Drei Wirtshäuser besaß die Stadt Staffelstein am Anfang des 18. Jahrhunderts. Ein vollberechtigtes Wirtshaus konnte ein Hausbesitzer nicht einfach eröffnen; es bedurfte der obrigkeitlichen Genehmigung, Fremde zu bewirten und zu beherbergen. Da nur sie ein Wirtshausschild aushängen durften, sprach man vom Schildrecht und dementsprechend von "geschildeten" Wirten.

Ein solches Recht wurde etwa 1684 Johann Wachter für sein Haus am Marktplatz verliehen, fortan Gasthaus "Zum goldenen Stern". Auch das "Rote Ross" in der Bamberger Straße oder der "Schwarze Bär" in der Lichtenfelser Straße waren solche Wirtshäuser. Die drei "geschildeten" Wirte sahen sich freilich der Konkurrenz etlicher Mitbürger ausgesetzt. Von jeher konnte an den Jahrmärkten, wenn viel fremdes Volk in der Stadt war, jeder Hausbesitzer Gäste aufnehmen. Und außerdem spielte für fast alle Bürger das Bierbrauen eine wichtige Rolle: Im städtischen Brauhaus fertigten sie Bier, das sie dann teils selber tranken, teils an Mitbürger verkauften oder im eigenen Haus ausschenkten.

Zubrot durch Bierverkauf

Da nun in Staffelstein - nicht zuletzt dank des nahen Wallfahrtsortes Vierzehnheiligen - vergleichsweise starker Verkehr herrschte, war die Verführung für Bürger groß, sich durch die Bewirtung oder die Aufnahme von Reisenden ein Zubrot zu verdienen. Dieses Problem wurde 1725 lautbar. Damals entsandte das Bamberger Domkapitel als Inhaber der landesherrlichen Gewalt eine Kommission nach Staffelstein, um allerlei Missstände zu untersuchen, die dort eingerissen waren. Diese Kommission gebot allen Staffelsteiner Bürgern, bei der stattlichen Summe von zehn Taler "unnachlässiger Straff", durchreisende Personen, gleich ob zu Fuß oder zu Pferd, zu bewirten oder zu beherbergen. Ausnahmen waren nur zu den Jahrmärkten erlaubt und dann, wenn "die offentliche processiones [...] mit Creuz und Fahnen" durch die Stadt zögen, also Wallfahrten nach Vierzehnheiligen oder auch nach Marienweiher. Dann reichten die Unterkünfte in den Wirtshäusern nicht aus, so dass selbst die Wirte keine Bedenken gegen das Übernachten in Bürgerhäusern hatten.

Diese Verfügung stellte die Probleme nicht ab. Denn im 18. Jahrhundert wurde nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht war. Nach über vier Jahren, Anfang 1730, klagten die geschildeten Wirte wiederholt über drei Mitbürger, die "fast täglich die frembte Leuth mit allerhand gekochten Speissen [...] verlegeten". Die drei Beklagten wurden aufs Rathaus geladen und ernstlich ermahnt, dies zu unterlassen; sonst hätten sie die festgesetzte Strafe zu zahlen. Die Beschwerde der Gastwirte könnte auch eine Retourkutsche gewesen sein. Denn einer der betroffenen Bürger, ein Bäcker, hatte sich kurz zuvor, im September 1729, beim Domkapitel über den Wirt "Zum goldenen Stern" beklagt. Er warf ihm vor, Bier maßweise über die Straße verkauft zu haben. Das war wiederum den Gastwirten untersagt und nur den übrigen brauberechtigten Bürgern vorbehalten. Der Sternwirt hatte sich gegenüber dem Stadtrat, der wohl zur Stellungnahme aufgefordert war, verteidigt, das abgegebene Bier sei bloß ein Entgelt für einen Schuster gewesen, der ihm Schuhe und Pantoffel gefertigt habe. Einige Beamte habe er auch mit Bier versorgt, aber sonst nie über die Straße verkauft. Spürbar empört, hatte der Wirt angekündigt, er werde "dessetwegen mit gelegener Zeit Satisfaction [...] suchen", weil der anzeigende Bürger dem Domkapitel "falsch berichtet" habe. Die Gegenanzeige vom Januar 1730 war wohl die angedrohte Revanche.

Bäcker und Metzger beklagen sich

Doch das Grundproblem blieb bestehen, und nach über zwei Jahrzehnten brach es wieder einmal auf. 1751 beklagten sich die Bäcker und Metzger in Staffelstein beim Domkapitel gegen die Vorschrift von 1725. In der Nachbarstadt Lichtenfels und im nahen Markt Ebensfeld hätten alle fürstbischöflichen Untertanen die unbeschränkte Freiheit, Fußgänger, Wallfahrer und Flößer "nicht allein des Nachts zu beherbergen, sondern auch denselben die gemein Nothwendigkeit an Getranck und Essen, als eine Wurst oder Stuck Fleisch, [...] abzureichen". Das Vorrecht der Wirte beschränke sich dort auf Fuhrleute. Würden die Einschränkungen für die Staffelsteiner nicht aufgehoben, würde "der unvermeidliche Umsturtz des dortigen alt renomirten Städtleins und der dasigen Bürgerschafft in kurtzen Jahren nothwendig erfolgen".

Denn da die drei Wirtshäuser für die Fußreisenden nicht ausreichten, würden diese am "Stättlein vorbeygehen" und "der leichteren Zehrung willen in die nächst angelegene [...] Orth Lichtenfels und Ebensfeld abeilen". Denn die Staffelsteiner Wirte gäben die Maß Bier um einen Pfennig teurer ab als die brauenden Bürger. Der Amtsverweser allerdings, erst seit einem Jahr auf diesem Posten, stellte sich auf die Seite der Wirte. Diese klagten ohnehin, "wie sie in ihrer Nahrung von denen alldasigen Metzgermeistern sehr beeinträchtiget würden"; es gebe einige Metzger, "die des Tags mehr gesotten- und gebrathenes Fleisch ausspeiseten" als die Gastwirte "eine ganze Wochen hindurch". Das Domkapitel bestätigte daher das Dekret von 1725. Weiterhin durften Reisende bloß in den drei Wirtshäusern einkehren.