Im Mutterhaus der Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen leben 47 Schwestern und drei Brüder. Für die meisten ist es der Ort, wo sie nach einem erfüllten Berufsleben den Lebensabend verbringen. Nur sieben Schwestern sind unter 65 Jahre. Die Corona-Pandemie bedingt auch für diese Gemeinschaft besondere Vorsichtsmaßnahmen. Wir sprachen mit der Kongregationsleiterin, Sr. Regina Pröls, über eine Advents- und Weihnachtszeit, die ganz anders ist als sonst.

Frühzeitig wurde bekannt gemacht, dass diesmal über die Feiertage und den Jahreswechsel keine Gäste im Kloster aufgenommen werden können. Schildern Sie uns doch einmal, wie das in den Vorjahren war.

Sr. Regina Pröls: Die Advents- und Weihnachtszeit und auch der Jahreswechsel sind für uns Christen sehr reich an Symbolen und an Ritualen. Diese sind vor allem in verschiedenen Gottesdiensten erlebbar. Wir haben in den zurückliegenden Jahren Menschen eingeladen, mit uns diese Zeit zu verbringen. Zu unseren Gästen gehörten neben Familienangehörigen der Schwestern vor allem spirituell suchende Menschen jeden Alters. Sie waren mit sehr einfachen Zimmern zufrieden. Der Tagesrhythmus des Klosters war auch der ihre: verschiedene Formen der Liturgie, gemeinsame Essenszeiten und freie Zeiten wechseln sich ab. Nach der Jahresschluss-Andacht an Silvester haben sich Schwestern und Gäste zu einem Rückblick versammelt und die letzten Stunden des Jahres dann in kleineren Gruppen verbracht - entweder bei Spielen, beim lockeren Zusammensein oder auch in der Kapelle beim Gebet.

Wie wollen Sie das Weihnachtsfest in diesem Jahr gestalten?

Neu ist, dass wir mit einer Gruppe Schwestern am Nachmittag des Heiligen Abends bereits eine Mette als Wortgottesdienst feiern werden. Die teilnehmenden Schwestern sind in der Regel jene, die im Alltag auf die Hilfe von Pflegepersonal angewiesen sind. Die ursprünglich für 21 Uhr geplante Mette mit Priester wird vorverlegt. Für die frei gewordenen Abendstunden gibt es mehrere Ideen, zum Beispiel eine Zeit für das Lauschen auf das Weihnachtsoratorium in der Kapelle. Wegen der AHA-Regel hätten wir gar nicht genug Platz für Gäste. Dennoch fehlt uns etwas - es ergaben sich stets gute Gespräche.

Familienbesuche sind auch bei uns ein Thema: unser Hygienekonzept ist vermutlich den Konzepten in Altenhilfeeinrichtungen am ehesten vergleichbar, das heißt: nur angemeldet, maximal für eine Stunde, begrenzte Personenzahl usw. Grundsätzlich unterstützen wir, dass die Schwestern telefonisch mit ihren Verwandten oder Bekannten in Kontakt sind. Die Anteilnahme am Leben der anderen ist doch so wertvoll.

Manch einer könnte meinen, im Kloster befindet man sich in einer Art geschütztem Raum - und Corona bleibt draußen. So einfach ist das aber sicherlich nicht...

Gewiss haben wir einerseits einen Schutzraum, andererseits aber auch eine besondere Herausforderung: Wir sind wie eine große Familie. Falls sich eine Person anstecken würde, gäbe es intern eine ganze Reihe direkte Kontakte. Deshalb tragen wir auch zu Hause den Mund-Nasen-Schutz, sitzen bei Tisch, in der Kapelle und im Wohnzimmer im Abstand und verwenden Desinfektionsmittel. Uns leitet tatsächlich immer die Frage: Auf welchem Weg könnte das Virus ins Haus kommen? Natürlich gehen Schwestern auch zum Arzt oder Einkaufen, drei haben aufgrund ihrer Berufstätigkeit Außenkontakte. Hier ist besondere Disziplin gefordert. Es gibt Kriterien, wann jemand für einige Tage in Zimmerquarantäne geht, zum Beispiel nach einem Klinikaufenthalt. Wir haben ja auch Angestellte - vom Hausmeister bis hin zu Pflegekräften. Viele von ihnen schränken aus Loyalität zu uns, ihrem Arbeitgeber, freiwillig ihre Kontakte im Privatleben ein. Die AHA-Regeln sind verpflichtend. Besprechungen und Konferenzen fallen aus oder werden als Videokonferenz abgehalten. Externe Techniker oder Dienstleister müssen sich ebenfalls an die Vorgaben halten.

Am 5. Dezember haben Sie eine Novizin aufgenommen. Daniela, oder wie sie nun heißt, Schwester Jona Marie, lebte schon vorher im Mutterhaus. Aber auch diese Feier musste den besonderen Umständen angepasst werden... - eine neue Erfahrung, oder doch mehr ein vertrauter Vorgang?

Die Aufnahme von Daniela ins Noviziat hatten wir mehrmals verschoben - immer hoffend, dass die Corona-Situation einen gewöhnlichen Ablauf der Feier zulassen möge. Aber das Gegenteil ist eingetreten. Sr. Jona Marie brachte viel Geduld auf und verzichtete letztlich auf die Anwesenheit vieler Verwandter, Freunde, Studien- und Arbeitskollegen. Die Schwestern des Mutterhauses konnten die Feier jeweils in ihren Zimmern akustisch mitverfolgen. In der Kapelle waren nur drei Erwachsene aus der Kernfamilie, zwei Kinder, Schwestern aus den bisherigen und künftigen Niederlassungen, ein ehemaliger Dienstvorgesetzter, ein Pater als Zelebrant und der Organist. Ich habe die Erfahrung gemacht: Durch die äußere Reduzierung fokussiere ich mich auf den wesentlichen Inhalt. Dies ist für mich ein Gewinn.

Der Adventsmarkt in Vierzehnheiligen war immer ein wichtiges Datum, weil er Gelegenheit bot, selbst hergestellte Produkte zugunsten von Hilfsprojekten zu verkaufen. Nach der Absage heuer haben sie die Möglichkeit genutzt, in Bad Staffelstein im neuen Pop-up-Store hinter dem Rathaus einen Teil der Basar-Waren anzubieten. Wie kam das an?

Die Gelegenheit hat sich kurzfristig aufgetan. Der Verkauf war ein großer Erfolg. Natürlich hatte er weder die gleiche Atmosphäre wie im Mutterhausgarten noch die gleiche Dimension. Der Erlös erreichte nicht die Summe der vergangenen Jahre. 2019 konnten wir insgesamt 9000 Euro zu unseren Einrichtungen in Peru, Indien und Kroatien überweisen. Doch wir sind dankbar; irgendwie machen wir immer wieder die Erfahrung: Für das, was gut und wertvoll ist, gibt es einen Weg! Wir sehen das als ein Zeichen des Himmels.

Das Geld ist für Projekte von Mitschwestern in Peru und Indien bestimmt. Die Not dort wurde durch die Corona-Pandemie noch verschärft. Wie gestaltet sich der Kontakt und was berichten die Schwestern?

In Indien leben und arbeiten 17 Schwestern in drei Einrichtungen: in zwei kleinen Altenheimen und in einer Schule mit Kindergarten. Die Regierung hat für die Schulen ein ganzes Jahr Ferien ausgerufen. Trotzdem bemühen sich unsere Mitschwestern, ihre Schülerinnen und Schüler online zu unterrichten. Die Schwestern, die mit den Bewohnern der Altenheime im gleichen Haus wohnen, waren von März bis Dezember aufgrund der Ausgangssperre doppelt belastet: nicht persönlich helfen zu können in dem Wissen, dass draußen die Menschen in großer Not sind.

Peru hatte sehr hohe Infektionszahlen und verhängte schon im März harte Beschränkungen, die noch immer gelten. Die Schulschließung wurde inzwischen sogar bis Juni 2021 ausgeweitet. Der Unterricht wird digital durchgeführt. Kinder in staatlichen Schulen wurden mit Laptops ausgestattet. Eltern, die ihre Kinder in Privatschulen oder kirchliche Schulen schicken, mussten selbst für das notwendige Equipment aufkommen. Deswegen starteten wir ein Laptop-Projekt. Wir hören dies alles im persönlichen, telefonischen Kontakt, per Videokonferenz und per E-Mail.

Sie haben vor diesem Hintergrund auch die hiesige Bevölkerung um Spenden gebeten und versichert, dass das Geld zu 100 Prozent in die Projekte fließt. Was konkret geschieht vor Ort damit?

Da ist zum einen das Laptop-Projekt: Mit den Spenden können wir in Peru und Indien Kindern und Jugendlichen Endgeräte zur Verfügung stellen, mit denen sie am Online-Unterricht teilnehmen können. Bildung ist nach wie vor der sicherste Weg aus ihrer prekären Situation.

In Peru erhalten die Menschen Lebensmittelpakete. In Lima kommen täglich 50 Menschen an unser Regionalhaus.

In beiden Ländern können manche ihre Miete nicht zahlen, da sie arbeitslos geworden sind. Da auch die Vermieter oft auf diese Einnahme angewiesen sind, ist das ein nicht endender Kreislauf. Wir unterstützen die Menschen, indem wir die Miete für sie bezahlen.

In Indien ist die Lage für viele Menschen - auch ohne Corona - dramatisch. Ohne regelmäßiges Einkommen, ohne ein staatliches System sozialer Hilfe, wie wir es kennen, lebt ein Großteil der Menschen ständig in der Sorge, wie sie den nächsten Tag bestreiten sollen. In der Corona-Situation kam hinzu, dass Millionen von Wanderarbeitern von einem Tag auf den anderen ohne Erwerbstätigkeit waren und keine Möglichkeit hatten, zu ihren Familien zurückzukehren.

Wie man auf der Homepage des Mutterhauses sehen kann, nutzt die klösterliche Gemeinschaft moderne Medien längst, um miteinander in Verbindung zu bleiben, aber auch um Außenstehenden Einblicke zu geben. Sind diese Möglichkeiten jetzt besonders wertvoll?

Oh ja, ich bin sehr dankbar und glücklich, dass wir Mitschwestern haben, die unsere Gemeinschaft und vor allem unser Engagement in den sozialen Medien abbilden. Es ist eine Art der Weitergabe christlichen Lebens. Manchmal wird Christ-Sein auf den sonntäglichen Gottesdienstbesuch reduziert. Das finde ich so schade. Jeder Mensch kennt Situationen, die unvergessen bleiben, weil sie sehr berührende Momente waren - freudig oder leidvoll. Ich glaube an einen Gott, der immer gegenwärtig ist - in Freude und im Leid. So bin ich auch davon überzeugt, dass zum Beispiel ein Alltagsbild auf Instagram, verbunden mit wenigen tiefsinnigen Worten, weltumspannend für einzelne Menschen ein AHA - in seinem ursprünglichen Sinn - sein kann: Ja, auch das hat was mit mir und mit Gott zu tun.