ausgestellten und richterlich unterzeichneten Durchsuchungsbeschluss.

Vom Keller bis zum Dach, inklusive Kleiderschrank im Schlafzimmer, wurde das Haus durchsucht. Gefunden wurde auch etwas: ein Schuh mit gelben Farbspritzern und ein Lappen, wofür der Mann die schon genannte Erklärung hat.

Verhältnismäßig? Staatsanwaltschaft sagt Ja

Seitens der Staatsanwaltschaft sind das "Ergebnisse, die zu einer strafrechtlichen Verfolgung führen könnten", wie es ihr Sprecher Johannes Tränkle formuliert. Nähere Äußerungen möchte er mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Auf die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit der Aktion, verweist er auf den "nicht unerheblichen Schaden" und erläutert den Tatbestand der "Amtsanmaßung", was kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat sei.

Es betrifft in diesem Fall das Aufbringen der "Tempo 50"-Symbole auf die Fahrbahn. Man darf dazu anmerken, dass die Farbgebung der echten behördlichen Symbole ja eine andere ist - Rot und Weiß mit schwarzen Ziffern. "50 km/h" lautet auch ungeschrieben die innerorts gültige zulässige Höchstgeschwindigkeit. Die wird allerdings in Klosterlangheim gerade an dieser Stelle häufig nicht eingehalten, so jedenfalls die Beobachtung von Anwohnern. Deshalb äußern Bürger vor Ort durchaus Sympathiebekundungen für diese Tat.

Vor diesem Hintergrund und den Umständen der Ermittlungen bei dem Rentnerehepaar wird Unverständnis gegenüber der Polizeiarbeit laut. Dem 81-Jährigen und seiner Frau traue man es allein schon wegen deren körperlichen Einschränkungen nicht zu, so die Einlassung einer Klosterlangheimerin.

Hausdurchsuchung in Klosterlangheim: 81-jähriger Bewohner braucht Rettungswagen

Angemerkt sei, dass während der Durchsuchung der Mann sich offenbar so sehr aufgeregt hatte, dass ein Krankenwagen gerufen werden musste. Gleichzeitig betont die Bürgerin, eigentlich gehöre dem, der das war, noch ein Orden verliehen. Will heißen, dass man es gut gefunden hat, dass jemand versucht hat, zu schnelle Autofahrer einzubremsen. Bei verschiedenen Gelegenheiten haben Bürger des Stadtteils die Problematik angesprochen.

Auf der Ortsdurchfahrt konnte "Tempo 30" erst wegen der Erkenntnisse über den Straßenuntergrund durchgesetzt werden. Bei den anderen Ortseinfahrtsstraßen wurde jedoch auf geltende Rechtsvorschriften verwiesen und darauf, dass es dort in den letzten Jahren keine geschwindigkeitsbedingten Unfälle gegeben habe. "Da passiert nix. Die reden sich alle raus", so eine Langheimerin. Dass die Polizei erbetene Geschwindigkeitsmessungen nicht habe durchführen können oder wollen, wird jetzt in Relation zu den aktuellen Ermittlungen gesetzt.

Da wird sogar die Frage in den Raum gestellt, ob der Halter des betroffenen Fahrzeugs eine hochrangige Person sein könnte... Dieser gewagten These widerspricht zumindest der Eindruck bei einer Nachfrage auf der Dienststelle: Jochen Haischberger, der an diesem Tag den in Urlaub befindlichen Polizeichef vertritt, muss erst nachsehen, aus welchem Zulassungsbereich der Wagen stammt. Es handelt sich um ein Auto aus dem Kreis Lichtenfels.

Polizeichef: "Wir wollen keinen Unschuldigen an den Pranger stellen."

Haischberger rechtfertigt den Einsatz, um den Verursacher herauszufinden, wegen des hohen Sachschadens und der Spurenlage, betont aber auch: "Wir wollen keinen Unschuldigen an den Pranger stellen." Es werde weiterermittelt. Diese weiteren Ermittlungen hätte sich Bernhard Christoph zu einem früheren Zeitpunkt gewünscht. Der einstige Stadtrat wohnt auch in jenem Bereich von Klosterlangheim und kann nicht verstehen, dass nicht als Erstes auch andere Nachbarn befragt wurden.

Die Unverletzlichkeit der Wohnung hat für ihn einen hohen Wert. Durch ein derartiges Vorgehen der Polizei würden Fronten entstehen. "Wir wollen doch keine Entwicklungen wie in Amerika!" Er selbst ist überzeugt, dass das Ehepaar für das Aufbringen der Symbole auf die Straße nicht in Betracht kommt. Und diesbezüglich hat sich am Freitag ein neuer Aspekt aufgetan: Es soll einen Zeugen geben, der Gestalten gesehen haben will, die zumindest nicht dem Bild der Verdächtigten entsprechen...